ADB:Schwarz, Johann Karl Eduard

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Artikel „Schwarz, Eduard“ von Paul Tschackert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 232–233, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schwarz,_Johann_Karl_Eduard&oldid=- (Version vom 8. Dezember 2019, 13:43 Uhr UTC)
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Schwarz: Johann Karl Eduard S., Jenaer Theologe, † 1870. S. stammte aus Halle an der Saale, wo er am 20. Juni 1802 in bürgerlichen Verhältnissen geboren wurde. Auf der lateinischen Hauptschule der Francke’schen Stiftungen daselbst vorgebildet, studirte er von 1822 bis 1824 ebenfalls in Halle Theologie. Nach Absolvirung der theologischen Prüfung und der Prüfung für das höhere Lehrfach trat er 1825 eine Lehrerstelle am Pädagogium des Klosters „Unserer lieben Frau“ zu Magdeburg an. Diesen seinen Beziehungen zum genannten Kloster, welches über eine Anzahl benachbarter Kirchen noch jetzt Patronatsrechte ausübt, verdankte S. schon im nächsten Jahre seine Uebersiedlung nach Altenweddingen bei Magdeburg, wo er die unter dem Patronat des Klosters stehende Pfarrstelle erhielt. Hatte er in Halle durch Vermittelung seiner Lehrer Wegscheider und Gesenius, welche ihm schon, als er noch studirte, ihr Interesse zuwandten, eine wesentlich rationalistische Bildung erhalten, so vertiefte er sich jetzt in der Stille in die Schriften Schleiermacher’s, welche seine weitere Entwickelung entscheidend beeinflußten. Mit einem ausgezeichneten Gedächtniß begabt und unermüdlich fleißig den Studien hingegeben, erwarb sich S. ein ebenso gründliches wie ausgebreitetes Wissen. Da er nun als Prediger durch hervorragende Rednergaben bald weithin bekannt wurde, so erhielt er schon 1829 einen Ruf als Oberpfarrer und Superintendent nach Jena, wo er zugleich als Honorarprofessor in den Kreis der Universitätslehrer eintrat. Diesem Doppelamte und seinem Jenaer Wirkungskreise überhaupt ist er treu geblieben; nur wurde sein Verhältniß zur Universität im Jahre 1844 fester gestaltet, indem er an derselben eine ordentliche Professur für practische Theologie erhielt und so auch als vollberechtigtes Mitglied der theologischen Facultät amtlich thätig sein konnte. Ehrenvolle Berufungen in andere Städte und Berufsstellungen, die sehr zahlreich an ihn ergingen, lehnte er alle ab; so nach Oldenburg (1834), nach Hamburg dreimal (1835, 1851 und 1855), nach Bremen (1836), nach Leipzig (1837), nach Petersburg (1839), nach Heidelberg (1846) und nach Breslau (1856). S. wußte sich in Jena an seiner rechten Stelle, und da ihm von allen Seiten Vertrauen entgegengebracht und Liebe bewiesen wurde, so ist das Verharren auf dem Boden des Großherzogthums Weimar, wo er eingewurzelt war, ihm selbst erwünscht gewesen. Gehen wir seiner gesegneten Thätigkeit, die er dort entfaltete, näher nach.

