ADB:Schulze, Georg

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Artikel „Schulze, Georg“ von Heinrich Pröhle in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 775–776, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schulze,_Georg&oldid=2506954 (Version vom 29. März 2017, 09:08 Uhr UTC)
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Schulze: Georg S., Germanist und Pfarrer. Er wurde als Sohn armer Eltern zu Clausthal am 30. December 1807 geboren, studirte zu Göttingen 1829–1834 Theologie, war aber dort auch mehr oder weniger Amanuensis von Jakob Grimm. Er wurde Hauslehrer in Brunsrode und Collaborator in Achelride bei Osnabrück. Von 1842–1863 war er Pfarrer in der Bergstadt Altenau auf dem Oberharze. Er arbeitete für das Grimm’sche Wörterbuch, wurde Mitarbeiter an den Sagen Niedersachsens von Harrys und den Harzsagen von Pröhle, in denen ihm das oberharzische Dialektstückt: „Mr soll dn Teifel net porre“ durch meisterhafte Behandlung der prosaischen Volkserzählung die Bewunderung von V. A. Huber und Besuche von Philipp v. Nathusius sowie von J. G. Kohl brachte. Durch seine Verbindung mit dem Buchhändler Schweiger, dem früheren Stadtverordnetenvorsteher und hannöverischen Landtagsabgeordneten von Clausthal, wurde er auch ein Hauptmitarbeiter an den bergmännischen Wochenblättern und am Harzbergkalender, für welchen Herr v. Heyden, jetzt Mitglied des Staatsrathes, als Kenner des hannöverschen sowie des schlesischen Bergwesens, das Titelbild entwarf. Auch machte er in dieser Zeit die zweite Auflage der von ihm schon 1833 in Clausthal herausgegebenen „Harzgedichte. Nach einer besseren Orthographie geschrieben und mit einem Wortregister versehen“, welche von Jakob Grimm in den Göttinger Gelehrten Anzeigen besprochen und von dem bekannten Novellisten Wilhelm Blumenhagen in einem den Harz behandelnden Bande des „malerischen und romantischen Deutschland“ durch Abdruck einer Probe sogleich empfohlen waren. Die hohe Einfalt und die tiefe Poesie des Bergmannslebens auf dem hannöverischen Harze war zuerst von Zachariä 1763 hervorgehoben worden, wie sie denn später auch Goethe und H. Heine nicht entging. Keiner von diesen Bewundern des Oberharzes aber wußte, daß die Bergleute selbst ihr Leben nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch gelegentliche Dialektgedichte in eine Idylle zu verwandeln suchten. Aus dieser im ganzen wenig umfangreichen Litteratur gab S. in jenen „Harzgedichten“ eine Auswahl von einigen Druckbogen. Sie enthält nicht viel mehr als die prächtigen Gedichte „De Barkmannsfra an Silvesterohmd“ und „Sunnohmdsverknieng“ von Halfeld (einem um 1840 wegen Unterschleifs übers Meer gegangenen Schichtmeister) und das stramme Gedicht vom Diebe im Dohnenstieg „De Schtrofen bleim net aus“, sowie das an schöne mittelalterliche Weisen erinnernde „Dr Morring in May“ (beide von W. Lampe, der noch 1850 in Clausthal lebte). Außer den von S. aufgenommenen Gedichten gab es noch einige gute Gelegenheitsgedichte und besonders ein in seiner Art vortreffliches Lehrgedicht „’s Bärbrich uf ’n Ewerharz“, von einem verunglückten Bergmanne neuerer Zeit, welches auch in dem Originaldrucke für die bergmännische Sprache eine unerschöpfliche Fundgrube sein könnte. Indessen dachte S. nicht daran, diese Dialektgedichte als zweites Bändchen dem ersten anzureihen. Er verfaßte vielmehr selbst nun eine große Anzahl Dialektgedichte in der oberharzischen Mundart. Wenn diese auch im Werth den Gedichten der Bergleute in ihrer Specialität nicht gleichkamen, so zeigen sie ihn doch als tiefgemüthlichen Sänger, der im Vergleich mit seinen Vorgängern die Schilderung des Oberharzes [776] noch erweitert. Das schönste Gedicht auf einen Teich (den Polsterteich), erinnert an Lenau’s Schilflieder. Durch ihre tiefe Frömmigkeit können diese Gedichte noch lange segensreich auf das Volk wirken, wie man denn den eifrigen Gelehrten, der mit Unrecht von seinen Amtsbrüdern gering geschätzt wurde, hier auch als Volksschriftsteller im Sinne Hebel’s und Gotthelf’s kennen lernt. Schon war auch der hannöverische Hof auf S. aufmerksam geworden. Während einer Anwesenheit in Altenau wünschte ihn Georg V. kennen zu lernen. So erhielt er 1863 noch die gute Pfarrstelle zu Scharzfeld bei Lauterberg. Da indessen dort niederdeutsch gesprochen wurde, fühlte er sich dort sehr unglücklich. Den Bewohnern der sieben Bergstädte rief er 1864 in einem Neujahrswunsche zu: „Bleit mer gut, ihr druhm in Harz“! Als er fast gleichzeitig mit dem Königreich Hannover am 2. September 1866 in Scharzfeld sein Leben aushauchte, mußte seine zweite Gemeinde ihn nach Altenau ausliefern, wo er neben seiner ersten Frau begraben sein wollte.

Schulze’s eigene Gedichte erschienen zuerst nach seinem Tode in Herrig’s Archiv 1878, Band 60, S. 383–448 und 1879, Band 61, S. 1–52 unter der Ueberschrift: „Ewerharzische Zitter, harzische Gedichte mit Grammatik und Wörterbuch von S. Mitgetheilt von H. Pröhle.“ (Diese Publication gab 1884 Haushalter Veranlassung, die durch Jakob Grimm gebilligte Ansicht von S., daß die Sprache des Oberharzes ein fränkischer Dialekt sei, nochmals zu prüfen, wobei er zu dem richtigen Resultate gelangte: Die Oberharzer haben dieselbe Sprache wie die Bewohner des Erzgebirges, sind also, da die Erzgebirger obersächsisch sprechen, selbst der obersächsischen Mundart zuzuweisen.) Aus Herrig’s Archiv war auch eine Ausgabe der ewerharzischen Zitter durch Separatabdrücke hergestellt. Von diesem Separatabdrucke erschien dann 1885 eine veränderte und erweiterte Auflage von Schulze’s Sohne, königlich preußischem Bergfactor zu St. Johann an der Saar.

H. Pröhle.