ADB:Schetz, Gaspar (2. Artikel)

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Artikel „Schets, Caspar“ von Wilhelm Sillem in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 53 (1907), S. 763–765, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schetz,_Gaspar_(2._Artikel)&oldid=- (Version vom 15. November 2019, 18:02 Uhr UTC)
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Schets: Caspar Sch. (auch Schet, Schatz, auch Corvinus). Ueber ihn als Humanisten berichtet kurz die A. D. B. XXXI, 141. Ueber seine Erlebnisse, besonders seine politische Stellung, ist das Folgende aus deutschen und niederländischen Quellen geschöpft, die freilich in der Darstellung seines Charakters sehr von einander abweichen.

Caspar Sch. († am 9. November 1580 in Mons), Baron von Grabbendonck, auch einfach Grabbendonck genannt, nach Wouters (Memoires de Viglius et d’Hopperus, Bruxelles 1858, p. 173) „Reichsgraf“, war „als Generalschatzmeister des Landes auch König Philipps II. Finanzagent, mittelmäßig gelehrt, ein erschrecklicher Dichter, ein intriganter Politiker, ein feiler Geldmann“ (A. Wolters, Reformationsgeschichte der Stadt Wesel, Bonn 1868, S. 299). Wouters dagegen (a. a. O.) urtheilt, Sch. habe für einen guten lateinischen Poeten seiner Zeit gegolten.

Für einen zeitweilig auch in Deutschland sehr gefeierten Humanisten muß er gehalten werden nach seiner Erwähnung im Leben des Eoban Hessus von C. Krause (Gotha 1879, Bd. 2, S. 189). Im Anfang November 1535 reiste nämlich Melanchthon von Jena über Erfurt nach Wittenberg. „Ich reiste nach Erfurt zu Eoban“, schreibt Melanchthon an Veit Dietrich am 5. November 1585 (Corp. Ref. II, 963), „mit einem gelehrten und gebildeten jungen Mann aus Antwerpen“. Dies war Caspar Sch., einer seiner Schüler. Melanchthon führte ihn bei Eoban ein und befriedigte dadurch seines Schülers Wunsch, vor der Heimkehr ins Vaterland den großen Erfurter Poeten gesehen zu haben. In den zwei Tagen ihres Aufenthaltes knüpfte sich zwischen Sch. und Eoban ein trauliches Band der Freundschaft, das sich später durch gewechselte Gedichte fortsetzte. Sch. besuchte Eoban später auch in Marburg und wurde von ihm (1540) mit einer Elegie beehrt, in welcher Eoban ihm die frühere Begegnung in Erfurt und die dort durch Melanchthon’s Vermittlung geschlossene Freundschaft ins Gedächtniß zurückrief (Krause a. a. O. S. 218). Sch. dankte ihm durch das Geschenk eines Dolches (a. a. O. S. 251). „Eigenthümlich, doch leicht begreiflich war es“, daß Eoban seine lateinische Uebersetzung der Ilias „einem noch ziemlich neuen und jugendlichen Freunde, dem Antwerpener Kaufmanne Caspar Schet Corvinus widmete. Sch. war ein leidenschaftlicher Freund humanistischer Studien, namentlich der Poesie, und hatte die Genugthuung, den Abdruck seiner übermäßig langen Dankelegie hinter dem Eoban’schen Homer zu erleben. Dieselbe besteht zum größten Theil aus nichtssagenden Phrasen, aus denen man etwa die bittere Klage herauslesen kann, daß ihn sein kaufmännischer Beruf und die Strafreden von Vater und Mutter von der Beschäftigung mit der classischen Litteratur abhielten“ (a. a. O. S. 251). Als Eoban am 4. October 1540 aus dieser Welt geschieden war, gehörte auch Caspar Sch. zu denen, die des Poeten Tod in einem Epicedion betrauerten (a. a. O. S. 263).

Aus späterer Zeit ist mir über Schets’ dichterische Leistungen nichts bekannt geworden; um so mehr über die politische Thätigkeit des einstmaligen Humanisten, welcher in den Niederlanden als einer der thätigsten Anhänger der spanischen Partei später auftrat.

Schon am 5. Mai 1561 lehnt Sch. es in einem Schreiben an seinen Freund und Studiengenossen, den Bürgermeister Groen in Wesel, ab, von diesem Bücher zu empfangen; es sei nicht sicher und gerathen, in Antwerpen Bücher jeder Art zu lesen oder im Hause zu haben; durch striktesten Befehl sei es verboten, andere als von „unsern Theologen“ approbirte Bücher in den Bibliotheken zu bewahren (Wolters a. a. O. S. 299). Freilich stand Sch. noch 1562 in Briefwechsel mit Wilhelm von Oranien, der, in Frankfurt [764] weilend, im November von Sch. die Nachricht erhielt, daß die Prinzessin Oranien entbunden worden sei, und daß bei der Schwachheit des Kindes die Gattin des Sch. Pathin gewesen sei, „a assisté pour commère en la haste“, so schrieb Sch., hinzufügend, sie werde hierdurch einen größeren Ruhm erlangen, als ihr zukomme (Groen van Prinsterer, Archives de la maison d’Orange-Nassau. Prem. Sér. Tom. I, p. 138). Auch im folgenden Jahre 1563, im December, war Sch. noch nicht entschieden zur spanischen Partei übergegangen. Damals fand bei diesem Antwerpener „Börsenkönig“ das Bankett statt, „auf welchem die Adligen zur Verhöhnung des Granvella’schen Prunkes sich verabredeten, ihre Dienerschaft nur noch in grauer, grober Kleidung erscheinen zu lassen“ (Wolters a. a. O. S. 299).

