ADB:Sigibert II.

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Sigbert II.“ von Felix Dahn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 244, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sigibert_II.&oldid=- (Version vom 30. Januar 2023, 09:17 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Sigibert I.
Nächster>>>
Sigibert III.
Band 34 (1892), S. 244 (Quelle).
Wikisource-logo.svg [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Sigibert II. in der Wikipedia
Wikidata-logo.svg Sigibert II. in Wikidata
GND-Nummer 103078878
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|34|244|244|Sigbert II.|Felix Dahn|ADB:Sigibert II.}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=103078878}}    

Sigbert (Sigibert) II., merowing. Frankenkönig (613), Sohn Theuderich II. von Burgund, von einer ungenannten Buhle, Enkel Childibert II., Urenkel von Sigibert I. und Brunichildis. Den elfjährigen Knaben erhob nach seines Vaters Tod seine Urgroßmutter Brunichildis zum alleinigen König des burgundischen und des (von Theuderich kurz vor seinem Tode eroberten) austrasischen Reiches, indem sie, in echt staatlicher Auffassung der Thronfolge, die sonst wie eine privatrechtliche Erbfolge behandelt ward, die drei jüngeren Brüder: Childibert, Corbus und Merovech, ausschloß. Sie führte kraftvoll für den Urenkel wie früher für den Enkel und Sohn die Regentschaft, den reichsverderberischen Dienstadel zum Recht anhaltend. Allein eben deshalb verschwor sich dieser Adel wider sie mit Chlothachar II., dem Sohn ihrer Todfeindin Fredigundis, König von Neustrien. Auf das heimliche Bestreben dieses Adels, zumal der Stammväter des Karolingischen (richtiger Arnulfingischen) Hauses, des Bischofs Arnulf von Metz und Pippin’s (s. die Artikel), drang Chlothachar in Austrasien ein und bis Andernach vor: die Aufforderung Brunichildens (von Worms aus), das Gebiet zu räumen, beantwortete er mit Berufung auf einen Schiedsspruch erlesener Franken, d. h. des mit ihm einverstandenen Adels. Der Versuch der Regentin, die Thüringe und die übrigen rechtsrheinischen Stämme aufzubieten, ward durch Verrath des hierzu entsendeten burgundischen major domus Warnachar vereitelt. Und als nun die austrasischen und burgundischen Scharen Sigibert’s bei Châlons-sur-Aisne mit dem Heere Chlothachar’s II. zusammenstießen, da wandten jene, wie verabredet war, auf gewisse Zeichen hin den Rücken und zogen davon. Chlothachar folgte langsam, wie es ebenfalls verabredet war, holte an der Saone die vier Knaben ein und ermordete (wie unter grausamen Qualen Brunichilden) so Sigibert und Corbus. Childibert entkam noch durch rascheste Flucht und verscholl, Merowech verschonte Chlothachar, weil er sein Pathe war und sandte ihn zur Bewachung dem Grafen Ingobod nach Neustrien, wo er nach einigen Jahren starb.

Fredigarius Chron. ed. Krusch, Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Merovingicarum II., Hannoverae 1883. IV. 39, 40. – Jonas. vita St. Columbani († 615) ed. Mabillon, Acta Sanctorum ordinis St. Benedicti, Saecul. II, 5–29. – Vita St. Rusticulae (Marciae), Aebtissin von St. Caesaria zu Arles († c. 632) von Florentius Gallus, Priester von St. Paul-Trois-Châteaux, ebenda S. 319. – Litteratur: Bonnell, die Anfänge des Karolingischen Hauses. Berlin 1866 (Jahrbücher der deutschen Geschichte). – Fauriel, Histoire de la Gaule méridionale sous la domination des conquérants Germains. Paris 1836. II, 407. – Richter, Annalen des fränkischen Reiches I, 105. Halle 1873. – Waitz, Deutsche Verfassungsgeschichte II, 2.³. Kiel 1882. – Dahn, Urgeschichte der germanischen und romanischen Völker III, 190. Berlin 1833. Dahn, Deutsche Geschichte I, b. Gotha 1888. S. 173.