ADB:Stöber, Elias

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Artikel „Stoeber, Elias“ von Friedrich Koldewey in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 272–274, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:St%C3%B6ber,_Elias&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 07:46 Uhr UTC)
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Stoeber: Elias St., geboren am 19. September 1719, war der Sohn eines protestantischen Geistlichen, der von 1706–1720 die Pfarre in dem Dorfe Bischheim (oder Bischofsheim) bei Straßburg verwaltete, in dem letztgenannten Jahre als Helfer (d. i. zweiter Prediger) an die Kirche Alt-Sanct-Peter zu Straßburg berufen wurde und in dieser Stellung bis zu seinem Tode im J. 1725 verblieb. Nachdem St. das protestantische Gymnasium seiner Vaterstadt durchlaufen hatte, bezog er, wie manche von seinen Straßburger Zeitgenossen, bereits mit 14 Jahren die dortige Universität, um sich zunächst philologischen, später auch theologischen Studien zu widmen. Im J. 1737 wurde er zum Magister der Philosophie promovirt und schon 1739 veranstaltete er von dem damals viel gebrauchten Compendium der römischen Alterthümer des Holländers Nieupoort eine neue Ausgabe. Zwei Jahre später unternahm er in Begleitung des ihm befreundeten Grafen v. Henneberg eine gelehrte Reise, die ihn nach Gießen, Marburg, Kassel, Hannover, Helmstedt, Magdeburg, Berlin, Wittenberg, Jena, Leipzig und Halle führte und ihn mit vielen bedeutenden Gelehrten in Verbindung brachte. In Leipzig verweilte er mehrere Monate, um den Vorlesungen dortiger Professoren beizuwohnen. Dasselbe that er nachher in Halle, wo vor allen der Philosoph und Mathematiker Christian v. Wolf, sowie der Theologe und Historiker Sigmund Jakob Baumgarten ihn anzogen. Nach der Rückkehr [273] in seine Vaterstadt setzte er seine gelehrten Studien fort, beschäftigte sich aber auch mit Predigen, wurde 1744 ordinirt und erhielt 1745 die Stelle eines Abend- oder Vesperpredigers an Alt-Sanct-Peter. Wenige Jahre darauf führte ihn eine zweite wissenschaftliche Reise nach Paris und nach England. In Oxford benutzte er besonders Handschriften der Bodleyanischen Bibliothek, doch kam seine Absicht, die Ergebnisse seiner Forschungen zu einer Ausgabe der griechischen Grammatiker Phrynichus, Moeris Atticista und Thomas Magister zu verwenden, nicht zur Ausführung. Seine Vorarbeiten sind später von Bernard und Pierson für ihre 1757 und 1759 zu Leiden erschienenen Ausgaben des Thomas und Moeris verwerthet worden. Auf späteren Reisen hat St. dann noch Basel und Zürich, Holland und das nordwestliche Deutschland besucht, und dabei besonders mit den Schweizern Breitinger, Bodmer und Salomon Geßner, sowie mit dem Göttinger Humanisten Joh. Matth. Gesner, Freundschaft geschlossen. Von 1763–1766 wirkte er an dem protestantischen Gymnasium zu Straßburg als Lehrer der griechischen Sprache, vertauschte aber 1766 diese Stelle mit der eines sogenannten Freipredigers, die ihm die Pflicht auferlegte, in den verschiedenen Gemeinden der Stadt Aushülfsdienste zu leisten. Daneben verwaltete er seit Juli 1768 eine außerordentliche theologische Professur an der Universität, wurde auch durch die Würde eines Doctors der Theologie ausgezeichnet. Er starb am 9. Mai 1778. Er selbst war nicht verheirathet. Sein älterer Bruder, der Notar Johann Daniel St., ist der Großvater von Daniel Ehrenfried St. († 1885), und der Urgroßvater von August St. († 1884) und Adolf St. († 1892). St. wurde wegen seines Fleißes und seiner Gelehrsamkeit, sowie namentlich auch wegen seines liebenswürdigen, gefälligen und dienstbereiten Wesens allgemein geschätzt und verehrt. Der Historiker A. W. Strobel sagt von ihm in seiner Geschichte der Alt-Sanct-Peterkirche auf S. 42: „Ein vortrefflicher Mann, der helle (d. i. aufgeklärte) Religionseinsichten und ein sanftes, wohlwollendes Herz besaß.“ Als Eigenthümlichkeit wird von ihm erzählt, er habe niemals Feuer im Ofen geduldet, sondern sich vor der Kälte auch im Zimmer durch Pelze geschützt, da er der Ansicht gewesen, die Pflanzenwärme sei dem Menschen nicht so natürlich und weniger zuträglich als die thierische Wärme. Seine Studien beschäftigten sich hauptsächlich mit der altclassischen Litteratur, doch erfuhr sein Hauptwerk, eine Ausgabe des Astronomen Manilius, in der er den Text von Rich. Bentley mit Anmerkungen begleitete (Argentorati 1767, 8°) keine allgemein günstige Beurtheilung. Größeren Beifall fand sein Communionbuch: „Der Buß-Übende und von Gott begnadigte Sünder etc.“, das zuerst 1755 in 16°, sodann 1768 und 1784 in 8° erschienen ist. In dem Verzeichniß seiner Schriften bei J. G. Meusel, Lexikon der von 1750–1800 verstorbenen Teutschen Schriftsteller XIII!, 412 f., fehlen einige Werke, die in der Straßburger Universitätsbibliothek vorhanden sind. Ein in Oel gemaltes Bildniß Stöber’s, das sich auf der Straßburger Stadtbibliothek befand, ist, wie die ganze Bibliothek überhaupt, bei der Beschießung Straßburgs am 24. August 1870 ein Raub der Flammen geworden.

Vgl. J. G. Meusel a. a. O. – Harles, Vitae philolog. IV, 99–114. – Sax, Onomast. liter. VII, 66. – Hamberger, Germ. erud. S. 764. – C. M. Fritz, Leben Dr. J. L. Blessig’s, T. I., S. 14. Straßburg 1818. – A. W. Strobel a. a. O. und die dort angeführten Schriften. – Ehrenfried Stöber’s sämmtliche Gedichte, Th. 3, S. VIII. Straßburg 1836. – Haag, La France protestante, t. IX, S. 317. Paris 1859. – O. Berger-Levrault, Annales des Professeurs des Académies et Universités Alsaciennes 1523 à 1871, S. 233. Nancy 1892. – Außerdem verdankt der Verfasser Mittheilungen [274] aus handschriftlichen Quellen der Güte des Herrn Stadtbibliothekars Rud. Reuß zu Straßburg.