ADB:Theuderich IV.

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Theuderich IV.“ von Felix Dahn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 736, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Theuderich_IV.&oldid=- (Version vom 16. Juni 2021, 15:08 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Theuderich III.
Nächster>>>
Theudis
Band 37 (1894), S. 736 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Theuderich IV. in der Wikipedia
GND-Nummer 10435027X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|37|736|736|Theuderich IV.|Felix Dahn|ADB:Theuderich IV.}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=10435027X}}    

Theuderich IV., merovingischer Frankenkönig (December 720 oder Januar 721–737), der vorletzte merovingische König, der Sohn des Königs Dagobert’s III. (711 bis 715), folgte als siebenjähriges Knäblein, bis dahin im Kloster Chelles erzogen, Chilperich II. (715 bis December 720): die Neustrier hatten ihn zunächst erhoben unter Zustimmung Karl Martell’s (s. A. D. B. XV, 121), der dabei Austrasien gleichsam vertrat. Von Theuderich’s eignen Thaten steht nichts zu melden: an seiner Statt waltete jener kraftvolle Erretter des Christenthums, der romanischen Bildung und der germanischen Volkseigenart: die weltgeschichtlich wichtigsten Dinge geschehen in der Zeit der Regierung Theuderich’s, von ihm ist nie die Rede, da er nicht einmal, wie Theuderich III. und andere Merovingerknaben, Gegenstand der Erjagung kämpfender Parteien und Hausmeier ist; seine uns erhaltenen fünf Urkunden sind Schenkungen an die Klöster St. Denis, Murbach und St. Bertin; höchst lehrreich ist, daß die Geschichtschreiber jener Tage seines Todes gar nicht gedenken, wie sie ihn denn nach seiner Erhebung überhaupt gar nie mehr nennen: nur in jenen fünf Urkunden nennt er sich selbst, außerdem rechnen ein paar – aber nicht alle! – nach seinen Regierungsjahren: seinen Tod und dessen Jahr erfahren wir gleichsam zufällig, weil die Arbeit eines Ungenannten über kirchliche Zeitrechnung sie gelegentlich anführt. Ja, das Bezeichnendste ist, daß Karl es wagen konnte, nun vier Jahre – bis an seinen eignen Tod – ohne König zu regieren! Staatsrechtlich freilich eine Ungeheuerlichkeit: denn Karl war nun ein Königsbeamter (major domus regis) ohne König. Weshalb Karl dies scheinbar Unmögliche wählte, wissen wir nicht: selbst den Thron besteigen, wie 14 Jahre später sein Sohn that, wollte er offenbar nicht: – niemand wahrlich hätte es ihm wehren können. Und ein verfügbarer merovingischer Schattenkönig war vielleicht nicht zur Hand: zwar lebte schon Childerich III., den Karl’s Söhne, aber auch nicht gleich bei ihrem Herrschaftsantritt, erst 743, erhoben: vielleicht war Childerich Karl nicht genehm gewesen; er wird (später) als schwachsinnig bezeichnet. Sehr naiv ist es, daß Karl und Andere in jenen Jahren rechnen: „im ersten, zweiten Jahre nach dem Tode des Königs“.

Quellen und Litteratur: s. Theuderich III., die Urkunden bei Pertz a. a. O. Nr. 91–95.