ADB:Steinhofer, Maximilian Friedrich Christoph

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Artikel „Steinhofer, Maximilian Friedrich Christoph“ von Paul Tschackert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 726–727, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Steinhofer,_Maximilian_Friedrich_Christoph&oldid=- (Version vom 24. Juni 2019, 20:12 Uhr UTC)
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Steinhofer: Maximilian Friedrich Christoph St., evangelischer Prediger, † 1761. St. gehört zu den ehrwürdigsten schwäbischen Vertretern des pietistischen Christenthums im Zeitalter der Aufklärung. Geboren wurde er am 16. Januar 1706 zu Owen, einem Städtchen am Fuße der Teck zwischen Stuttgart und der schwäbischen Alp; sein Vater, Ludwig Christoph St., war daselbst von 1702–1759 zuerst Diakonus, dann Stadtpfarrer. Auf der lateinischen Schule in dem nahen Kirchheim und in den Studienklöstern zu Blaubeuren und Bebenhausen vorgebildet, studirte St. in Tübingen Theologie. Nach Abschluß seiner Studien unternahm er 1731 eine Reise nach Franken und Sachsen, hauptsächlich „um da, wo rechtschaffene und berühmte Knechte Gottes standen, zu beobachten, welche Methoden sie zur Führung erweckter Seelen gebrauchten, und wie durch ihren Dienst das Reich Gottes gefördert würde“. So kam er auch nach Herrnhut und lernte dort den Grafen Zinzendorf kennen. War er innerlich einer pietistischen Auffassung des Christenthums schon zugeneigt, so fühlte er sich jetzt von der Brüdergemeinde aufs wärmste berührt. Zinzendorf aber erkannte in dem begabten und frommen Schwaben einen sehr brauchbaren Mitarbeiter, und erwirkte dessen Berufung nach Ebersdorf als Hofcaplan des Grafen Heinrich XXIX. von Reuß. Hier hatte sich nämlich nach Spener’schem Muster eine Sondergemeinde gebildet, zu welcher die gräfliche Familie und der „erweckte“ Theil des Hofgesindes gehörte. St. übernahm die Leitung dieser „ecclesia“ im J. 1734. Vier Jahre später (1738) erlangte er in der Heimath die Ordination und wurde als Hofprediger des Grafen Reuß installirt; auch wurde ihm die Pastorirung der Dorfgemeinde und die Leitung des dortigen Waisenhauses übertragen; 1746 trat er formell in den Dienst der Brüdergemeinde über und wurde in demselben Jahre auf der Zeyster Synode zum „Mitbischof für den lutherischen Tropus“ der Gemeinde ordinirt. Im folgenden Jahre (1747) verließ St. Ebersdorf und war in verschiedenen Gemeindestationen der Brüdergemeinde in der Wetterau und Lausitz thätig; in dieses Jahr fällt auch seine Vermählung mit der durchs Loos ihm bestimmten Dor. Wilh. v. Molsberg. Aber schon 1748 löste der nüchtern angelegte und schlicht biblisch gerichtete Mann sein Verhältniß zur Brüdergemeinde, wahrscheinlich weil er die damals [727] excentrisch-phantastische Art Zinzendorf’s nicht billigen konnte. Sein Biograph berichtet indeß, daß er dabei nicht die nöthige Offenheit und Geradheit wahrte, welche ihm sonst eigen war. Eine Zeit lang mußte er darauf ohne Amt in Württemberg warten, was ihm nicht bloß zur Demüthigung, sondern auch zur inneren Sammlung gereichte. Nach einer Prüfung seiner Rechtgläubigkeit erhielt er jedoch noch 1749 eine Anstellung als Pfarrer in Dettingen unter Urach, wo er bis 1753 wirkte; Darauf hat er in schnellem Wechsel noch Pfarrämter in Zavelstein (1753), in Emingen[1] unter Achalm (1756) und Weinsberg (seit 1759) verwaltet. Hier starb er als Stadtpfarrer und Special am 11. Februar 1761. Als Prediger und Seelsorger hat St. außerordentliche Erfolge gehabt; denn in seiner ernsten, geisterfüllten Persönlichkeit lag nach dem Urtheile von Zeitgenossen wie Oetinger „etwas Unaussprechliches“, so daß es, wie ein anderer berichtet, „unmöglich war, in seiner Gegenwart leichtsinnig, aber auch nicht möglich, ungern bei ihm zu sein“. Zeugnisse seines geistig reichen christlichen Lebens sind seine Predigten und erbaulichen Schriften. Bußprediger war er nicht; seine Predigten gehen nicht auf Erschütterung und Erweckung aus, sondern sind Rufe eines freundlich ladenden Seelenhirten. Allem Gesetzeswesen war er abhold. „Sein ganzer Geist ist in seinen Schriften“, hat ein Zeitgenosse, der ihn kannte, geurtheilt; sie wurden daher nicht nur bei Lebzeiten des Verfassers von Gesinnungsgenossen gern gelesen, sondern werden in den bibelgläubigen Kreisen Württembergs, zum Theil in Neudrucken aus dem 19. Jahrhundert, noch in unserer Zeit viel gebraucht. Als reifstes Werk Steinhofer’s ist nach A. Knapp’s Urtheil seine „Erklärung des 1. Briefes Johannis“ (Tüb. 1762; Hamb. 1848 und 1856) anzusehen, die er in den zwei letzten Jahren seines Lebens angefertigt hat. Dazu kommen: „Tägliche Nahrung des Glaubens nach der Epistel an die Hebräer,“ Schleiz 1743 und 1746, Tübingen 1844 und Ludwigsburg 1859, mit einer Vorrede von E. Riehm und der Selbstbiographie Steinhofer’s; „Tägliche Nahrung des Glaubens nach der Epistel an die Colosser,“ Frankfurt 1751, Stuttgart 1853; „Tägliche Nahrung des Glaubens nach den wichtigsten Schriftstellen aus dem Leben Jesu in 83 Reden,“ Frankfurt 1764; „Evangelischer Glaubensgrund aus den Sonntagsevangelien“ 1753, aufs neue durchgesehen von A. Knapp, Stuttgart 1846; „Evangelischer Glaubensgrund aus der Erkenntniß des Leidens Jesu. 23 Predigten,“ Tübingen 1759; „Erklärung der Epistel Pauli an die Römer mit Vorrede von Professor Dr. Beck“, Tübingen 1851; „Christologie oder die Lehre von Jesus Christus dem Sohne Gottes,“ Nürnberg 1797; Tübingen 1864; „Vier Leichenpredigten,“ Ebersdorf 1751; „Neue Predigten über die Sonntagsevangelien und andere Texte, zum ersten Male herausgegeben und mit einer Lebensskizze Steinhofer’s versehen von A. Knapp“, Stuttgart 1846.

Ueber St. handeln seine Selbstbiographie (s. oben), die Lebensskizze von A. Knapp, welche vorhin erwähnt ist, Burk im Christenboten 1832, Nr. 8, A. Knapp in der Christoterpe 1837, S. 332–365, Th. Geißler im Bundesboten, Sept. 1865 bis Jan. 1866. – Einzelnes findet sich über St. auch im Leben J. J. Moser’s von Aug. Schmidt, S. 146 ff.; 181–190; 521 bis 530. Stuttgart 1868, in Cröger’s Gesch. d. erneuten Brüderkirche (Gnad. u. Leipzig); Briefe Steinhofer’s in Wächter, Bengel’s Leben S. 352–358. Außerdem findet sich handschriftliches von ihm in den Archiven der Brüderunität. Auf diesen Nachrichten und eigenen Studien ruht der sehr instructive Artikel Th. Geißler’s in Herzog-Plitt-Hauck, Realencyklopädie für prot. Theologie und Kirche Bd. 14 (1884), S. 659–662, auf welchen sich hauptsächlich vorstehende Lebensskizze gründet.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 727. Z. 8 v. o. l.: Eningen (statt Emingen). [Bd. 55, S. 893]