ADB:Trenck, Friedrich Freiherr von der

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Artikel „Trenck, Friedrich Freiherr von der“ von Julian Pallua-Gall in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 568–569, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Trenck,_Friedrich_Freiherr_von_der&oldid=- (Version vom 24. Oktober 2021, 21:54 Uhr UTC)
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Band 38 (1894), S. 568–569 (Quelle).
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Trenck: Friedrich Freiherr v. d. T., geb. am 16. Februar 1726 zu Königsberg i. Pr., † zu Paris am 25. Juli 1794. Friedrich v. d. T., ein Sohn des preußischen Generals der Cavallerie Christoph Ehrenreich und Vetter des österreichischen Pandurenobersten Franz v. d. T., besuchte schon im Alter von 13 Jahren die Universität in seiner Vaterstadt, woselbst er sich durch für sein Alter ungewöhnliche Begabung hervorthat. Im J. 1742 wandte sich T. der militärischen Laufbahn zu. Beim Ausbruche des zweiten schlesischen Krieges war er Ordonnanzofficier König Friedrich II. von Preußen, zeichnete sich bei mehreren Gelegenheiten aus und gewann dadurch das Vertrauen des Königs. Im J. 1743 hatte T. gelegentlich der Vermählungsfeierlichkeiten der Schwester des Königs von Schweden die Aufmerksamkeit einer hohen Dame, man sagt der Prinzessin Amalie, Schwester Friedrich II., auf sich gelenkt. Dieser Umstand konnte dem König nicht lange verborgen bleiben und er benutzte die erste sich ihm darbietende Gelegenheit, um T. zu entfernen. Eine solche bot sich bald. Der österreichische Pandurenführer Franz v. d. T. hatte nämlich an seinen Vetter geschrieben und ihm ungarische Pferde zum Geschenk angeboten; daraus entwickelte sich eine Correspondenz zwischen den zwei Vettern, die dem König durch den, T. übel gesinnten Escadronscommandanten Jaschinsky derart entstellt zugetragen worden sein soll, daß Friedrich II. keinen Anstand nahm, T. wenige Tage nach der Schlacht bei Soor verhaften und nach der Festung Glatz abführen zu lassen. Der Festungscommandant Fouqué machte hier Trenck’s Haft zu einer unleidlichen, so daß dieser wiederholte Fluchtversuche unternahm, welche jedoch mißglückten und seine Lage nur verschlimmerten. Endlich, am 24. December 1746, gelang es T. mit Hülfe des Lieutenants Schell aus Glatz zu entkommen. Er ging nun zu seiner Mutter nach Königsberg, welche ihn mit Geldmitteln ausstattete und ihm den Rath gab, nach Wien zu seinem Vetter Franz zu gehen. Diesen fand er bei seiner Ankunft in Wien bereits in Haft und in kriegsrechtlichen Proceß verwickelt. Nachdem er vergebens sein Glück versucht, verließ er im August 1748 Wien, um sich nach Holland zu wenden; in Nürnberg jedoch veranlaßte ihn der russische General Liewen, russische Kriegsdienste zu nehmen, und so zog denn T. nach Moskau und St. Petersburg. Hier erhielt er Kunde von dem Ableben seines Vetters Franz (4. October 1749), sowie die Nachricht, daß er zu dessen Universalerben eingesetzt worden. T. reiste nun wieder nach Wien, um die Erbschaftsangelegenheiten zu ordnen. Es wurde ihm nun allerdings eine Rittmeisterstelle im 5. kaiserlichen Kürassierregimente Graf Cordova verliehen; doch leistete er thatsächlich niemals active Dienste. Die vielen Processe, in welche er durch die Ordnung der Hinterlassenschaft verwickelt wurde, verlängerten seinen Aufenthalt in der österreichischen Hauptstadt bis zum Jahre 1754, in welchem seine Mutter starb. Um seine Familienangelegenheiten zu ordnen, reiste T. nun nach Danzig, wurde aber dort verhaftet und nach Berlin escortirt. Von hier ward er unter starker Bedeckung nach Magdeburg gebracht, woselbst er nahezu 10 Jahre in strenger und harter Haft gehalten wurde. Während dieser Zeit unternahm T. die unglaublichsten und abenteuerlichsten Fluchtversuche, doch alle mißlangen und seine Einschließung wurde dadurch nur schwerer, da er sogar mit Ketten an die Wand gefesselt wurde, um ihm jedes Entweichen unmöglich zu machen. Erst nach Beendigung des siebenjährigen Krieges erwirkte Maria Theresia bei Friedrich II. die Freilassung ihres Rittmeisters. [569] Ueber Prag kehrte T. nach Wien zurück, übersiedelte aber schon nach zwei Jahren mit Bewilligung des Kaisers zum ständigen Aufenthalt nach Aachen, wo er sich mit der Tochter des dortigen Bürgermeisters vermählte. In Aachen betrieb er einen Handel mit ungarischen Weinen und redigirte die „Aachener Zeitung“; die allzufreie Sprache einerseits, geschäftliche Verluste andererseits veranlaßten T. zu Beginn der 80er Jahre auf seine ungarischen Güter überzusiedeln, wo er sich durch 6 Jahre mit Landwirthschaft und Schriftstellerei beschäftigte; in diese Zeit fällt auch die Abfassung der interessanten Selbstbiographie Trenck’s.

Nach dem Tode Friedrich II. erhielt T. die Erlaubniß, nach Preußen zurückzukehren, auch wurde ihm für seine seinerzeit dort confiscirten Güter Ersatz geleistet; nach zweijährigem Aufenthalt in Berlin und Königsberg kehrte er nach Ungarn zurück. Im J. 1788 brachte er einen Sohn in eine Lehranstalt nach Dessau und reiste dann nach Paris, wo er enthusiastisch aufgenommen wurde. Wenige Tage vor Ausbruch der Revolution kehrte T. nach Oesterreich zurück und ging hier mit dem Gedanken um, eine Gesammtausgabe seiner vielen zerstreuten Schriften herauszugeben; er stieß jedoch hierbei auf große Schwierigkeiten, da die Censur den Druck seiner vielfach aufreizenden Schriften nicht bewilligen wollte. Infolge dessen ging er nach Hamburg und war schon im Begriffe seine Familie nachkommen zu lassen und sich ständig dort niederzulassen, als er auf die Idee verfiel, nochmals nach Paris zu fahren, um die dortigen neuen Verhältnisse aus eigener Anschauung kennen zu lernen. In der zweiten Hälfte des Jahres 1791 kam er in der Hauptstadt Frankreichs an und lebte da eine Zeit lang als Schriftsteller; plötzlich wurde er den damaligen Machthabern verdächtig, verhaftet und angeklagt, ein Agent fremder Mächte zu sein und an einer Verschwörung zur Wiederherstellung des Königthums theilgenommen zu haben. In Gemeinschaft mit 29 anderen Angeklagten wurde T. zum Tode verurtheilt und am 25. Juli 1794 zu Paris guillotinirt.

Wurzbach, Biogr. Lexikon, Bd. 47. – Selbstbiographie des Friedr. Freih. v. d. T.