ADB:Sandhagen, Caspar Hermann

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Sandhagen, Caspar Herrmann“ von Carsten Erich Carstens in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), S. 355–356, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sandhagen,_Caspar_Hermann&oldid=- (Version vom 20. Mai 2019, 11:03 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Sandhaas, Georg
Nächster>>>
Sandmeier, Melchior
Band 30 (1890), S. 355–356 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Caspar Hermann Sandhagen in der Wikipedia
GND-Nummer 100271073
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|30|355|356|Sandhagen, Caspar Herrmann|Carsten Erich Carstens|ADB:Sandhagen, Caspar Hermann}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=100271073}}    

Sandhagen: Caspar Herrmann S., geb. am 22. October 1639 zu Berchteshusen in Westfalen als Sohn eines Volksschullehrers. Vorbereitet auf dem Gymnasium in Osnabrück, studirte er von 1657 an Theologie in Rostock, auch wol eine Zeit lang auf der Universität in Königsberg. 1665 fand er zuerst eine Anstellung in Bielefeld, wo man ihn zum Rector der Schule gewählt. 1672 folgte er dem Rufe als Superintendent nach Lüneburg und 1684 ernannte ihn der Herzog Christian Albrecht zu Schleswig-Holstein auf Gottorf zu seinem Oberhofprediger und Generalsuperintendenten. Es war damals aber die Zeit, wo der Herzoglich Gottorfische Antheil von dem König von Dänemark sequestrirt war und daher konnte S. erst 1689, nachdem der Frieden geschlossen, diese Aemter antreten. S. hatte seinen Predigern eine Auslegung des 7. Capitels des Propheten Micha zum Behuf der Anwendung zu einer Bußtagspredigt zugeschickt. Der damalige Königliche Generalsuperintendent D. Josua Schwarz glaubte in dieser Auslegung irrige Meinungen über das tausendjährige Reich entdeckt zu haben und veröffentlichte daher eine Schrift: Gründliche Widerlegung einer fast dem halben Theil des schlesw.-holst. Ministeriums im Mai 1696 zur Bußpredigt fürgeschriebenen, durchgehends aber dem Chiliasmus dienenden Auslegung des 7. Capitels Micha’s, 1697. S. starb indeß schon am 17. Juni dieses Jahres. Als er aber auf einer Visitationsreise erkrankte, ließ er sich krank nach Kiel bringen, ließ dort die Mitglieder der theologischen Facultät der Universität an sein Krankenbett kommen und bekannte vor denselben, daß sein College, D. Schwarz, ihm Unrecht gethan. Nach abgelegtem Glaubensbekenntniß schloß er: Ich glaube eine gnädige Vergebung der Sünden, Auferstehung des [356] Fleisches und nach dem Tode ein ewiges Leben. Bald darauf hat er den Geist aufgegeben. Es nahmen sich nun Andere seiner an. Zunächst erschien von Pastor Blech in Lüneburg eine Schrift: Vergewisserung, daß C. H. Sandhagen’s dem Ministerium A 1695 und 96 zur Bußpredigt vorgeschriebene Auslegung des 6. und 7. Capitels Micha nicht unrecht sei, dem Chiliasmo nicht diene und die dagegen gerichtete Widerlegung solche nicht vermöge umzustoßen (Schleswig 1700). Desgleichen erschien von dem bekannten Husumer Pastor und Kircheninspector J. M. Krafft (s. A. D. B. XVII, 14) unter dem Pseudonym Krato: Gerettete Unschuld zweier hochansehnlicher holsteinischer Generalsuperintendenten Herr H. C. Sandhagen und D. H. Mühlius wider die falschen Beschuldigungen D. Josua Schwarz’. Mit Vorrede von J. Mühlius. Schleswig 1702. Der Nachfolger im Amte von Sandhagen D. Mühlius hatte auch selbst eine Schrift zur Vertheidigung seines Vorgängers veröffentlicht, welche auch von Schwarz beantwortet worden war. – Schließlich erschien auch noch von demselben Krafft: Wahrer historischer Bericht von den Schleswig-Holsteinischen Kirchen-Streitigkeiten und Spaltungen wider D. J. Schwarz Tractat von den chiliastischen Vorspielen, principiis und Chiliasmo selbst D. Mühlii. Schleswig 1705. Außer durch einige lateinische Dissertationes und einige Casualpredigten hat S. sich auch als Gelehrter kundgegeben in den Schriften: „Kurtze Einleitung in die Geschichte unsers Herrn Jesu Christi, der Apostel, wie auch den Faden des N. T. nach der Zeitordnung aus den vier Evangelisten, der Apostelgeschichte und Briefen, wie auch Offenbarung Johannis zu betrachten“, Lüneburg 1684. 2. Aufl. 1688, und wieder abgedruckt mit Zusätzen aus seinen anderen Schriften Berlin 1702 u. 1711. Halle 1716. – „Erstes zehn theologischer Sendschreiben, darin unterschiedene Oerter der Heil. Schrift erklärt werden.“ Schleswig 1692 und 1703. Ander Theil 1694. Beide wieder zusammen gedruckt Jena 1711. Auch erschien von ihm ein Lehrbuch für die Schuljugend: „Katechismus-Milch“ Plön 1696, das in dem ihm untergelegten Bezirk in die Schulen eingeführt ward als Landeskatechismus. S. war persönlich mit Spener befreundet.

Moller, Cimbria litterata II, 751. – Scholz, holstein. Kirchengeschichte 278. – Jensen-Michelsen, schlesw.-holst. Kirchengeschichte IV, 34. – L. Helweg, den Danske Kirkes Historie efter Reformation I, 483, 514, 520.