ADB:Suttinger, Daniel

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Artikel „Suttinger, Daniel“ von Siegmund Günther in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 205–206, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Suttinger,_Daniel&oldid=- (Version vom 22. Oktober 2019, 06:55 Uhr UTC)
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Suttinger: Daniel S., Ingenieur-Geograph, geboren am 2. December 1640 zu Penig (Sachsen), † um 1690 zu Dresden (das genauere Datum fehlt). Als Sohn des in kleinen Verhältnissen lebenden Töpfermeisters Sottinger – so schrieb sich die Familie ursprünglich – hatte S. muthmaßlich mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, und wir können uns kein richtiges Bild von der Art und Weise seines Studienganges machen. Man hatte angenommen, S. habe in Leipzig studirt, sei dann ins kursächsische Heer eingetreten und im Gefolge des Markgrafen Hermann von Baden nach Wien gekommen, allein nach den archivalischen Forschungen Haradauer’s kann hiervon keine Rede sein. Diesen zufolge steht es vielmehr fest, daß S. um 1672 in die Wiener Stadtmiliz, die sogenannte „Stadtguardia“, als einfacher Pikenier eingetreten ist und das ihm im J. 1676 der Auftrag ertheilt wurde, ein „Modell“ der Stadt Wien anzufertigen. Um ihn für diese Arbeit besser zu befähigen, gab man ihm 1677 Rang und Gehalt eines Feuerwerkers und bald danach einen Freipaß, der ihm gestattete, sich das Innere eines jeden Hauses der Kaiserstadt zu besehen. Das [206] Modell wurde 1680 abgeliefert, und damit war auch ein Wendepunkt in Suttinger’s Leben eingetreten. Die Stadt Wien nahm ihn nämlich mit 300 Gulden Jahressold in ihre Dienste, und in dieser Stellung nahm er Antheil an der furchtbaren Belagerung, während welcher Männern seines Faches die beste Gelegenheit geboten war, sich hervorzuthun. Als er 1685 aus nicht näher bekannten Gründen pensionirt worden war, trat er im Jahre darauf als Hauptmann in die sächsische Feldartillerie über, als welcher er jedoch Zeichenstift und Feder ebensowenig wie früher rasten ließ.

S. war ein sehr geschickter Planzeichner mit guten geometrischen Kenntnissen, und seine Darstellungen sind für den Historiker der Situationszeichnung um deswillen von großem Interesse, weil in jenen die alte Manier, Terrainverschiedenheiten perspectivisch aufzufassen, sich mit den neueren und strengeren Anforderungen eigenartig verbindet. Aus dem Jahre 1684 hat man von ihm: „Wienn in Oesterreich auff Ihrer kayserl. Majestät allergnädigsten Befehl in Grundt gelegt und in gegenwärtigem Riß gefertigt etc.“ ; die sehr saubere Federzeichnung ist farbig ausgeschmückt. Eine andere, noch heute im Besitze der Stadt befindliche Pergamentzeichnung hat die Aufschrift: „Ware Abbildung der weitberühmbten kayserlichen Haupt- und Residenzstadt Wien. Gerissen durch D. S.“ Letztere Ansicht wurde durch die Firma Weigel im Kupferstiche vervielfältigt. Inbesondere jedoch gaben die von ihm mit durchlebten Kriegsereignisse S. Veranlassung zur Entfaltung seines Talentes, wie zwei von ihm herrührende Diagramme beweisen („Türkische Belagerung der Kayserlichen Haupt- und Residenzstadt Wien in Oesterreich“ [1683]; „Grundriß und Situation der kais. Haupt- und Residenzstadt Wien in Oesterreich, wie selbe von den Türken belagert und attaquiret und durch die glücklichen und sieghaften Waffen der Christen entsetzet worden. In Grundt gelegt und in gegenwärtigem Federriß verfertigt durch D. S.“ [1687]). Diesen Plänen hat man es zu danken, daß man sich insbesondere von dem anscheinend äußerst verworrenen, in Wirklichkeit aber nach einem klug erdachten Systeme angelegten Netzwerke der türkischen Approchen noch jetzt eine treffende Vorstellung zu erwerben im Stande ist.

Auch als Schriftsteller im engeren Sinne ist S. zweimal hervorgetreten. Dem letzterwähnten Belagerungsbilde ist eine „Kurtze Relation“ über die Entsetzungsschlacht vom 9. September 1683 beigegeben, und auch eine zweite Schrift dankt der Wiener Schreckenszeit ihre Entstehung. Bald nach Beginn der Belagerung war Suttinger’s Freund, der berühmte Fortificationsmeister Rimpler, tödlich verwundet worden, und so konnte er sich nicht mehr vertheidigen gegen die Angriffe, welche später seitens des schweizerischen Militärschriftstellers Werdmüller gegen seine Lehren erhoben wurden. An seiner Statt übernahm S. die Vertheidigung, welche den Titelworten nach zu schließen („Der in Wien todte, ehrliche Sachs Georg Rimpler, allen dessen Feinden entgegen gehalten“; Dresden 1687) an Entschiedenheit nichts zu wünschen übrig gelassen haben dürfte.

Kabdebo, Berichte und Mittheilungen des Alterthumsvereins zu Wien, 16. Bd. – Haradauer, Mittheilungen der Geographischen Gesellsch. zu Wien, 1884. – Zedler, Universallex. der Künste u. Wissenschaften, 41. Bd., Leipzig-Halle 1744, Sp. 485.