ADB:Schumacher, Heinrich Christian

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Artikel „Schumacher, Heinrich Christian“ von Siegmund Günther in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 32–33, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schumacher,_Heinrich_Christian&oldid=- (Version vom 15. Juni 2019, 08:36 Uhr UTC)
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Schumacher: Heinrich Christian S., Astronom, geboren am 3. September 1780 zu Bramstedt in Holstein, † am 28. December 1850 zu Altona. S. war der Sohn eines Justizamtmannes, der lange Jahre in dem holsteinischen Städtchen Segeberg lebte, und ward selbst zur juristischen Laufbahn bestimmt. Er studirte demzufolge in den Jahren 1799–1804 theils in Kiel, theils in Göttingen die Rechte, allein obwohl er 1806 an letztgenannter Universität sich die Doctorwürde erwarb und auch mehrere in sein Berufsfach einschlagende Schriften herausgab, so zogen ihn doch von Anfang an die mathematischen Studien bei weitem mehr an. Von seinen Publicationen ersterer Art seien hier genannt: „Disputationum juridicarum specimen“ (1806) und „De servis publicis populi Romani“ (im gleichen Jahre). Auch wollen wir gleich hier daran erinnern, daß S. 1821 „Lieder von Schmidt von Lübeck“ (zweite Auflage 1826) erscheinen ließ. Von 1807–1810 lebte S. in Altona, um sodann als außerordentlicher Professor der Astronomie nach Kopenhagen überzusiedeln. Schon 1813 aber wurde er als Director der Sternwarte nach Mannheim berufen, wo er zwei Jahre weilte. Als jedoch 1815 der bekannte Bugge gestorben war, erhielt S. das nunmehr frei gewordene Ordinariat an der Kopenhagener Hochschule, und diesen Posten bekleidete er fünfunddreißig Jahre lang. Freilich hielt er sich in der dänischen Hauptstadt niemals dauernd auf, denn der Staat erlaubte ihm, für gewöhnlich in Altona zu wohnen und es wurde ihm da sogar ein eigenes Observatorium erbaut.

[33] Seine litterarische Thätigleit im Gebiete der exacten Wissenschaften begann S. mit der deutschen Bearbeitung von Carnot's „Géometrie de position“ (zwei Bände. Altona 1807–10). Durch diese Arbeit kam er mit Gauß in persönliche Beziehungen, und diese festigten sich immer mehr, so daß der dreibändige Briefwechsel zwischen beiden Männern, in welchem S. seiner Bewunderung für den genialen Freund übrigens einen mitunter wol gar zu devoten Ausdruck verleiht, als ein überaus werthvolles Sammelwerk für die Gelehrtengeschichte der ersten Hälfte unseres Jahrhundert anerkannt werden muß. Von Gauß angeregt, betheiligte sich S. auch an geodätischen Arbeiten und führte 1817, nachdem er mit einem neuen Apparate eine sehr genaue Basismessung vorgenommen hatte, eine Triangulirung des gesammten damals zu Dänemark gehörigen Festlandes aus, welche sonach vom Herzogthum Lauenburg aus bis zum Vorgebirge Skagen sich erstreckte. Damit stand in engster Verbindung die Bestimmung der Länge des Secundenpendels auf Schloß Güldenstein, an welche sich eine neue Regulirung des dänischen Maßsystemes anknüpfte. Schumacher’s zahlreiche Einzeluntersuchungen sind theilweise in Form selbständiger Monographien erschienen, so 1816 die Bestimmung der Polhöhe von Mannheim, 1827 jene der Polhühe von Kopenhagen, 1828 der offene Brief an Bréguet hinsichtlich einer neuen Pendeluhr, 1845 die kritische Bearbeitung der von Tycho Brahe am Kometen von 1585 angestellten Beobachtungen; dem größeren Theile nach aber finden sie sich in Zeitschriften, so zumal in v. Zach’s „Monatl. Correspondenz“. Von ihnen möchte besonders zu nennen sein die Untersuchung über die größte einem gegebenen Viereck einzubeschreibende Ellipse, welche für Gauß den Anstoß zu einer höchst eleganten Auflösung des einschlägigen Problemes abgab. Sehr vieles hat S. durch seine mannigfaltigen Tafelwerke geleistet. Er publicirte verschiedene Sammlungen von astronomischen Hülfstafeln (Kopenhagen 1820–29; ebenda 1822–23), gab in englischer Sprache Ephemeriden der Planeten heraus (ebenda 1821–30; 1834–35; 1838) und besorgte längere Zeit die Leitung des dänichen Kalenderwesens. Entschieden das größte Verdienst um die Sternkunde erwarb sich aber S. nicht sowohl durch eigene Leistungen, als vielmehr dadurch, daß er für sie und zugleich für die ihr nahe stehenden Disciplinen ein Centralorgan ins Leben rief, welches auf deren ganze Entwicklung einen kaum hoch genug zu schätzenden Einfluß ausgeübt hat. Bereits die „Astronomischen Abhandlungen“ (Altona 1823–25) können als Vorbereitung und Einleitung zu dem größeren Unternehmen gelten. Auch das „Astronomische Jahrbuch“ (Stuttgart-Tübingen 1836–44) kam den Wünschen der Fachwelt in geschickter Weise entgegen, und es sind in demselben viele vortreffliche Abhandlungen, ganz besonders aus der Feder Bessel’s, vereinigt. An erster Stelle aber stehen die in Form einer fortlaufenden Zeitschrift publicirten „Astronomischen Nachrichten“, deren erstes Heft im J. 1823 ausgegeben worden ist. Ihre Redaction führte S. bis zu seinem Tode; Petersen, Peters und Krüger sind ihm als Herausgeber dieses Journales gefolgt, von dem man ungescheut behaupten darf, daß darin das vornehmste Fachorgan, nicht allein Deutschlands, sondern der ganzen gebildeten Welt zu erblicken ist. Man kann sich leicht denken, daß unserem S. durch dieses Unternehmen eine führende Stellung in seiner Wissenschaft geschaffen ward, die sich auch in zahlreichen äußeren Ehrenbezeigungen kennzeichnete. Die Anzahl der gelehrten Gesellschaften, welche ihn zu ihrem Mitgliede ernannt hatten, war eine überaus große.

Astronomische Nachrichten, XXXVI. Bd. – Lübker-Schröder, Lexikon der schleswig-holsteinischen, lauenburgischen und eutinischen Schriftsteller von 1796 bis 1812. S. 559 ff., Altona 1829. – Gersdorf’s Repertorium der deutschen und ausländischen Litteratur, IX. 175.