Als praktischer Geistlicher berufen und auch an der Universität für die Pflege der praktischen Theologie bestimmt, legte er den Schwerpunkt seiner Leistungen auf das practische Gebiet. Zuerst waren es seine Predigten, die ihm das allgemeinste Vertrauen verschafften; sie zeichneten sich durch Gedankenreichthum, erbauliche Haltung und kraftvollen warmen Vortrag aus. Einzelne seiner Predigten und Amtsreden sind auf besonderen Wunsch gedruckt worden; einmal, 1837, erschien auch eine ganze Sammlung von ihm (Jena, bei Frommann); doch war S. kein Freund der Veröffentlichung von Predigten, weil dem gedruckten Worte der mündliche Vortrag fehle. In seiner kirchenregimentlichen Stellung, zumal seitdem er Mitglied der obersten Kirchenbehörde des Großherzogthums Weimar geworden war und seit 1849 als Geheimer Kirchenrath und erstes geistliches Mitglied derselben wirkte, war es ihm vergönnt, auf die Verhältnisse der ganzen weimarischen Landeskirche einen vielseitigen Einfluß auszuüben; er bestrebte sich, sowohl persönlich auf die Geistlichen zu wirken als auch sachlich die kirchlichen Ordnungen, besonders die des Gottesdienstes zu verbessern, wovon unter anderem das „Evangelische Kirchenbuch“ 2 Bände, 1860 und 1863 (dessen zweiter Band von ihm allein besorgt wurde), beredtes Zeugnis ablegt. Jederzeit hat S. dabei in dem Verhältniß der Kirche zum Staate ein gutes Einvernehmen beider zu bewahren sich bemüht. Als praktischer Professor hielt er Vorlesungen über Homiletik, Katechetik und Ethik und als Director des homiletischen und katechetischen [233] Seminars ließ er sich die Vorbildung der Studierenden für das geistliche Amt angelegen sein. Ueber seine Auffassung des genannten Instituts, über die Ziele, welche S. ihm gesteckt wissen wollte, und die Mittel, durch die er diese zu erreichen strebte, hat er sich in „Denkschriften“ desselben ausgesprochen. (Neue Folge I 1835; II 1839; in dem letztgenannten Hefte befindet sich von S. eine ausführliche Abhandlung „Ueber die Grundsätze bei Leitung des homiletischen Seminars“). Minder bedeutend erscheint S. als Schriftsteller, obgleich er es an gelehrten Detailarbeiten nicht hat fehlen lassen. In den „Theologischen Studien und Kritiken“ liegt eine Anzahl gelehrter Abhandlungen von ihm vor, und zu der ersten Auflage von Herzog’s Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche lieferte er eine ganze Reihe werthvoller Artikel aus dem Gebiete der christlichen Ethik und der theologischen Litteraturgeschichte seit der Reformation, Von denen ein großer Theil auch in die zweite Auflage derselben Encyklopädie übergegangen ist. An der Jenaer Allgemeinen Litteraturzeitung führte S. bis zu deren Eingehen (1848) die theologische Redaction; auch betheiligte er sich an der Gründung der Protestantischen Kirchenzeitung, zog sich indeß 1857 von dieser zurück, da er deren Haltung in Bezug auf das Verhältniß von Staat und Kirche nicht billigte. Seine wichtigste gelehrte Arbeit ist die zur Feier des Jubiläums der Universität Jena geschriebene Denkschrift „Das erste Jahrzehnt der Universität Jena“ (1858), in welcher er quellenkundig die theologischen Strömungen zeichnete, welche im 16. Jahrhunderte die Gründung dieser Hochschule im Gegensatze zu der von Wittenberg herbeigeführt haben. Im Zusammenhange mit diesen litterargeschichtlichen Studien aus dem Reformationszeitalter beschäftigte sich S. eingehend mit Nicolaus Amsdorf; doch hat er ein größeres Werk, welches er nach Dr. Peter’s Angabe (s. u.) über ihn unter der Feder hatte, nicht fertig zu stellen vermocht.

Bis zum Jahre 1865 hat S. in allen seinen Aemtern, hauptsächlich aber als Homilet und Mitglied des Kirchenregiments, in großem Segen gewirkt; da nöthigte ihn ein schmerzhaftes Nervenleiden, sein Amt als Superintendent und Oberpfarrer aufzugeben; einige Jahre darauf, am 18. Mai 1870, machte der Tod seinem Leben ein Ende.

Vgl. H. Holtzmann und R. Zöpffel, Lexikon für Theologie und Kirchenwesen, 1. Aufl. 1882, 634. – Dr. C. Peter in Herzog-Plitt-Hauck, Real-Encyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, Bd. XIII (1884), S. 734–736. – Nippold, (Friedrich), Handbuch der neuesten Kirchengeschichte, 3. Aufl. III, erste Abtheilung. (Geschichte des Protestantismus seit dem deutschen Befreiungskriege. Erstes Buch. Geschichte der deutschen Theologie) 1890, S. 338.