ADB:Volquin

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Artikel „Volquin“ von Joseph Girgensohn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 274–275, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Volquin&oldid=2508611 (Version vom 16. Juli 2018, 14:45 Uhr UTC)
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Volquin, Meister des sogen. Schwertbrüderordens in Livland (1209–1236). Dieser Ritterorden, dessen Mitglieder in den Urkunden der Zeit den Namen „fratres militiae Christi“ trugen, war im J. 1202 unter Mitwirkung des um die Gründung der livländischen Colonie hochverdienten Bischofs Albert I. von Riga gestiftet worden. Seine Aufgabe bildete neben der Krankenpflege der Kampf gegen die Ungläubigen. Der erste Meister, Wenno, fiel der Rachsucht eines bestraften Ordensbruders zum Opfer; als dessen Nachfolger wurde V. erwählt. Die alte Reimchronik sagt von ihm: er liebete sich den lûten. daz volc begunde in trûten (lieben). wârhaft mit sinen worten er was an allen orten getrûwe und stête. ûf alle valsche rête acht er minner dan ein hâr; waz er gelobete daz was wâr. Der gleichzeitige livländische Chronist Heinrich von Lettland schildert ihn als Helden, der mit seinen Brüdern in den Kämpfen mit den Eingeborenen überall voransteht. Besonders zeichnet er sich bei der Erstürmung der Burg Mesoten in Kurland im J. 1220 und bei der Eroberung der Insel Oesel im J. 1227 aus. Sein Tod wird uns ausführlicher in der livländischen Reimchronik berichtet. Wie so manches Jahr vorher, waren auch im J. 1236 Pilgrime aus dem deutschen Mutterlande an die Ufer der Düna gekommen, um im Kampf für den Glauben sich die Vergebung ihrer Sünden zu erwerben, unter ihnen ein Graf v. Dannenberg und ein Herr v. Haseldorp. Trotz der Warnungen des Ordensmeisters wird bei dem Zuge ins Litauerland die Ordnung schlecht gewahrt, das Christenheer theilt sich, zieht in einzelnen Trupps raubend und plündernd durch das Land, bis sich alle in Saule (bei der Stadt Bauske in Kurland) wieder zusammenfinden. Hier werden sie plötzlich von dem Heer der Litauer überfallen. V. und 48 Ordensbrüder, wahrscheinlich fast alle damals existirenden, wurden erschlagen, so daß das eben eroberte Esthen- und Lettengebiet der Herren, aber auch der Beschützer gegen Dänen und Russen beraubt wird. Schon V. hatte danach gestrebt, seiner geistlichen Genossenschaft durch Vereinigung mit dem deutschen Orden, der einige Jahre vorher in Preußen Fuß gefaßt hatte, mehr Ansehen und Kraft zu gewinnen. Allein erst jetzt, als die Erhaltung der deutschen Colonie an der Düna in Frage gestellt war, gelang die Vereinigung. Der deutsche Orden trat das Erbe des livländischen an (1237), und erhielt dadurch einen Landzuwachs von ungefähr 730 Quadratmeilen. Die Schwertbrüder hatten nicht alles Land, das sie eroberten, selbst behaupten können. Der Gründer der deutschen Herrschaft in Liv-, Esth- und Kurland, der erwähnte Bischof Albert, der sich, gestützt auf kaiserliche und päpstliche Urkunden, als Landesherr betrachtete, hatte dem Orden der Schwertbrüder zunächst nur ein Drittel seiner Diöcese als Lehen übertragen. Volquin’s politischer Gewandtheit und Energie war, abgesehen von der Belehnung in den Bisthümern Dorpat, Oesel und Kurland, der Erwerb unabhängigen Besitzes in Esthland und eines Castells in der Stadt Reval geglückt. Auch gegen päpstliche Bullen wußte er das einmal Gewonnene zu vertheidigen. Wenn glaubwürdig berichtet wird, daß V. von seinen Ordensbrüdern drei Monate gefangen wurde, weil er sich dem geistlichen Legaten Balduin von Alna gegenüber zu nachgiebig gezeigt habe, so war dies ein Gewaltact, der die Zügellosigkeit der Schwertbrüder erweist. Jedenfalls erlangte V. bald darauf Freiheit und Amt wieder. Mit dem Bischof Albert theilt V. das Verdienst, die deutsche Colonie in den jetzt russischen Ostseeprovinzen gegründet zu haben.

[275] Vgl. Schiemann’s Geschichte Livlands in Oncken’s Allg. Geschichte in Einzeldarstellungen II, X.