ADB:Strudel, Paul

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Artikel „Strudel, Paul Freiherr von“ von Karl Weiß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 640, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Strudel,_Paul&oldid=- (Version vom 18. August 2019, 09:29 Uhr UTC)
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Strudel: Paul Freiherr v. St., Bildhauer, geboren 1648 zu Cles in Südtirol, † am 20. November 1708 in Wien. Wie sein jüngerer Bruder, erlernte er wahrscheinlich im Hause seines Vaters die Bildhauerei, dürfte dann in Trient und Innsbruck gearbeitet und wie sein Bruder Dominik sich in der Ingenieurkunst ausgebildet haben. Ungefähr um das Jahr 1680 kam er nach Wien, trat im J. 1686 in die Dienste des Kaisers Leopold I. und erwarb sich hier als „welischer Bildhauer“ einen weitverbreiteten Ruf. Anfangs scheint er auch in der von seinem Bruder Peter errichteten Akademie als Lehrer beschäftigt gewesen, mit diesem jedoch später in Zwistigkeiten gerathen zu sein. Eine seiner ersten größeren Arbeiten in Wien war die nach dem Entwurfe von deutschen Wiener Künstlern begonnene und von Paul St. im italienischen Barokstil wesentlich abgeänderte Dreifaltigkeitssäule am Graben. Seine Betheiligung an diesem Werke begann bald nach dem Jahre 1687 und dauerte bis zu deren Vollendung im J. 1692. Er hatte Antheil an der Wolkenpyramide, den Figuren der Pest, des Kaisers mit dem Engel und dem großen Engel mit der Krone. Sein zweites größeres Werk sind: der Altar in der Josefi-Capelle der Hofburg und die aus weißem Tiroler Marmor ausgeführten Statuen der Mitglieder des Kaiserhauses, von welchen jedoch bei seinem Tode erst fünfzehn vollendet waren. Die Ausführung der übrigen fiel seinem Bruder Peter zu. Von diesen Statuen stehen gegenwärtig sechzehn im großen Saal der kaiserlichen Hofbibliothek; die übrigen im Habsburger-Saal der Franzensburg in Laxenburg. – Von anderen Werken erwähnt Nagler der Statuen der Veronika, Magdalena, Franz v. Assisi und eines Bischofs im Dome zu Trient und der Madonna am Koretischen Hause in Innsbruck. Auf seine und seines Bruders Dominik Bitte wurden beide Brüder in den Freiherrnstand mit dem Namen Barones de Strudel et Vochburg erhoben und sowie Peter in seinem Adelsbrief dem „Apelles“ gleichgehalten wird, ebenso werden dieselben in ihrem Adelsbriefe als „Praxiteles“ und „Phidias“ gefeiert. Bei seiner Bewerbung um den Adel beklagte sich Paul St., daß sein Bruder Peter ohne sein Vorwissen die Standeserhöhung früher erwirkt habe und bemerkt, daß er und Dominik nicht geringere Verdienste wie Peter besitzen. Er hinterließ einen Sohn, von dem nichts näheres bekannt ist.

Nagler, Künstlerlexikon XVII, 496. – J. Schlager, Raphael Donner, Wien 1848, S. 26. – Lützow, Geschichte der Akademie der Künste, Wien 1877, S. 10 u. 140. – A. Hauser, Die Dreifaltigkeitssäule am Graben in den Berichten des Wien. Alterthumsvereines XXI, 82.