ADB:Schütze, Friedrich Wilhelm (Pädagoge)

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Artikel „Schütze, Friedrich Wilhelm“ von Georg Müller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 140–142, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sch%C3%BCtze,_Friedrich_Wilhelm_(P%C3%A4dagoge)&oldid=- (Version vom 25. April 2019, 18:14 Uhr UTC)
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Schütze: Friedrich Wilhelm S., angesehener Schriftsteller auf dem Gebiete des Seminar- und Volksschulwesens, war zu Döcklitz in der Provinz Sachsen (Kreis Querfurt) am 19. April 1807 geboren und besuchte das Lyceum, von 1824 bis 1827 das Seminar zu Weißenfels, dessen Leitung kurz vorher Harnisch übernommen, mit seinem Geiste durchdrungen und mit einer Reihe tüchtiger Lehrer ausgerüstet hatte. Dankbar gedachte S. später der hier empfangenen Anregungen, die für seine Lebensrichtung, seine Lehrthätigkeit und seine schriftstellerische Wirksamkeit entscheidend wurden. Auf Harnisch’s Empfehlung zog ihn nach bestandener Schulamtscandidatenprüfung im J. 1827 Fr. Zahn als Lehrer an das Freiherrlich v. Fletcher’sche Seminar in Dresden, wo er einen außerordentlichen Fleiß entfaltete. Neben seiner Amtsthätigkeit, die zum großen Theile aus Musikunterricht bestand, war er von 1830 bis 1832 an der Kgl. Blindenanstalt beschäftigt, dazu genoß er zu seiner musikalischen Fortbildung den Unterricht des Hoforganisten, Johann Schneider, und trat bereits mit größeren schriftstellerischen Arbeiten hervor. Außerdem fesselte sein Interesse das eingehende Studium der deutschen Sprache und Grammatik, namentlich an der Hand K. F. Becker’s, wozu später die Vertiefung in das classische Alterthum kam, weil er die Reifeprüfung an einem Gymnasium bestehen und, einem schon in der Jugend gehegten Wunsche folgend, sich dem Studium der Theologie widmen wollte. Letzteres begann er 1842 in Leipzig, nachdem er sich bereits 1832 mit J. S. Wohllebe aus Weißenfels verheirathet hatte. Dieser Ehe entsproßten 8 Kinder, von denen zwei früh verstorben sind. Bereits nach zweijährigem Studium erhielt S. im J. 1844 vom Fürsten v. Schönburg einen Ruf als Director an das eben gegründete Seminar zu Waldenburg in Sachsen, das er „durch seine gesunde und nachahmungswürdige Einrichtung“ bald zu einer Musteranstalt erhob und über 40 Jahre leitete.

Daneben entfaltete er eine fruchtbare schriftstellerische Wirksamkeit, welche sich auf drei Gebiete bezog. Zunächst auf den Musikunterricht. Bereits 1835 war seine „Praktisch-theoretische Anweisung für den Unterricht in der Harmonielehre“ erschienen, welche von der 2. Auflage an den Titel führte: „Praktisch-theoretisches Lehrbuch der musikalischen Composition, nach pädagogischen Grundsätzen abgefaßt“. Sie fand schnell Anerkennung und weite Verbreitung (6. Aufl. 1883). Für die Hand des Schülers schrieb S. einen Auszug, die „Kleine Compositionslehre. Hand- und Wiederholungsbüchlein“ (Dresden und [141] Leipzig 1836, 2. Aufl. 1844). Als Frucht langjähriger Beschäftigung veröffentlichte er 1838 sein „Handbuch zur praktischen Orgelschule“, welche auch außerhalb Sachsens vielfach gebraucht wurde (6. Aufl. 1877). Daß es auch in den preußischen Regulativen vom October 1854 empfohlen wurde, gereichte dem Verfasser zu besonderer Freude; glaubte er doch so seinem Vaterlande einen Dienst der Wiedervergeltung leisten zu können. Für weitere Kreise bestimmt war der „Generalbaß für Dilettanten“ (Dresden und Leipzig 1837, 4. Ausgabe 1872). Zu jedem dieser Handbücher erschien ein umfangreiches, sorgfältig ausgearbeitetes „Beispielbuch“; das zum Unterricht im Orgelspiel hieß „Praktische Orgelschule“ (7. Aufl. 1884). Zu letzterer hatte u. a. sein Lehrer und Berather, der Hoforganist Johann Schneider, die Zwischenspiele geliefert. Ein Auszug ist die „Kleine Orgelschule“. In Gemeinschaft mit Johann Schneider schrieb er das „Evangelische Kirchenpräludienbuch nebst Commentar“, Dresden und Leipzig 1849. Außerdem veröffentlichte er den „Praktischen Lehrgang für den Gesangunterricht in Volksschulen“, Leipzig 1843.

