ADB:Schroeder, Nicolaus Wilhelm

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Artikel „Schroeder, Nicolaus Wilhelm“ von Carl Gustav Adolf Siegfried in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 524–525, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schroeder,_Nicolaus_Wilhelm&oldid=- (Version vom 20. Juni 2019, 05:51 Uhr UTC)
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Schroeder: Nicolaus Wilhelm S., geboren am 22. August 1721 zu Marburg, ward 1744 außerordentlicher Professor der orientalischen Sprachen an der Universität seiner Vaterstadt; 1748 wurde er als ordentlicher Professor und Bibliothekar nach Gröningen berufen, woselbst er am 30. Mai 1798 gestorben ist. (Winer, Handb. der theol. Lit. II, 766.)

S. war ein Gelehrter von außerordentlichem Fleiß, welcher sich auf mehreren Gebieten der alttestamentlichen Wissenschaft Verdienste erwarb. Besonders hatten seine Arbeiten auf dem der Grammatik sich ihrer Zeit einer außerordentlich günstigen Aufnahme zu erfreuen. Seine „Institutiones ad fundamenta linguae hebr.“ 1766 erschienen, erlebten zahlreiche neue Auflagen 1775, 1778, 1785, 1792 (Ulm). Allgemein ward die ebenso gründliche als klare Darstellung der sprachlichen Bildungen und ihrer Gesetze anerkannt. Er bemühte sich mit den Mitteln seiner Zeit, nach der Methode von Albert Schultens, durch die Zusammenstellung des Analogen unter Vergleichung auch anderer Dialecte die hebräische Sprache verständlich zu machen, gab übersichtliche Tabellen der anomalen Formen und fügte, was damals ein Novum war, eine sorgfältig ausgearbeitete Syntax hinzu. Daß diese Arbeit dem jetzigen Stande der Spracherkenntniß nicht entspricht, versteht sich von selbst und kann ihr nicht zum Vorwurf gemacht werden. (Sonst vgl. Ernesti, neue theol. Bibl. VII, 441 ff. – Hetzel, Gesch. der hebr. Sprache 1776 S. 323. – Eichhorn, allg. Bibliothek der bibl. Litt. VIII, 655 f. – Meyer, Gesch. der Schrifterklärung V, 129–131. – Gesenius, Gesch. der hebr. Sprache 1815 S. 129. – Diestel, Gesch. des A. T.’s S. 563–565, wo gut ausgewählte Beispiele für Schroeder’s Behandlung der Formenlehre. – Bleek-Kamphausen, Einl. in das A. T. S. 140.) Als ein Nachtrag zu diesem Werke erschien 1787 ein „Appendix institutionum ad fundamenta linguae hebraicae … Chaldaismi biblici praecepta exhibens“ 54 S. (s. darüber Eichhorn a. a. O. VIII, 693 f. – Meyer a. a. O. V, 70). Seine lexikalischen Beobachtungen legte er in seinen „Observationes selectae ad origines hebr.“ 1762 nieder. Auch sie gingen aus der Schule von Albert Schultens’ hervor, wußten aber die Mängel dieser Methode, die einseitige und falsche Benutzung des Arabischen für hebräische Worterklärung, glücklich zu vermeiden (vgl. Gesenius a. a. O. S. 129). Auf die Textkritik wandte S. die Schultens’sche Methode an in seiner Schrift „De causis criticae, quae in s. V. Ti codice exercetur etc.“ (s. den vollst. Titel bei Winer a. a. O. I, 95) 1787. Er gehört durch diese Arbeit in die Reihe derer, welche mit der veralteten Form der Critica sacra brachen und die Textkritik des A. T.’s auf die Höhe einer philologischen Disciplin erhoben (vgl. Diestel a. a. O. S. 351). Schroeder’s Hauptarbeit, welche, obwohl der Zeit nach die früheste doch diejenige geblieben ist, welche noch bis auf den heutigen Tag benutzt, beziehungsweise ausgeplündert wird, ist sein philologisch-kritischer Commentar zu Jes. 3, 16–24 „De vestitu mulierum hebraearum“ (s. den vollst. Titel bei Winer a. a. O. I, 145), welcher 1745 mit einer Vorrede seines Lehrers Schultens [525] erschienen ist. Die Arbeit steht auf der Höhe der damaligen semitischen Sprachwissenschaft, der Verfasser beherrscht insonderheit, soweit das damals möglich war, das Arabische und Hebräische vollständig, zeigt eine ausgebreitete Kenntniß der Litteraturen, auch vieles Handschriftlichen selbst aus der persischen Litteratur, hat namentlich die alten Lexikographen und Scholiasten, auch die alten Uebersetzungen, sowie auch die rabbinischen Erklärer in staunenswerther Ausdehnung bisweilen bis zum Erschöpfenden durchgearbeitet, so daß besonders in den letzteren Beziehungen es selbst jetzt kaum möglich sein wird, noch etwas Neues von Belang hinzuzufügen. Das Einzige, was noch mangelte, war die Benutzung der Nachrichten neuerer Reisenden zur orientalischen Costümkunde. Darauf bezügliche Nachträge hat Jahn’s Archäologie I, § 143–159 gebracht. Das spätere Werk von A. Th. Hartmann, die Hebräerin am Putztische, 3 Thle. 1809 steht wesentlich auf den Schultern Schroeder’s (vgl. besonders Gesenius, der Prophet Jesaia II, 1 S. 204). Sonst wären von Schriften Schroeder’s noch zu nennen, erstens, als theilweise ihm angehörig, die „Sylloge dissertationum“ 2 Thle. 1772, 1775 (s. den vollst. Titel bei Winer a. a. O. I, 192): Doctorschriften, welche unter dem Präsidium der beiden Schultens (A. und J. J. S.) und Schroeder’s veröffentlicht wurden, wobei zu berücksichtigen, daß nach damaliger Sitte die Dissertationen von den Universitätslehrern im Grunde gemacht wurden. Zweitens wäre noch zu nennen die „Dissertatio philologica in cantum Chabacuci“ 1781, das 3. Capitel des Propheten Habakuk betreffend (vgl. Bleek-Kamphausen a. a. O. S. 160).