ADB:Theodemir

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Artikel „Theodemir“ von Felix Dahn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 691–692, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Theodemir&oldid=- (Version vom 17. Juli 2019, 07:12 Uhr UTC)
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Theodemir, König der Sueben im spanischen Gallaecien, c. a. 558–560. Ein volles Jahrhundert (von 468, da des Idacius Chronik abbricht, bis c. 560) wissen wir gar nichts von der Geschichte des Suebenreiches. Um 560 waren die Sueben Arianer, die Verschwägerung ihres Königs Remismund mit Westgothen hatte den Uebertritt des bis dahin heidnischen oder, sofern christlich, katholischen Volkes zu der gothischen Ketzerei herbeigeführt. Da erkrankte – nach der Legende – Theodemir’s junger Erbe tödtlich: vergeblich rief der Vater unter reichen Geschenken (das ganze Körpergewicht des Siechen in Gold und Silber) die Fürbitte Martin’s v. Tours, des größten Heiligen von Westeuropa an. Der Vater erkannte, daß der katholische Heilige seine Wunderkräfte (virtutes) für Ketzer nicht in Bewegung zu setzen gewillt sei: da gelobte er – heimlich vor seinem Volk – den Uebertritt zum Katholicismus und alsbald genas der Knabe. So das Mirakel der Legende. Geschichtlich ist nur, daß im dritten oder vierten Jahr Theodemir’s eine Synode zu Braga (1. Juni a. 563), nach dem kurz zuvor erfolgten Glaubenswechsel die Neugestaltung der Kirche im Suebenreiche ordnete und daß die hochbedeutende Persönlichkeit des Bekehrers Martin v. Dumium († c. a. 580) der Katholisirung durch zahlreiche Klostergründungen z. B. zu Dumium, Thibaës, Lorban vorgearbeitet hatte und nun [692] eifrig nachhalf. Daß Th. und sein gleichnamiger Sohn auch Miro heißen, beruht vielleicht auf Annahme dieses Namens bei der Taufe. Bei der Bekehrung gründete Th. die berühmt gewordene Basilika des heiligen Martinus zu Braga, der er auch den umgebenden Grundbesitz schenkte. Aber die 29 Diöcesen, in die er sein Reich gegliedert haben soll, sind erst aus späteren Concilien zusammengestellt. Th. stand mit seinem Bekehrer, Sanct Martin v. Dumium, in regem Verkehr: obwohl des Lesens unkundig, fordert er ihn wiederholt zur Schriftstellerei auf. Endlich sandte ihm der eine Schrift: „die Anweisung zu ehrbarem Leben“: deren zwar der König, bemerkt der Bischof mit mehr höfischer als heiliger Feinheit, nicht bedürfe, – denn er sei mit der Einsicht natürlicher Weisheit ausgerüstet! – wohl aber des Königs Umgebung.

Quellen und Litteratur: Gregorius Turonensis, miracula St. Martini, ed. Krusch. Mon. Germ. hist. auct. antiq. II. 1885. I, 11. Histor. eccles. Francorum ed. Arndt et Krusch. 1884. V, 38. – Isidorus Hispal. de viris illustribus p. 4, opuscula st. Martini Dumiensis, Bibliotheca maxima patrum X, p. 386. – Dahn, Könige der Germanen VI. 2. Auflage 1885. S. 556 (daselbst weitere Litteratur).