In den folgenden Jahren erscheint aber Sch. in gutem Einvernehmen mit den spanischen Gewalthabern in den Niederlanden (wiewohl Groen van Prinsterer T. V, 479 von ihm meint, daß er keineswegs ein Freund der Spanier gewesen sei), Sch. correspondirt mit Granvella über den schlechten Stand der Finanzen (Gr. v. Pr. a. a. O. T. I, 424) und unterstützt Alba mit seinen Mitteln, wie aus einem Briefe des Herzogs Adolf von Holstein-Gottorp in Alba’s Diensten an diesen hervorgeht. Er schreibt am 18. Aug. 1572 aus Deventer: „Wir wollen auch E. L. freundlich unverhalten sein lassen, daß wir uff die 10 000 Thaler, darauf Caspar [Schets] sich obligieret, nicht mehr denn viertehalbtausend Thaler in Hamburg bekommen können und haben uns selbst dahin obligieren müssen“ u. s. w. (a. a. O. T. III, 495). Sch. nahm an Friedensverhandlungen zwischen den Spaniern und Niederländern Theil, so 1577 an den Conferenzen in Gertruidenberg (a. a. O. T. VI, 39. 74. 85) und in Köln 1580 (T. VII, 194). Gr. v. Prinsterer führt auch von Sch. verfaßte Schriften an: einen Commentar de rebus quae inter Joh. Austriacum et Belgii ordines actae fuerunt und einen Dialog vom Jahre 1579 über die Mittel, zum Frieden zu gelangen (T. V, 479 und VI, 667); ob sie im Druck erschienen sind, ist nicht ersichtlich. Nach dem Urtheil Groen van Prinsterer’s war Sch. ein verdienstvoller Mann, und hatte sich an den genannten Verhandlungen sehr eifrig betheiligt, und habe den Prinzen von Oranien viel mehr geschont, als man es von einem eifrigen Katholiken erwarten könne (T. V, 479). Seit 1577 war er eine der Hauptstützen Don Juan’s. Allerdings eine bemerkenswerthe Wandlung des ehemaligen Schülers Melanchthon’s.

Endlich hat Wolters a. a. O. S. 299 noch die Notiz: „S. starb am 9. Nov. 1580, als eben der Proceß wegen Bestechlichkeit gegen ihn erhoben war, weil er dem englischen Gesandten die Geheimnisse der spanischen Politik verrathen“.

Leider gibt Wolters nicht die Quellen zu seinen Ausführungen an, so wenig wie er sagt, woher das frühere Citat über Sch., „mittelmäßig gelehrt, ein erschrecklicher Dichter“ u. s. w., stammt.

Wouters a. a. O. schreibt, daß Sch. beschuldigt wurde, die wichtige Stellung eines trésorier royal zu benutzen, um große Güter zu erwerben, „Grabbendonck faisait mauvais office“ war die Meinung über ihn in Amsterdam; ein Proceß pour malversation wurde gegen Sch. angestrengt. „Zu der Herrschaft Grabbendonck hatte er die Güter Wesemael und Hiegène nebst Besitzungen der Hingerichteten erworben.“

Schets’ Gemahlin war Catharina d’Ursel, Tochter des Ritters Lancelot d’Ursel. Das große Vermögen der Herzöge von Ursel soll von Schets herstammen (bei Wouters).

[765] Noch lange ist die Erinnerung an die Bedeutung der Antwerpener Familie „Schatz“ lebendig geblieben. Wenigstens schreibt der Hamburger Berenberg, selber aus niederländischer Familie abstammend, um ca. 1720, da er seine Genealogien niederländischer Familien in Hamburg verfaßte: „Die Schatzen ist ein berühmt Geschlecht zu Antoeff[1] gewesen, wie die Fugger zu Augspurg“.

Groen van Prinsterer, Briefwechsel aus dem Jahre 1577. – Zeitschr. d. Vereins f. Hamb. Gesch., Bd. 7, S. 556. – Die Berenberg’schen Genealogien, Manuscript, ein starker Foliant, jetzt im Hamburger Staatsarchiv.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. Schets, Caspar LIII 765 Z. 5. v. o. l.: Antorff statt Antoeff. [Bd. 56, S. 398]