ADB:Türlin, Ulrich von dem

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Artikel „Türlin, Ulrich von dem“ von Samuel Singer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 21–22, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:T%C3%BCrlin,_Ulrich_von_dem&oldid=- (Version vom 15. Oktober 2019, 07:11 Uhr UTC)
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Türlin: Ulrich von dem T., epischer Dichter, vielleicht aus derselben Gegend, vielleicht auch aus derselben Familie wie der vorige. Die älteste Fassung seines Epos, welches mit Benutzung von Wolfram’s Andeutungen die Geschichte der Jugend, Gefangenschaft und Befreiung des heiligen Willehalm von Oransche erzählt, ist uns nicht erhalten und nur aus den auf uns gekommenen Umarbeitungen erschließbar. Eine dieser Umarbeitungen rührt von dem Dichter selbst her. Sie ist zwischen 1261 und 1269 verfaßt, dem König Ottokar von Böhmen gewidmet. Am Schlusse ist ihr eine Fortsetzung zugefügt, die ebenfalls nach den Andeutungen Wolfram’s die Geschichte der Jugend von Willehalm’s Neffen Vivianz darstellt. Diese ist wie das übrige Gedicht in 31zeiligen, reimpaarigen, mit Dreireim schließenden Absätzen geplant, doch fehlen jeweilen Zeilen vom Ende oder Anfang dieser Absätze, so daß es scheint, als wäre der Dichter durch den Tod an der Vollendung gehindert worden. Wir haben es in ihm mit einem nicht untalentirten Dichter zu thun, der aber durch sklavische Nachahmung Wolfram’s von Eschenbach, den er auch in allen Manieren und stilistischen Aeußerlichkeiten copirt, jegliche Originalität eingebüßt hat. In zweiter Linie haben dann Hartmann, Wirnt, Heinrich von dem Türlin, der Pleier, das volksthümliche Epos und die zeitgenössische Lyrik auf ihn Einfluß geübt. Ulrich von Eschenbach rühmt ihn in seinem Alexander, Püterich von Reichertshausen besaß sein Gedicht in seiner Bibliothek. Ausgaben: Casparson 1781. Singer 1893.

[22] Suchier, Ueber die Quelle Ulrich’s v. d. T. und die älteste Gestalt der prise d’Orenge. Paderborn 1873. – Scherer, Litt. Centralbl. 1868, Sp. 977.