ADB:Scultetus, Andreas

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Artikel „Scultetus, Andreas“ von Hermann Markgraf in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 496–497, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Scultetus,_Andreas&oldid=- (Version vom 26. Mai 2019, 08:21 Uhr UTC)
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Scultetus: Andreas S., ein durch Lessing der Vergessenheit entrissener schlesischer Dichter, über dessen Lebensumstände sehr wenig bekannt ist. Sohn des Schusters Ambrosius Scholtz in Bunzlau, verwandt mit dem bekannter gewordenen Dichter Andreas Tscherning, dürfte er zwischen 1620 und 1630 geboren sein. Er besuchte die Liegnitzer Schule 1638 und 1639 und trat im August des letztern Jahres in die erste Classe des Breslauer Elisabetans, der er bis in den Anfang 1644 angehörte. Gleich darauf ist er katholisch und Schüler des Jesuitengymnasiums. Als solcher fordert er seinen früheren Lehrer Lic. Chr. Schlegel zu einer theologischen Disputation heraus, erregt aber dadurch solches Aergerniß, daß der Breslauer Rath im April 1644 seine Ausweisung aus Breslau erwirkt. Damit verschwindet seine Spur. Ein P. Andreas Schultz war 1681 bis 1685 Rector des Jesuitencollegiums und Stadtpfarrer in Schweidnitz; indeß ist bei der Häufigkeit dieses Namens ein Beweis für die Identität mit dem ehemaligen Dichter nicht zu erbringen. Als Dichter ist S. von Lessing entdeckt worden, dem in der Wittenberger Universitätsbibliothek unter einem Wuste alter Leichen- und Hochzeitlieder seine „Oesterliche Triumphposaune“, Breslau 1642, aufstieß. Die Freude, unter vielem gänzlich Ungenießbaren etwas Besseres zu finden, erregte in Lessing eine solche Begeisterung für den Dichter, daß er das Gedicht immer und immer wieder las, bis er es auswendig wußte. Er vergleicht es mit dem Besten von Opitz. Während seines Breslauer Aufenthaltes fand er dann andere Gelegenheitsgedichte von ihm aus den Jahren 1640–1642 auf und schloß aus dem Versiegen des poetischen Stromes im Jahre 1642, daß ein zeitiger Tod „so frühe und so besondere Talente so gänzlich erstickt“ habe. Erst Dziatzko hat aus Breslauer amtlichen Papieren des Dichters Uebertritt zum Katholicismus nachgewiesen und den wohl berechtigten Schluß gezogen, daß die der Conversion [497] vorausgehende innere Erregung und Beschäftigung mit theologischen Fragen ihn seiner Muse entzogen habe. Die bisher bekannt gewordenen Gedichte, sämmtlich s. Z. in Einzeldrucken erschienen und sehr selten, darunter eine Anzahl lateinische, reichen von 1638–1642. Lessing veröffentlichte die von ihm aufgefundenen mit einer begeisterten Vorrede, Braunschweig 1771, Johann Gottlieb Jachmann gab eine Nachlese dazu, Breslau 1774, zu der S. B. Klose in seiner Besprechung in den Neuen litterarischen Unterhaltungen, April 1774, noch Einiges hinzufügte, Eine zweite Nachlese gab Hieronymus Scholtz heraus, Breslau 1783, und auch Hoffmann v. Fallersleben trug im Weimarischen Jahrbuch für deutsche Sprache III (1855) einige deutsche Gedichte nach. Weder Scholtz noch Hoffmann haben Klose’s Besprechung gekannt, ihre Nachlesen bieten daher nicht durchweg neue Funde. – Es ist nicht zu bestreiten, daß Lessing in seiner jugendlichen Entdeckerfreude die dichterische Begabung des S., von dem damals kein Gelehrtenlexikon die geringste Notiz brachte, über den er auch später nicht einmal von seinen Breslauer Freunden Arletius und Klose Auskunft erlangen konnte, überschätzt hat; die Sprache ist zwar leicht, aber der Ausdruck nicht immer geschmackvoll, die Bilder gesucht und die Gedanken selten originell. Gelegenheitsgedichte in deutscher und lateinische Sprache machten damals fast alle Schüler höherer Classen, und viele brachten sie auch zum Druck. S. mochte zudem von seinem älteren Verwandten Andreas Tscherning, über den ihn Lessing zu stellen geneigt ist, persönliche Anregung empfangen haben. Die ungewöhnlich lange Zeit, die er auf der Schule zubrachte, läßt sicher darauf schließen, daß er zu arm war, um die Mittel zum Besuche der Universität aufzubringen. Daß er bald nach seinem Uebertritt zum Katholicismus seinen früheren Lehrer zur Disputation herausforderte, nimmt für seinen Charakter nicht ein. Ihn dazu angestiftet zu haben bestritt der Superior der Jesuiten.

Außer den Ausgaben vgl. Dziatzko, der Uebertritt des Dichters Andreas Scultetus von Bunzlau zum Katholicismus im J. 1644 in Zeitschr. für Gesch. u. Alt. Schlesiens XII, 439 ff. und E. Wernicke, Chronik der Stadt Bunzlau S. 479–481.