ADB:Scheibe, Karl Friedrich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Scheibe, Karl Friedrich“ von Richard Hoche in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), S. 692–693, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Scheibe,_Karl_Friedrich&oldid=- (Version vom 18. April 2019, 17:03 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Scheibe, Johann Adolf
Band 30 (1890), S. 692–693 (Quelle).
Wikisource-logo.png Karl Friedrich Scheibe bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Karl Friedrich Scheibe in der Wikipedia
GND-Nummer 117193003
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|30|692|693|Scheibe, Karl Friedrich|Richard Hoche|ADB:Scheibe, Karl Friedrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117193003}}    

Scheibe: Karl Friedrich S., Philologe und Schulmann des 19. Jahrhunderts. – Er wurde am 26. August 1812 in Gera (Reuß) als Sohn eines wohlhabenden Lohgerbermeisters geboren, erhielt seine Schulbildung von Ostern 1819 bis Michaelis 1830 auf dem heimathlichen Gymnasium und studirte dann von 1830–34 in Leipzig Philologie. Hier trat er Gottfr. Hermann, der ihn auch in seine griechische Gesellschaft aufnahm, und Wilhelm Dindorf besonders nahe. Auf Hermann’s Empfehlung wurde er 1834 an die lateinische Hauptschule in Halle zunächst als Hilfslehrer berufen und hier nach abgelegter Prüfung pro fac. doc. im folgenden Jahre fest angestellt. 1836 veröffentlichte er seine erste größere gelehrte Arbeit „Observationes in oratores Atticos“, welche durch ihre Feinsinnigkeit und kritische Schärfe die Aufmerksamkeit der betheiligten Kreise in hohem Maße erregte. Im J. 1838 nahm er eine Berufung an das großherzogl. mecklenburgische Gymnasium Carolinum in Neustrelitz an und blieb an dieser Anstalt, seit 1847 als Professor, 18 Jahre hindurch. In diese Zeit stiller Lehrerthätigkeit fallen seine bedeutendsten wissenschaftlichen Arbeiten: die Conjecturen zu Antiphon und den Fragmenten des Lysias 1840; die große geschichtliche Arbeit über die oligarchischen Umwälzungen in Athen am Ende des peloponnesischen Krieges und das Archontat des Eukleides 1841, welche für die Auffassung der behandelten Zeitverhältnisse grundlegend geworden ist, ferner sein Vortrag auf der Berliner Philologenversammlung (1850) über den Charakter der griechischen und römischen Beredtsamkeit, die Ausgaben des Lysias (1852) und des Lycurgus (1853), die Vindiciae Lysiacae (1855), die Lectiones Lysiacae (1856) und daneben eine größere Zahl kleinerer Arbeiten, welche fast ausschließlich die griechischen Redner betrafen. – Im Herbste des Jahres 1856 nahm S. eine Berufung als Professor an das damals noch mit der Blochmann’schen Erziehungsanstalt verbundene Vitzthum’sche Geschlechtsgymnasium in Dresden an; in die ersten Jahre seines dortigen Aufenthaltes fallen seine letzten größeren wissenschaftlichen Arbeiten, die „Commentatio critica de Isaei orationibus“ (1859) und seine Ausgabe der Reden des Isaeus (1860). Seine wissenschaftliche Production wurde aber unterbrochen, als der bisherige Leiter der combinirten Anstalt Dr. Bezzenberger im J. 1861 von seiner Stellung zurücktrat und nun S. berufen wurde, als erster selbständiger Director das Vitzthum’sche Gymnasium völlig neu zu organisiren und auf eine den übrigen Landesgymnasien gleiche Höhe zu bringen. Für diese schwierige Aufgabe hatte man in S. gerade den rechten Mann gefunden. Als Lehrer von hervorragender Tüchtigkeit, als Gelehrter von Scharfsinn, Geschmack und vielseitiger Bildung hatte er sich schon längst bewährt; jetzt wurde ihm auch die Gelegenheit geboten, sich als einen geschickten Organisator, eifrigen und kraftvollen Director und – was hier wesentlich in Betracht kam – als gewandten Geschäftsmann zu bewähren, der auch die Formen der vornehmen Welt beherrschte. So gelang ihm die Lösung der [693] ihm übertragenen Aufgabe in überraschend schneller und glücklicher Weise und nach wenigen Jahren bereits durfte die Umgestaltung des Vitzthum’schen Gymnasiums und der mit demselben verbundenen Erziehungsanstalt als vollendet angesehen werden. Es war S. nicht vergönnt, nach diesen Jahren schwerer und aufregender Arbeit sich des Erreichten lange zu freuen; er starb nach kurzer Krankheit bereits am 27. October 1869 in Dresden.

Nekrolog in der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung 1869, Nr. 91, S. 478–480. – Bursian, Gesch. d. class. Philol., S. 910 u. 1151 f.