ADB:Ulenberg, Kaspar

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Artikel „Ulenberg, Kaspar“ von Franz Heinrich Reusch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 181–183, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ulenberg,_Kaspar&oldid=2490117 (Version vom 17. Oktober 2017, 05:59 Uhr UTC)
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Ulenberg: Kaspar U., katholischer Theologe, geboren zu Lippstadt 1549, † zu Köln am 16. Februar 1617. Die Familie, aus der er stammte, soll Geiselius geheißen und erst der Großvater von U. von dem Dorfe Ulenberg (oder Aulenberg) in der Diöcese Münster den Namen U. angenommen haben. U. erhielt den ersten Unterricht zu Lippstadt und zu Soest, folgte dann 1567 seinem Lippstädter Lehrer Bernhard Orestes an das Gymnasium zu Braunschweig, besuchte fleißig die Predigten des dortigen Superintendenten Martin Chemnitz, ging 1569 auf die Universität zu Wittenberg, war dann einige Zeit Lehrer an der Schule zu Dietmarsen und wurde dann, wie es scheint, als Lehrer nach Lippstadt zurückberufen. Nach einiger Zeit wurde er nach Köln geschickt, um seinen Verwandten Andreas Röder, der dort katholisch geworden war, zur lutherischen Religion zurückzuführen. Dies gelang ihm; Röder wurde Propst zu Lippstadt. Durch den Verkehr mit seinen in Köln wohnenden Landsleuten Johann Nopelius (s. A. D. B. XXIV, 3) und Gerwin Calenius wurde aber U. selbst für katholische Anschauungen gewonnen; 1572 trat er zur katholischen [182] Kirche über (seine Mutter und Schwester und A. Röder folgten seinem Beispiele). Er promovierte an der philosophischen Facultät zu Köln und wurde Lehrer an dem Laurentianer-Gymnasium. 1575 zum Priester geweiht, wurde er zunächst Pfarrer zu Kaiserswerth, 1585 Kanonikus und Pfarrer von St. Cunibert in Köln. Als solcher hatte er 1590 ein Religionsgespräch mit dem calvinistischen Prediger Johann Badius, worüber er in demselben Jahre einen lateinischen und einen deutschen Bericht drucken ließ: „Summaria descriptio privati cujusdam colloquii habiti Coloniae inter C. U. et Joh. Badium, ad dissipanda mendacia a Calvinianis sparsa edita per eundem C. U.“, „Summarische Beschreibung eines ungefährlichen Gespräches, das zu Köln zwischen C. U., einem catholischen Priester, und Joh. Badio von Rödingen, einem calvinistischen Predicanten, gehalten worden, zum Berichte wider das ungegründete lügenhafte Geschrey, so die Calvinisten von demselben Gespräch hin und wieder ausgesprengt.“ Badius veröffentlichte dagegen eine „Warnung“, und darauf U. „Antwort auf Johannis Badii vermeinte Warnung und Gegenbericht von dem Gespräch, das zu Cöln im Jahr 1590 den 10. und 11. Aprilis zwischen ihm und C. U. gehalten worden. Alles zur Rettung der Wahrheit gestellt durch C. U.“ (Köln 1592). Von Badius erschien dann noch „Wahrhafter und beständiger Gegenbericht“.

