ADB:Stolterfoth, Adelheid von

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Artikel „Stolterfoth, Adelheid von“ von Max Mendheim in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 414–415, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stolterfoth,_Adelheid_von&oldid=- (Version vom 27. Mai 2019, 11:56 Uhr UTC)
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Stolterfoth: Wilhelmine Julie Adelheid v. St., Dichterin, älteste Tochter des preußischen Husarenoberlieutenants G. Fr. v. St. und der Freiin Karoline v. Schottenstein, wurde am 11. September 1800 in Eisenach geboren. Nach des Vaters Tode (1805) siedelte die Mutter, die ihrem Gatten während der Kriegsunruhen überall hin gefolgt war, nach Erlangen über, wo nun Adelheid im Kreise liebenswürdiger Freunde, zum Theil unter der Leitung des Realschuldirectors Dr. Pöhlmann ihre Jugendjahre verlebte. „Die ungebundene, leicht bewegliche Phantasie des lebhaften Mädchens ließ sich jedoch nur ungern an eine ernste, sich in bestimmten Schranken bewegende Beschäftigung verweisen; hingegen machten die Erzählungen griechischer Mythen, unerhörter herkulischer Heldenthaten oder stolzer Kämpfe eines Leonidas den tiefsten Eindruck auf sie.“ Dazu kam gerade in jener Zeit die politische Erhebung des deutschen Volkes, die solche schwärmerische Begeisterung bei ihr hervorrief, daß sie selbst den Plan faßte in männlicher Kleidung an den Kämpfen gegen Napoleon theilzunehmen, was jedoch verhindert wurde. Seit ihrem 12. Jahre war sie auch Stiftsdame [415] im Fräuleinstift Birken bei Baireuth. 1815 besuchte sie mit ihren Angehörigen zum ersten Male die Rheingegenden, und schon im folgenden Jahre siedelte die Familie gänzlich nach Bingen über, wo nun Adelheid, umgeben von der herrlichen Natur, angeregt durch die Lectüre der besten deutschen Schriftsteller und aufgemuntert durch Zureden mehrerer Freunde, besonders des Dichters J. H. Kaufmann ihre ersten poetischen Versuche machte und veröffentlichte. Neue Anregung zu schriftstellerischer Thätigkeit empfing sie sodann durch das Studium der Bibliotheksschätze ihres Oheims, des Geheimrathes Baron H. C. v. Zwierlein, in Winkel im Rheingau, den sie 1819 mit ihrer Mutter besuchte. Die Beschäftigung mit der englischen Geschichte veranlaßte bereits 1821 den Plan zu einem romantisch-epischen Gedichte „Alfred“, das jedoch erst 1834, in 8 Gesängen, veröffentlicht wurde. In die nächste Zeit fallen nun auch das romantische Gedicht in 3 Gesängen „Zoraide“ (1825) sowie eine Anzahl kleinerer Poesien, die theils im „Gesellschafter“, theils in Raßmann’s „Rheinisch-Westfälischem Musenalmanach“, im „Morgenblatt“ und anderen Journalen erschienen. Nach dem Tode ihrer Mutter (1825) nahm sie nun ihren ständigen Aufenthalt in der Zwierlein’schen Familie, begleitete diese auch auf ihren Reisen nach England (1827), der Schweiz und Oberitalien (1828) und ging 1833 mit Jean Paul’s Wittwe, die sie bei einem Besuche in Birken kennen gelernt hatte, nach München, wo ihr im Verkehr mit den bedeutendsten Männern, Platen u. a., neue Anregung wurde. Während der nächsten Jahre, die Adelheid wieder am Rheine verlebte, entstanden dann auch ihr „Rheinischer Sagenkreis. Ein Cyklus von Romanzen, Balladen und Legenden des Rheins“ (1835), ihre „Rheinischen Lieder und Sagen“ (1839), die romantische Dichtung „Burg Stolzenfels“ (1842), wie auch die Prosaschriften „Rheinisches Album“ (1836) und „Malerische Beschreibung von Wiesbaden und der Umgegend“ (1841). Nachdem sie noch mit ihrer Schwester 1840 Tirol und 1841 Belgien und Holland bereist hatte, vermählte sie sich 1844 mit ihrem Oheim, dem Baron v. Zwierlein, den sie aber bereits 1850 wieder durch den Tod verlor, lebte dann abwechselnd in Winkel, Eltville und Frankfurt, bis sie zuletzt nach Wiesbaden zog, wo sie am 17. December 1875 starb. – Adelheid v. St. ist nach Goedeke’s Urtheil „die echte Dichterin des Rheines, voll Frische und Gesundheit in der matten Zeit und voll heiterer Freude, als sich die Lyrik später zur Verkünderin aller wirklichen und eingebildeten Schmerzen der Welt aufwarf. Sie sieht mit klarem Blick und weiß das Geschaute mit poetischer Lebenswahrheit darzustellen; weiblich zart zeichnet sie mit kräftiger Hand und läßt in ihrer poetischen Welt nur Mißtöne laut werden, um sie wohlthuend aufzulösen“.