ADB:Sporer, Hans

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Artikel „Sporer, Hans“ von Ernst Mummenhoff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 271–273, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sporer,_Hans&oldid=2490856 (Version vom 21. August 2018, 04:33 Uhr UTC)
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Sporer: Hans S., auch Spörer, Junghanns priffmaler, Meister Hans puchtrucker, Hans Buchdrucker von Nürnberg, Kübelhans genannt, kommt nicht schon 1466 in Nürnberg vor. Er ist vielmehr identisch mit dem Briefmaler Hans, der erst 1471 in dem Nürnberger Bürger- und Meisterbuch aufgeführt steht. Sein Vater war, wie mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, der 1449 bis 1492 in den Bürgerbüchem vorkommende „Hans formsneider“, von dem er sich selbst durch die Bezeichnung „Junghans priffmaler“ unterscheidet. Er thut dies gleich in seinem ersten 1472 in Nürnberg gedruckten Buche, der zweiten Ausgabe des „Enndtekrist“, wo er sich zum Schluß als den Verkäufer oder Buchführer nennt: „Der junghannß priffmaler hat das puch zu nuremberg. 1472.“ Er war aber ohne Zweifel auch der Drucker des Buches, das er nach damaliger Sitte selbst vertrieb. S. gehörte zu jenen Briefmalern und Formschneidern – das Formschneiden hatte er, wie anzunehmen, bei seinem Vater gelernt – die längst nach Erfindung der Buchdruckerkunst zunächst noch mit Holzplatten druckten, indem sie zu den Holzschnitten auch gleich den Text der Platte einverleibten, und erst später zur eigentlichen Buchdruckerei mit beweglichen Lettern übergingen. Das genannte Buch ist eine solche xylographische Seltenheit, wovon sich nach Panzer ein Exemplar in der herzoglich Gothaischen Bibliothek befindet, nach Nagler auch ein weiteres in München, was anzuzweifeln sein dürfte, da es Maßmann nicht anführt. Es hat 38 nur auf der einen Seite mit dem Reiber gedruckte Blätter, von denen das 38. mit dem 1., das 37. mit dem 2. und so fort zusammenhängt und zugleich gedruckt worden ist. Die auf die Thätigkeit des Antichrist bezüglichen Darstellungen unterscheiden sich nur durch die Reihenfolge von denen der 1. Ausgabe. Auch fehlt der Holzschnitt mit der Werbung des Antichrist um seine leibliche Tochter.

Der zweite Nürnberger Druck Sporer’s ist die „Ars moriendi, die Kunst zu sterben“ vom J. 1473, gleichfalls mit Holztafeln, nur auf der einen Seite mit dem Reiber gedruckt. Am Schluß hat er die Bemerkung: „Hans sporer hat diß puch pruffmaler.“ Das Werk enthält außer den 2 Seiten der Vorrede [272] 11 Holzschnittbilder mit 11 gegenüberstehenden Seiten der Erläuterung. Die Anfangsbuchstaben des Textes sind groß und mit Laubwerk verziert, der übrige Druck fett und schmutzig, was zum Theil auf die Druckweise mit dem Reiber zurückzuführen sein dürfte. 1475 erschien, von ihm gedruckt, die biblia pauperum, die seinen Namen allerdings nicht führt, wol aber sein Zeichen, einen Sporn im Schilde, trägt. Sie ist in Text und Darstellungen ein Nachschnitt der 1470 von Friedrich Walther und Hans Hürning in Nördlingen gedruckten biblia pauperum, die in der kgl. Hof- und Staatsbibliothek zu München in zwei Exemplaren, einem in Doppeldruck mit 20 und einem in einseitigem Druck mit 40 Blättern, sowie in der Universitätsbibliothek daselbst in einem Doppeldruck vertreten ist. Nach Heller (Holzschneidekunst 349) existirt noch eine weitere Ausgabe dieser Bibel von S., gleichfalls mit 40 Blättern und zwei Zeichen, dem des Hans S. und einem Schild mit von rechts nach links gehenden drei Zacken, woraus man auf die Mitarbeiterschaft eines zweiten Künstlers geschlossen hat. Von dieser Ausgabe sollen sich Exemplare in Wolfenbüttel, Rebdorf und in Nürnberg, im Besitz des Geh. Raths v. Haller befinden bezw. befunden haben.

Von 1475 bis 1487 sind uns keine Druckwerke Sporer’s erhalten. Im letztgenannten Jahre taucht er plötzlich in Bamberg auf, wo er sich in einem Hause hinter St. Martin in der Frauengasse eine Druckerei eingerichtet hatte. Sein erstes Werk, das er hier druckte, war ein „Fiesierbüchlein“ vom genannten Jahre. Außerdem lassen sich noch folgende Bamberger Drucke von ihm nachweisen.