Von 1593 an war U. 22 Jahre Rector des Laurentianer Gymnasiums, vom 22. December 1610 bis 9. October 1612 Rector der Universität. Nach dem Tode seines Gönners Nopelius im J. 1605 wurde er Pfarrer zu St. Columba. – Als Pfarrer zu Kaiserswerth veröffentlichte U. „Die Psalmen Davids in allerlei deutsche Gesangreime verbracht“ (1582), wiederholt gedruckt, neu bearbeitet von M. Kaufmann (Augsburg 1835). Der ersten Ausgabe war beigefügt: „Katechismus oder kurzer Bericht der ganzen christlichen Reigion sammt Warnung wider allen Irthum“. In Köln veröffentlichte U. zunächst „Einfältige Erklärung der sieben Bußpsalmen, auch des 90. Psalms, dann ein Psalterlied für klein- und schwermüthige Herzen aus den Psalmen Davids“ (1586) und „Kurze teutsche Chronick von 1575 bis 1586“, dann „Trostbuch für die Kranken und Sterbenden ermahnen, trösten, aufrichten und stärken soll“ (1590). Dieses Trostbuch ist oft abgedruckt; es wird von Sailer sehr gelobt und ist noch 1835 zu Luzern von M. Kaufmann und 1858 zu München von F. X. Stickel neu herausgegeben worden. 1589 erschien von U. „Zweiundzwanzig Beweggründe für den alten katholischen Glauben für Katholische und Evangelische“, in lateinischer Bearbeitung „Causae graves et justae, cur catholicis in communione veteris ejusque veri christianismi constanter usque ad finem vitae permanendum cur item omnibus, qui se evangelicos vocant, relictis erroribus ad ejusdem christianismi consortium vel postliminio redeundum sit“; eine deutsche Uebersetzung ist zu Mainz 1825, 1835, 1840 erschienen. Diese Schrift vertheidigte U. gegen Georg Nigrinus (s. A. D. B. XXIII, 605): „Kurze Protestation auf das giftige Lästerbuch Georgii Nigrini“. Nach dem Tode von U. wurde von Arnold Meshov 1622 in zwei Bänden herausgegeben: „Historia de vita, moribus, rebus gestis ac denique morte praedicantium lutheranorum, D. M. Lutheri, Ph. Melanchthonis, Matthiae Flacii Illyrici, Georgi Majoris et Andreae Osiandri“ (übersetzt Mainz 1836). Die Historia Zwinglii ist nicht gedruckt.

Das verdienstvollste Werk von U. ist seine Bibelübersetzung. Er begann sie 1614 auf Befehl des damaligen Kurfürsten Ferdinand, Herzogs von Baiern, und vollendete sie kurz vor seinem Tode. Er vermachte das Manuscript seinem Nachfolger im Rectorat des Laurentianer Gymnasiums, Heinrich Francken Sierstorpf, und dieser gab es, nachdem es von einigen Doctoren der Universität [183] revidirt worden war, zu Köln 1630 heraus: „Sacra Biblia, das ist die gantze H. Schrift Alten und Newen Testaments, nach der letzten Römischen Sixtiner Edition [nach der von Clemens VIII. 1592 bezw. 1598 publicirten Ausgabe der Vulgata] … mit Fleiß übersetzt …“. Bis 1747 erschienen noch 11 Ausgaben in Köln, 11 zu Nürnberg, Frankfurt und Wien, außerdem einige Abdrucke des N. T. Im J. 1662 erschien zu Mainz „Bibel, das ist die heilige Schrift A. und N. T. nach der uralten gemeinen lateinischen, von der katholischen Kirchen bewährten und in derselbigen bishero allezeit gebrauchten Version oder Uebersetzung“, auf Befehl des Kurfürsten von Mainz Johann Philipp, Graf von Schönborn, „von etlichen der h. Schrift gelehrten und teutscher Sprach erfahrnen Personen tunlich verteutscht“. Diese von Mainzer Jesuiten besorgte Ausgabe ist ein in sprachlicher Hinsicht verbesserter Abdruck der Uebersetzung von U. Sie erschien später wiederholt unter dem Titel „Die Catholische Mainzische Bibel“. Auch die Uebersetzung, die der Benedictiner Thomas Aquinus Erhard 1771 mit der Vulgata herausgab, ist ein verbesserter Abdruck der Uebersetzung von U.

Arnoldus Meshovius, De vita, moribus et obitu C. U. Coloniae 1638. – Hartzheim, Bibliotheca Coloniensis, p. 51. – A. Räß, Die Convertiten II, 550–570. – Hurter, Nomenclator (2) I, 168. – Ennen, Gesch. d. Stadt Köln V, 451. – G. W. Panzer, Versuch einer kurzen Geschichte der römisch-cath. deutschen Bibelübersetzung, S. 139–188.