ADB:Seivert, Johann

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Seivert, Johann“ von Georg Daniel Teutsch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 664–665, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Seivert,_Johann&oldid=- (Version vom 11. Dezember 2019, 05:43 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Seitz, Johann Baptist
Nächster>>>
Seiwert, Gustav
Band 33 (1891), S. 664–665 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Seivert in der Wikipedia
GND-Nummer 124825877
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|33|664|665|Seivert, Johann|Georg Daniel Teutsch|ADB:Seivert, Johann}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=124825877}}    

Seivert: Johann S., Forscher auf dem Felde der Geschichte Siebenbürgens und namentlich der Sachsen, sowie der siebenbürgisch-sächsischen Mundart, ist am 17. April 1735 in Hermannstadt, der Sohn eines angesehenen bürgerlichen Hauses geboren, am 24. April 1785 als Pfarrer von Hammersdorf, der Nachbargemeinde Hermannstadts, gestorben. Nach dreijährigen Universitätsstudien in Helmstedt (1754–57), wo ihn der Hauch des damaligen Anakreontischen Liederfrühlings berührte (Siebenbürgische Kleinigkeiten von J. S.-Coburg, druckts und verlegts Georg Otto, 1758), diente er von 1758 an als Lehrer am Gymnasium seiner Vaterstadt und wurde 1764 Prediger (Diaconus) daselbst, bis ihn im November 1771 Hammersdorf zum Pfarrer berief. Von einer erstaunlichen Arbeitskraft und Arbeitsfreude getragen, steht S. mit an der Spitze jener Männer, die der neu aufgehenden deutschen Wissenschaft in Siebenbürgen die Wege bereitet haben. Ein reiner und edler Charakter, dabei ein scharfdenkender, kritischer und feingebildeter Geist steigt er, namentlich auch in den geschichtlichen Fragen, die er behandelt, immer zu den letzten ihm erreichbaren Quellen hinunter; die tiefere und wissenschaftlichere Verwerthung des so reichen Urkundenschatzes für die Geschichte der Siebenbürger Sachsen beginnt mit ihm. Seine Mittheilungen über das Bistritzer Erbgrafenthum Hunyady’s (Ungrisches Magazin, Preßburg 1781, 1, 54), Vom Ursprung der Burzenländischen Sachsen in Siebenbürgen (Ungrisches Magazin IV, 211), Beiträge zur Religionsgeschichte von Hermannstadt in den Jahren 1521 bis 1546 (Ungr. Magazin IV, 154) erschließen geradezu neue, bis dahin unbekannte, werthvollste [665] urkundliche Quellen. Seine Grafen der sächsischen Nation und Hermannstädtischen Königsrichter im Großfürstenthum Siebenbürgen (Ungr. Magazin II. 261, III. 129, 393), die Provinzialbürgermeister von Hermannstadt (Siebenbürgische Quartalschrift II, 184, auch in einem Sonderdruck 1791 erschienen), Chronologische Tafel der Provinzialbürgermeister, Stuhlsrichter und Stadthannen zu Hermannstadt (Quartalschrift II, 55), die sächsischen Stadtpfarrer zu Hermannstadt (Hermannstadt 1777), Skizze der Superintendenten A. C. im Großfürstenthum Siebenbürgen (Hermannstadt 1791), Entwurf der siebenbürgischen katholischen Bischöfe zu Weißenburg (Quartalschrift I, 171) sind Arbeiten mühsamer gründlicher Forschung und von bahnbrechender Bedeutung. Dasselbe gilt von seinen „Inscriptiones monumentorum Romanorum in Dacia mediterranea“ (Wien 1774). Die Skizze: Hermannstadt (Ungr. Magazin, IV, 397) enthält werthvolle Beiträge zur alten Topographie der Stadt. Seine Abhandlung von der siebenbürgisch-sächsischen Sprache (Ungr. Magazin I, 257), worin er „den Wunsch eines großen Leibnitz auch nur einigermaßen zu erfüllen“, in Proben dieser Mundart den ersten Versuch eines Idiotikons derselben machte, und das Hohelied Salomos in siebenbürgisch-sächsischer Sprache (Ungr. Magazin IV, 22) sind die ersten gedruckten Anfänge der, ein halbes Jahrhundert später mit neuer Kraft im Siebenbürger Sachsenland erwachenden germanistischen Studien. Seivert’s um mancher andern zu geschweigen, bedeutendste Arbeit ist jedoch das in seinem Todesjahr (Preßburg 1785) erschienene Werk: „Nachrichten von Siebenbürgischen Gelehrten und ihren Schriften“. Es umfaßt „die sächsischen und ausländischen Gelehrten, die im Schoß unserer Völkerschaft gelebt haben“; ein zweiter Theil war für die siebenbürgischen Ungarn und Sekler in Aussicht genommen und ist, was nach seinem Tod sich fertig davon vorfand – bis Istvánfi – in der Siebenb. Quartalschrift veröffentlicht worden. Die „Nachrichten“ enthalten „einen außerordentlichen Reichthum von anziehendsten, lehrreichsten, wissenswürdigsten Daten, aus weithin zerstreuten, seither zum Theil verloren gegangenen Quellen gesammelt, dabei meist mit seltener Genauigkeit nach dem Stand der damaligen Wissenschaft kritisch gesichtet und jede Prüfung aushaltend, in der Einfachheit und Naivität der Darstellung, die der innern warmen Theilnahme niemals entbehrt, immer mit eigenem Reiz anmuthend“. Das Buch wird für alle Zeit der siebenbürgischen Litteratur- und Culturgeschichte unentbehrlich bleiben. Die Geographie des Großfürstenthums Siebenbürgen, welche K. G. von Windisch (Preßburg 1790) herausgegeben, ist zum großen Theil aus Seivert’s Handschrift – der mit Windisch, Bürgermeister von Preßburg, sehr befreundet war – entnommen.

Eine kurze Biographie Seivert’s hat Windisch als Einleitung zu den Nachrichten von Siebenbürgischen Gelehrten veröffentlicht; darnach De Luca, Gelehrtes Oesterreich I, 140, Meusel, Lexikon der teutschen Schriftsteller XIII, 73. – Trausch, Schriftstellerlexikon der Siebenbürger Deutschen, Kronstadt 1871, III, 286 und nach ihm Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Band 34, Wien 1877 – beide mit einem Verzeichniß sämmtlicher Schriften von Seivert. – Teutsch im Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde (1886) XX, 208.