ADB:Stieff, Christian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Stieff, Christian“ von Hermann Markgraf in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 174–176, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stieff,_Christian&oldid=- (Version vom 6. Dezember 2019, 01:30 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Stiefel, Esaias
Nächster>>>
Stieffel, Philipp
Band 36 (1893), S. 174–176 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Januar 2019, suchen)
GND-Nummer 130573035
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|36|174|176|Stieff, Christian|Hermann Markgraf|ADB:Stieff, Christian}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=130573035}}    

Stieff: Christian St., gelehrter Schulrector und Gelegenheitsdichter in Breslau, wurde am 14. Januar 1675 in Liegnitz als Sohn eines Bäckers geboren, erhielt von 1691 ab seine Vorbereitung für die Universität auf dem Elisabethan und auf dem Magdalenäum zu Breslau, studirte 1697–1702 in Leipzig, lebte dann noch bis 1706 als Privatgelehrter daselbst und wurde im letzteren Jahre als Professor der Geschichte und Beredsamkeit an das Magdalenäum nach Breslau berufen. Hier brachte er ein langes Leben im Schuldienst zu, wurde 1709 Prorector, 1717 Rector und Bibliothekar des Magdalenäums und 1734 als Nachfolger von Gottlob Krantz Rector zu St. Elisabeth und Inspector sämmtlicher Stadtschulen. Er starb am 8. Juni 1751 im 77. Lebensjahre. – Auf seine geistige Entwicklung hatte großen Einfluß Christian Gryphius, der Sohn des Dichters, der bis 1706 Rector des Magdalenäums war. Er eröffnete dem strebsamen Schüler, den er wie einen Sohn liebte, seine eigene und die von ihm verwaltete Magdalenäische Bibliothek und förderte dadurch wie durch sein eigenes Beispiel die Neigung zu polyhistorischer Gelehrsamkeit, die der [175] Student in Leipzig weiter ausbildete. Nachdem er dort Magister geworden, ordnete und verzeichnete er die Bibliothek seines Gönners Friedrich Benedict Carpzow, darauf die des gelehrten Zwickauer Rectors Christian Daum. Daneben leitete er die Drucklegung von Henel’s Silesiographia renovata in Fibiger’s Bearbeitung. Seine bei dieser Gelegenheit verfaßte Epistola ad M. J. Fibiger de urnis in Silesia Lignicensibus et Pilgramsdorfensibus, Wrat. et Lips. 1704, ist für die Entwicklung der prähistorischen Studien in Schlesien wichtig geworden. Er blieb der Richtung auf diese Dinge treu, begründete später in Breslau eine prähistorische und naturwissenschaftliche Sammlung und stand in eifrigem Verkehr mit Leonhard David Hermann, dem Verfasser der Maslographia, und den beiden Volkmann in Liegnitz, den Verfassern der großen Phytologia, die jetzt die Dresdener Bibliothek besitzt, und vielen andern Gelehrten des In- und Auslandes. Die Berliner Akademie ernannte ihn 1719 zum auswärtigen Mitgliede. Er hat sich auch als Historiker, doch mit wenig Glück versucht. 1709 gab er seines Lehrers Gryphius „Entwurf der geistlichen und weltlichen Ritterorden“ in vermehrter Auflage heraus. Sein „Schlesisches historisches Labyrinth“ (Berlin u. Leipzig 1737), hat höchstens in den geographischen und naturwissenschaftlichen Abschnitten einigen Werth. Seine „Historia jubilaeorum scholasticoraum in gymnasio Wrat. Elisabetano“ (Wrat. 1737), ergeht sich in dem öden Prunk, mit dem sich zumal in dem lieben Schlesierlande die damaligen Gelehrten zweiten Ranges gegenseitig anzupreisen verstanden. In dieser Kunst war St. groß, ihr verdankte er es, daß er lange Jahre der beliebteste Gelegenheitsdichter Breslaus, namentlich bei Begräbnissen war. Eine Sammlung von etwa 400 einzeln gedruckten Gedichten dieser Art hat sein Sohn Johann Ernst auf die Rehdiger’sche Bibliothek gestiftet. Sein Schüler Arletius sagt von ihm: „War Witz, Gedächtniß, Mund und Feder allzeit fertig“. Von den zahlreichen Schuldramen, die er während seiner Stellung als Professor der Geschichte und Beredsamkeit am Magdalenäum verfaßte, sind immer nur kurze Inhalts- und Personenangaben gedruckt worden. Seinen handschriftlichen Nachlaß besitzt die Breslauer Stadtbibliothek, darunter auch ein Stück Selbstbiographie aus der Jugendzeit. Als Curiosum sei daraus mitgetheilt, daß er mit 16 Jahren die Predigten in der Kirche lateinisch nachschrieb und mit 20 Jahren unter Gryphius’ Aufsicht und Correctur eine politische Zeitung in lateinischer Sprache redigirte, „Relationes hebdomadariae Wratislavienses“, Wrat. 1695, 4°, die es allerdings nur auf einen Jahrgang brachte. –

Christian St. hinterließ drei Söhne, von denen Ferdinand Christian in Leipzig Jura studirte und dann in Breslau als Advocat wirkte, † am 3. August 1770.

Der zweite, Johann Ernst, geboren am 22. Mai 1719, studirte ebenfalls in Leipzig Medicin und promovirte 1743 de morbis ex somno, nachdem er schon vorher einige gelehrte Abhandlungen veröffentlicht hatte. Er wirkte in Berlin als Arzt und war daneben für Zeitungen und Journale litterarisch thätig, mehr auf dem Gebiete der Naturwissenschaften als der Medicin. Seit 1749 war er Mitglied der Leopoldinischen Akademie. Am bekanntesten ist seine „Historische und physikalische Betrachtung über die Wirkungen des in einen Pulverthurm am 21sten des Brachmonats 1749 eingedrungenen Blitzstrahles.“ Mit Kupfern 1749. – Er starb am 4. Januar 1793.

Der jüngste, Karl Benjamin, geboren am 22. October 1722, studirte 1743–1746 in Leipzig und Halle „die Weltweisheit, die Sprachwissenschaft, die Red- und Dichtkunst, die Geschichtskunde und die Gottesgelahrtheit“ und wurde dann in seiner Vaterstadt erst am Magdalenäum, später am Elisabethan Lehrer, zuletzt Prorector. Er war Mitglied zahlreicher gelehrter Gesellschaften. [176] Neben kleineren Schriften, Reden und Programmen schrieb er den „Versuch einer ausführlichen und zuverlässigen Geschichte von Leben und Glaubens-Meynungen Andreas Dudith’s etc.“ (Bresl. 1756), und sammelte die Jubelschriften, die 1762 beim Jubiläum des Elisabethans und 1763 beim 50jähr. Amtsjubiläum des Kircheninspectors Dr. Joh. Friedr. Burg erschienen. Seine Schreibweise zeigt ihn als echten Sohn des philosophischen Jahrhunderts. Er starb fünf Tage nach seinem Bruder.

Die biographischen Angaben über den Vater sind aus den bei seinem Tode erschienenen Reden und Gedichten genommen, die über die beiden jüngeren Söhne ähnlichen Schriften und dem Alphabetischen Verzeichniß der 1774 in Schlesien lebenden Schriftsteller von Streit.