ADB:Spindler, Georg

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Artikel „Spindler, Georg“ von Friedrich Wilhelm Cuno in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 199–200, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Spindler,_Georg&oldid=- (Version vom 18. Juli 2019, 11:59 Uhr UTC)
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Spindler: Georg S., reformirter Theolog, ausgezeichneter Homilet und erbaulicher Schriftsteller, geboren um das Jahr 1525 zu Plauen im Voigtlande, † um 1605 zu Neumarkt in der Oberpfalz. Ueber den Lebensumständen Spindler’s in seinen jungen Jahren schwebt undurchdringliches Dunkel. Nur das ist bekannt geworden, daß er 1548 unter dem Rectorate des Caspar Cruciger in Wittenberg Theologie studirte. Nachdem er jedenfalls seine Candidatenjahre im Schulamte zugebracht, fand er im Jahre 1560 eine Predigerstelle zu Schlackenwerth in Böhmen bei dem Grafen Joachim Schlick zu Passaun, Herr zu Weißenkirchen. Hier verlor er durch einen Brand fast alle seine Habe. Albrecht v. Boskowitz auf Tzschermohor, Landkämmerer von Mähren, verschaffte ihm aber eine milde Beisteuer im Lande, wofür er sich in seinen 1570 veröffentlichten Predigten über das hohenpriesterliche Gebet sehr bedankt. Was die confessionelle Stellung Spindler’s betrifft, so war er von der damaligen kryptocalvinischen Strömung ergriffen worden, welche in genannter Herrschaft eine Stätte gefunden. Anfangs trat er noch bitter gegen die Reformirten auf, wie er in der Vorrede zu seinem „Klaren und wahren Bericht von Ursache alles Irrthums und Streites in Religionssachen“ bekennt, daß er 1574 ein Büchlein vom h. Abendmahl habe erscheinen lassen, von dem er wünschte, er hätte es nie geschrieben, aber seine 1578 zum ersten Male gedruckte Postille, die ihm, obwohl sie im lutherischen Sinne geschrieben ist, den Vorwurf der Gelehrten zuzog, seine Predigten wären „auf den calvinischen Schlag“ gemacht, brachte ihn zum Lesen der Institutio des Genfer Reformators, wodurch er in die reformirte Lehre, besonders vom h. Abendmahle, recht eingeführt wurde. Nach dem Tode des Grafen Schlick führte seine Wittwe noch einige Jahre mit den beiden Söhnen desselben Hieronymus und Ferdinand die Regierung über die Herrschaft Schlackenwerth, welche um das Jahr 1580, nach dem Zeugnisse Spindler’s, einen Flacianer und Ubiquitisten zum Herrn bekam, der diesen seines Dienstes entsetzte und wegtrieb. Einige Jahre irrte S., fern von seiner Familie, unter mancherlei Gefahren zu Wasser und zu Lande, umher. In dieser Zeit sah er sich vornehmlich in dem Kirchenwesen fremder Länder um. Am meisten imponirte ihm die einheitliche Ordnung der reformirten Fremdengemeinden Londons. Glücklich kehrte er zu den Seinen zurück und fand unter der vormundschaftlichen Regierung des Pfalzgrafen Johann Casimir zu Obernberngau in der Oberpfalz um 1584 „ein Nestlein, wo er die Wahrheit frei und öffentlich predigen durfte“. Einige Jahre später finden wir ihn als einen Diener des Wortes Gottes zu Eschenbach. In seinen letzten Lebensjahren wurde er in den wohlverdienten Ruhestand versetzt und nahm seinen Wohnsitz zu Neumarkt, wo er sich bis an sein Ende mit der Herausgabe guter Schriften zum Heile der Kirche beschäftigte.

S. hat eine stattliche Reihe vortrefflicher Bücher dogmatischen und homiletischen Charakters geschrieben, in denen eine edle, männliche Sprache waltet, die, einige veraltete Redensarten abgerechnet, sich heute noch mit Genuß lesen läßt. Selten findet man ähnliche Schriften, in welchen in solcher präcisen und allgemein verständlichen Weise einzelne Dogmen, wie die vom h. Abendmahle, von Christi Person, von der Prädestination, oder einzelne wichtige dogmatische Begriffe, wie Rechtfertigung u. a. dargelegt und entwickelt werden als S. dieses thut. Jöcher hat nur wenige Schriften Spindler’s aufgeführt, Zedler noch weniger. Wir lassen daher dieselben hier folgen. Mehrere Leichenpredigten; Ein Gebet und Gesang wider den Türken; „das hohe, kräftige, lebendige und ewige Gebet des einigen Mittlers und ewigen Hohenpriesters“; „Fastenpredigten von rechtschaffener [200] Buße“; „Postilla“ (1578 zum ersten Male erschienen, 15 Jahre später aber in reformirtem Sinne völlig umgearbeitet); „Ein sehr nöthiger Bericht von drei Artikeln: von Wunderwerken der Providenz und der Prädestination; Erklärung des 20. Psalmes; Passio und Resurrectio, Auslegung der Historien u. s. w.; Drei Predigten: von Beharrung bei Christo, vom Abfall, von wahrer Bekehrung zu Gott; Christliche Erklärung der Lehre vom Gnadenbunde von Urbanus Pierius, in’s Deutsche übersetzt; Meditatio mortis et vitae d. i. eine tägl. Betrachtung des Sterbestündleins; Zwei Predigten von Christi Person und Amte; Kurze Summaria und Gebete über die sonntäglichen Evangelien und Episteln; der 32. und 130. Psalm von der Justification; und das vorzüglichste Werk Spindler’s, zugleich seine letzte Schrift: Predigten über den Heidelberger Katechismus.

Jöcher. – Zedler’s Universallexikon. – Die Schriften Spindler’s und Vorrede zu denselben.