Ebenso verbreitet sind Schütze’s Schriften über den Religionsunterricht. In Anlehnung an die Bestrebungen seines Lehrers Harnisch wollte er dem Bekenntnisse im Religionsunterrichte der Volksschule zu seinem Rechte verhelfen, „daß jeder Katechumen zu jeder einzelnen Lehre von Herzen sprechen lerne: Das ist gewißlich wahr“. Von 1865–1868 erschienen die „Entwürfe und Katechesen über D. Martin Luthers kleinen Katechismus“ (3 Bände, 3. Aufl. 1879). Die 4. Aufl. des 1. Bandes, an der der Verfasser bis wenige Tage vor seinem Tode gearbeitet hatte, ist von seinem älteren Sohn herausgegeben worden. (Eine schwedische Uebersetzung des Werkes von D. Karl Lind ist in Carlstad in 2. Aufl. erschienen.) Das Buch will dem Lehrer das zur Erklärung nothwendige Material in praktisch-verwendbarer Weise an die Hand geben. Der Gang ist der, daß eine Reihe von Fragen vorangestellt, mit Erläuterungen versehen und darauf in einer Katechese ausgeführt werden. Jenen Fragen und Antworten entspricht genau die Anordnung in dem für den Schüler bestimmten „Schulkatechismus. D. Martin Luthers kleiner Katechismus unter Mitwirkung des Consistorialrat D. Otto in Glauchau und des Oberpfarrer D. Closter in Meerane bearbeitet“ (2. Aufl. Leipzig 1883. Eine finnländische Uebersetzung von Juuso Hedberg erschien in Jywätskyläßä). Die systematische Begründung seiner Anschauungen hat S. in seiner „Praktischen Katechetik für evangelische Seminare und Lehrer“ (Leipzig 1879, 2. Aufl. 1883; eine norwegische Uebersetzung von Pfarrer Alfred Rosenlund erschien in Aaseral) gegeben, nachdem er sie bereits in einem Vortrage: „Die katechetische Form nach ihrer historischen Entwicklung und ihrem Stand in der Gegenwart“ (Leipzig 1864) kurz zusammengefaßt hatte. Zur Einführung der Lehrer in das Schriftverständniß sollte die „Schullehrerbibel“ (Dresden und Leipzig 1846 ff.) dienen; die zwei erschienenen Abtheilungen behandeln die Evangelien des Matthäus, Marcus und Lucas. Dem zweiten Bande ist eine „kurze Hermeneutik für Schullehrer“ vorausgeschickt.

Von großer Bedeutung sind ferner Schütze’s Arbeiten auf dem Gebiete der Volksschule und des Seminars. Seine Anschauungen über die Aufgabe des letzteren hatte er bereits 1851 in seiner Schrift: „Die Seminarnoth und ihre Abhülfe. Oder die Reorganisation der Volksschullehrerbildungsanstalten im Sinne der Schrift und nach den Bedürfnissen des Lebens“ niedergelegt. Er vertheidigte hierin das Seminar gegenüber den von allen Seiten, von dem Volke, der Kirche, den Staatsregierungen, den Lehrern, ja den Seminaren selbst erhobenen Vorwürfen und wollte dasselbe „auf christlicher Basis und in vollkommener Angemessenheit der richtig verstandenen Bedürfnisse des Volkslebens“ organisirt wissen. Zur wissenschaftlichen Ausrüstung der Lehrer veröffentlichte er sein Hauptwerk [142] „Evangelische Schulkunde. Praktische Erziehungs und Unterrichtslehre für Seminare und Volksschullehrer“ (6. Aufl. 1884 noch von dem Verfasser selbst besorgt; die siebente wird von seinem ältesten Sohne herausgegeben). Er bietet dem Lehrer die theoretischen Unterlagen für seinen Beruf: Psychologie, System und Geschichte der Pädagogik. Als besonders gelungen darf der dritte Theil angesehen werden, welcher die Unterrichtslehre und zwar im zweiten Untertheile die der einzelnen Fächer ausführt. Die Auswahl des Stoffes und die Verarbeitung zeigen allenthalben die reiche Erfahrung und das meisterhafte Lehrgeschick des Verfassers. Ein Auszug aus diesem größeren Werke ist der „Leitfaden für den Unterricht in der Erziehungs- und Unterrichtslehre“ (Leipzig 1879, 3. Aufl. 1885), dem ein noch kürzeres „Pädagogisches Repetitorium“ folgen sollte.

Je mehr Dentzel’s Wort wahr ist: „Es ist in der That leichter ein Lehrbuch für die Universität zu schreiben, als für die Elementarschule“, umsomehr verdient Schütze’s schriftstellerische, aus der Fälle praktischer Erfahrung hervorgegangene Wirksamkeit die Anerkennung, die ihr zu theil wurde. Bei seinem 50jährigen Lehrerjubiläum im J. 1877 wurde ihm der K. Sächsische Verdienst-Orden 1. Classe, sowie der Titel und Rang eines Schulraths, bei seiner Emeritirung im J. 1885 der eines Oberschulraths verliehen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Gohlis bei Leipzig, wo er am 12. Februar 1888 starb.

F. Sander, Lexikon der Pädagogik. 2. Aufl. Breslau 1889. S. 595 f. – Herzog-Plitt, Real-Encyclopädie für protestantische Theologie und Kirche. 2. Aufl. VII, 568. – W. Haan, Sächsisches Schriftstellerlexikon. Leipzig 1875. S. 317. – Einen kurzen Abriß seines Lebens und seiner pädagogischen Anschauungen hat S. in seiner Waldenburger Abschiedsrede gegeben, abgedruckt in dem „Bericht des fürstlich Waldenburgischen Schullehrer-Seminars (Waldenburg 1888), wo sich S. 60 auch eine Uebersicht über seine Schriften befindet.