ADB:Unger, Johann George

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Artikel „Unger, Joh. George“ von Ludwig Geiger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 296, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Unger,_Johann_George&oldid=- (Version vom 22. Oktober 2019, 06:24 Uhr UTC)
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Unger: Joh. George U., Buchdrucker und Holzschneider, geboren am 26. October 1715, † am 15. August 1788. Er wurde in Goos, unweit Pirna, als Sohn eines Pächters geboren, besuchte in Pirna die Schule, kam dort zu einem Buchdrucker in die Lehre und arbeitete seit 1740 in Berlin, wo er sich bald verheirathete. Schon in Pirna hatte er begonnen große geschnörkelte Buchstaben in Holz zu schneiden; in Berlin, wo er sich dem Zeichnen ergab, widmete er sich seit 1751 dem Holzschneiden. Zuerst arbeitete er mit einem gewöhnlichen Federmesser, dann mit einem aus einer Uhrfeder verfertigten Messerchen; dann verfertigte er sich aus einer zerbrochenen Degenklinge einen Hohlmeißel und andere Instrumente. Zu seinem Glücke – denn es ging ihm lange schlecht genug – kam er mit dem Buchdrucker Winter und durch diesen mit J. W. Meil in Beziehung, dessen Zeichnungen er für jenen Drucker in Holz schnitt. Als seine bedeutendsten galten die 50 Vignetten, die er für das spectaculum naturae (1761–1765) lieferte; andere s. bei Nagler, Künstler-Lexikon 19, 243. Doch wurde er erst völlig aus seiner Noth befreit, als er es übernahm, den Tabakfabrikanten Etiquetten für ihre Packete zu drucken. Da, wie sein Sohn und Biograph sagt, „seine Einkünfte nicht gestatteten, die Auslagen zu einer Buchdruckerpresse zu machen, so erfand er eine neue Art wohlfeilerer Presse mit zwei Walzen, womit zwar keine Leitern gedruckt werden konnten, welche aber zum Abdruck dieser Tabaketiquettes[WS 1] hinlängliche Kraft hatte“. Dadurch zu ausreichender Beschäftigung und einigem Wohlstande gelangt, dachte er die kärgliche Zeit seiner Muße zur Abfassung einer Geschichte der Formschneidekunst zu verwenden. Dazu kam er freilich nicht, sondern nur zur Veröffentlichung einer „Folge von fünf Landschaften mit Ruinen und ländlichen Figuren nach J. W. Meil“, die er mit einer Abhandlung von sich herausgab, ohne freilich durch die Publication den erhofften Erfolg zu erzielen. Auch mancherlei Erfindungen, die er machte, z. B. die einer Maschine zum Einrammen von Pfählen blieb unbeachtet und wurde erst später benutzt, als sie ihm keinen Gewinn mehr bringen konnte. Derartige trübe Erfahrungen, auch das Aufhören seiner Beschäftigung durch die Aufhebung der Tabaksadministration (1786) vergifteten seinen guten Humor nicht. Er blieb arbeitsam, gottergeben, erfreut über das, was ihm und seinen Kindern gelang, bis zu seinem Ende.

Außer Notizen bei Nagler, bes. F. G. Unger, Denkmahl eines berlinischen Künstlers und braven Mannes von seinem Sohn (mit einem Bilde gemalt von Wagner, gest. von Bause), o. O. u. J. Berlin 1798, Abdruck aus dem Decemberheft der Jahrb. der preuß. Monarchie.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Tabacketiquettes