Rosenblüt’s Gedicht: „Ein Spruch von der Stadt Bamberg“, das er am Pfingstabend 1491 im Druck vollendete, ferner aus dem Jahre 1493: „Gedicht vom ersten Edelmann. (E)in newes gedicht etc.“ – „Lucifer mit seiner gesellschaft val.“ – „Morgener, Wallfahrt in das St. Thomasland.“ – „Vom kinig im pad.“ – „Die historj von dem grafen in dem pflug.“ – „Von keiser Karls recht.“ – „Wunderzeichen des h. Thomas in Indien.“ – Ohne Namensangabe druckte er 1493 zu Bamberg: „Von dem man im garten.“ – „Die erschöpfung des ersten menschen Adam.“ – „Die ausrufunge des hochwirdigen heyltum des löblichen stifts zu Bamberg.“ 1494 ging aus seiner Presse in Bamberg, aber ohne Namensangabe, hervor: „Ein Spottlied auf das fehlgeschlagene Ansuchen Herzog Albrechts von Sachsen, seinen Sohn Friedrich zum Coadjutor von Wirzburg wählen zu lassen.“ Ohne Anzeige des Druckers und Druckorts, aber jedenfalls in seiner Werkstätte hinter St. Martin entstanden, ist der auf der kgl. Bibliothek zu Bamberg vorhandene Druck: „Der pauern lob.“ Die vorletzten 2 Drucke sind bei Hain nicht aufgeführt.

Das Spottlied auf Herzog Albrecht von Sachsen und seinen Sohn Friedrich wurde die Veranlassung zu seinem Wegzuge von Bamberg. Er hatte durch ein Mädchen einige Exemplare dieses Spottgedichts nach Würzburg geschickt. Sie wurden dort eingezogen, verbrannt und S. bei Bischof Veit von Bamberg denuncirt. Um der Strafe zu entgehen, packte er seine kleine Officin ein und wandte sich nach Erfurt. wo er schon 1495 zu drucken begann. In dem mit diesem Jahre bezeichneten Druckwerke „Von Sancta Anna. Vnd von dem Tav O sant anna hilf selb tryt“ nennt er sich „Hanns Buchdrucker zu Nyrenberg“ „zu den eynsydeln bey sant Veitt“. In dasselbe Jahr wird sein weiterer, zum zweiten Male aufgelegter Druck: „Gesang von dem graffen in dem pflug“ gesetzt, der gleichfalls aus der Officin bei St. Veit hervorging, aber eine Unklarheit in der Jahreszahl enthält, da es heißt: „Im XIV. jare.“ Als fernere Erfurter Drucke sind zu nennen: „Kunstbüchlein. Ein bewert kunstbuchlin das den menschen gar nutzlich zu haben ist vil sachen dar zu lernen.“ Am Ende: „Gedruckt zu Erfort durch Johannsen spörer tzu dem wissen Lilgen berge bey [273] sant Pauls pfarr. Im 99 jare.“ Ohne Namensangabe, aber, wie aus der näheren örtlichen Bestimmung hervorgeht, von ihm zu Erfurt gedruckt sind: „Büchlein von den Tugenden und Kräften der edeln Steine“, wo es zum Schlusse heißt: „Gedruckt zv Erfortt in sant Pauls pfor zu den weissen lilligen berge. Anno domini 1498.“ „Von vnsers herren angesichte … Gedruckt zu Erfort pey sant paul im XCVIII.“ „Herzog Ernsts Ausfahrt“ … 1500 gleichfalls in seiner Druckerei in St. Pauls Pfarre „zu den weissen liligen Berge“ gedruckt. Er soll noch 1510 in Erfurt thätig gewesen sein und kann hier vielleicht einen Sohn zum Buchdrucker herangezogen haben, da noch 1545 ein Hans S. als solcher begegnet. Bemerkt sei noch, daß in den Nürnbergischen Bürger- und Meisterbüchern 1481 auch ein Peter S. „trucker“, ohne Zweifel ein Verwandter, vielleicht ein Bruder unseres S., vorkommt.

(Heinecken), Nachrichten von Künstlern u. Kunstsachen. 2. Theil. – Panzer, Annalen der älteren deutschen Litteratur – und Zusätze dazu. – Christ. Gottl. v. Murr, Journal zur Kunstgeschichte und allg. Litteratur. 2. Theil. – J. Heller, Geschichte der Holzschneidekunst. – Hain, Repertorium bibliographicum, dazu K. Burger, Die Drucker des XV. Jahrhunderts. – G. K. Nagler, Neues allg. Künstlerlexikon. – H. F. Maßmann, Die Xylographa der kgl. Hof- und Staatsbibliothek, sowie der tgl. Universitätsbibliothek zu München. – Sprenger, Aeltere Buchdruckergeschichte Bambergs. – J. Baader, Beiträge zur Kunstgeschichte Nürnbergs. 2. Theil. – Nürnberger Bürger- und Meisterbücher im kgl. Kreisarchiv Nürnberg.