ADB:Textor, Cajetan von

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Artikel „Textor, Cajetan von“ von Julius Pagel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 628–630, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Textor,_Cajetan_von&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 04:58 Uhr UTC)
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Textor: Cajetan v. T., berühmter Chirurg, wurde als 14. Kind seiner Mutter am 28. December 1782 im Marktflecken Schwaben (Landgericht Ebersberg in Oberbayern) von in ärmlichen Verhältnissen lebenden Eltern geboren. Da der Knabe Talent verrieth, so brachte ihn sein Vater im 11. Lebensjahre zur weiteren Ausbildung in das Benedictinerkloster Seon (auf einer Insel des Seoner Sees), wo er bis 1796 zubrachte, um dann in München die gymnasiale [629] Ausbildung zu erhalten. 1804 bezog T. die kurz vorher von Ingolstadt nach Landshut verlegte Ludwig-Maximilians-Universität. Hier widmete er sich besonders unter v. Walther der Chirurgie und erlangte auch unter dessen Vorsitz mit einer Abhandlung über die Lungenschwindsucht 1808 die medicinische Doctorwürde. Nachdem er das Biennium practicum am Militärhospital zu München unter dem kgl. Leibarzte v. Hartz absolvirt hatte, erhielt er von der Staatsregierung ein Reisestipendium und begab sich 1809 zu seiner weiteren Ausbildung in der operativen Chirurgie nach Paris, wo er sich der besonderen Gunst und Anregung von Percy (am Val-de-Grâce) und Boyer erfreute. 1811 machte er eine Fußreise durch das südliche Frankreich und die Schweiz, nahm in Pavia längeren Aufenthalt und widmete sich hier unter Antonio Scarpa weiteren Studien, speciell in der Anatomie und Chirurgie. Nachdem er noch Neapel und die dortigen Hospitäler besichtigt hatte, kehrte er über Wien, wo er sich unter Beer’s Leitung in den Augenoperationen übte, auch Rust, Zeller v. Zellerberg und Zang kennen lernte, nach München 1813 zurück, bestand zunächst die sogenannte Proberelation, 1814 den Staatsconcurs, ließ sich als praktischer Arzt daselbst nieder und bekleidete die Stellung als Secundararzt im neuen Allgemeinen Krankenhause in der chirurgischen Station (unter Koch). Hier erwarb er sich bald durch einige glückliche Steinschnitte und andere Operationen den Ruf eines tüchtigen Chirurgen und erhielt infolge dessen sehr bald eine Vocation als Professor der Chirurgie und Oberwundarzt an das Juliusspital in Würzburg. In diesem Amte war er 16 Jahre lang bis zum Jahre 1832 in segensreichster Weise sowol als Operateur wie als akademischer Lehrer thätig, sodaß er nicht bloß die Liebe und Verehrung seiner Amtsgenossen und Commilitonen fand, sondern auch zur Hebung der Würzburger medicinischen Facultät (im Verein mit Schönlein und d’Outrepont) außerordentlich beigetragen hat. Trotzdem wurde T. infolge der hereinbrechenden politischen Reaction, obwol er selbst sich jeder activen Theilnahme an politischen Bestrebungen fern gehalten hatte, gleichzeitig mit Schönlein und einigen anderen Lehrern der medicinischen und juristischen Facultät seiner Aemter zu Würzburg enthoben und als Director an die chirurgische Schule zu Landshut versetzt, jedoch bereits 1834 in seine erstere Stellung nach Würzburg zurückberufen, wo er noch weitere 18 Jahre als Lehrer und Kliniker unermüdlich thätig war, bis 1853 wiederum durch eine Maßregel der Regierung seiner Wirksamkeit ein vorzeitiges Ende gesetzt wurde. Indessen hielt er noch die theoretischen Vorlesungen über Chirurgie weiter und leitete auch mit seinem Sohn Karl, der neben ihm als außerordentlicher Professor lehrte, die Operationsübungen der Studirenden. Am 21. Juni 1858 war es ihm noch vergönnt, sein 50jähriges Doctorjubiläum zu feiern und wurden ihm aus diesem Anlaß mehrfache Auszeichnungen zu Theil. Er starb am 7. August 1860. – Getreu der Richtung seines Lehrers v. Walther war T. im allgemeinen ein conservativer Wundarzt. Doch sind ihm auch eine Reihe von Verbesserungen und Umgestaltungen im Gebiete der operativen Technik zu verdanken. So suchte er die Lappen-Amputation wieder (mit kleinen Modificationen) in ihre alten Rechte einzusetzen, veranlaßte die Wiederaufnahme der früher so gefürchteten Exarticulationen und empfahl von neuem die Resection bei Caries, besonders der Gelenkenden und bei complicirten Beinbrüchen, wobei er sich des von seinem Schüler Bernhard Heine erfundenen Osteotoms zum ersten Male bediente, in dessen Gebrauch er eine große Meisterschaft erlangte. Von seinen litterarischen Arbeiten sind außer einer deutschen Uebersetzung von Boyer’s Chirurgie (1818–1827; 2. Aufl. 1834–1841) zu nennen: „Grundzüge zur Lehre der chirurgischen Operationen, welche mit bewaffneter Hand unternommen werden“ (Würzburg 1835); „Ueber Wiedererzeugung der Knochen nach Resectionen beim Menschen“ (Programm beim Antritt des [630] Rectorats, Würzburg 1842); „Ueber die Nicht-Nothwendigkeit der Trepanation bei Schädeleindrücken“ (Programm zum Vorlese-Catalog für das Sommersemester 1847, ebenda). Eine von ihm herausgegebene Zeitschrift mit dem Titel „Neuer Chiron, eine Zeitschrift für Chirurgie und Geburtshülfe“ kam nicht über die ersten 2 Bände (Sulzbach 1821–1827) hinaus. Hierin finden sich im ersten Bande allein noch 22 Aufsätze aus Textor’s eigener Feder meist casuistischen bezw. operativ-technischen Inhalts. Uebrigens war T. Mitglied zahlreicher gelehrter Gesellschaften und Verfasser mehrerer Berichte und Aufsätze in Henke’s Zeitschrift für Staatsarzneikunde, Froriep’s Notizen, v. Walther und Ammon’s Journal für Chirurgie, in der deutschen Klinik, den Verhandlungen der physicalisch-medicinischen Gesellschaft zu Würzburg, in Schmidt’s Encyklopädie der gesammten Medicin Bd. I.

Vgl. Biogr. Lex. V, 635.