ADB:Vorstermann, Lucas (1595 bis nach 1667)

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Artikel „Vorstermann, Lucas“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 319–320, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Vorstermann,_Lucas_(1595_bis_nach_1667)&oldid=2508640 (Version vom 21. Februar 2018, 08:58 Uhr UTC)
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Vorstermann: Lucas V., Kupferstecher, wurde im J. 1595 (nicht 1578) zu Antwerpen, oder, was wahrscheinlicher ist, zu Bommel in Holland geboren. Es scheint, daß er seine künstlerische Erziehung ausschließlich durch Rubens empfing. Im J. 1620 erhielt er das Bürgerrecht in Antwerpen, doch steht fest, daß er sich schon früher, etwa seit 1617 als Kupferstecher versucht hat. Anfänglich ahmte er die Stichweise des Goltzius bis zur Täuschung nach und beschränkte sich darauf, lange und schöne Linien zu ziehen. Später aber gab ihm Rubens, wie Sandrart berichtet, den Rath „sich mehr zu befleißigen, den Ausdruck und das Verfahren des Malers wiederzugeben, indem er die Lichter und Schatten, die Reflexe und Halbtöne genau beobachten solle, wodurch er die Gestalten besser modelliren könne“. V. machte sich diesen Rath zu Nutze und lieferte [320] bis zum Jahre 1620 sieben Kupferstiche für Rubens, denen in den nächsten Jahren noch eine Reihe weiterer Blätter nach den Werken dieses Meisters folgte. Rubens überwachte die Arbeiten Vorsterman’s auf das genaueste und retouchirte die für ihn bestimmten Probedrucke mit Blei, Feder oder aufgesetzten Lichtern. V. arbeitete unausgesetzt und war nahe daran sich zu ruiniren, da er nur Hauptblätter lieferte, sodaß er nach Vollendung der Amazonenschlacht seiner Gesundheit wegen Antwerpen verlassen mußte, obwol er eben erst achtundzwanzig Jahre alt geworden war. Er wandte sich, vielleicht einer Einladung des Grafen Arundel folgend, nach England, wo er bis zum Jahre 1630 oder 1631 blieb. In England, wo der Kupferstecher R. van Voerst mit ihm rivalisirte, ohne ihn zu erreichen, schuf V. einige Blätter nach Bildnissen Holbein’s und van Dyck’s, mit welchem letzteren er jedoch auf englischem Boden nicht zusammen getroffen zu sein scheint. Eins seiner dort entstandenen Hauptwerke ist der Heilige Georg nach Raphael’s Bild in der Galerie des Lord Pembroke, dessen Porträt er nach einer eigenen Zeichnung stach. Im J. 1631 war V. wieder in Antwerpen, wo wir ihn mit der Reproduction eines Bildnisses des Thomas Morus von Holbein beschäftigt finden. Für Rubens arbeitete er seit dieser Zeit nur noch wenig, um so mehr aber für van Dyck, für dessen Ikonographie in der ersten Ausgabe er 21 Blätter herstellte, während er für die zweite nur drei Bildnisse lieferte. Zu seinen Hauptwerken aus dieser seiner späteren Zeit gehört der Leichnam Christi im Schooße der Maria und das Rosenkranzfest nach Michel Angelo da Caravaggio. Seine letzte Arbeit war eine ungewöhnlich große Platte, die den Einzug Karl’s II. in Gent darstellte. Er vollendete sie zu Anfang des April 1667 und starb sehr bald darauf im Alter von 72 Jahren. – Vorsterman’s Verdienst ist es, die engen Grenzen der Antwerpener Stechkunst erweitert und der Kupferstecherei aufs neue eine geachtete Stellung neben den größten Gemälden der Zeit gesichert zu haben. Rubens nannte ihn: „il mio intagliatore“ und bestätigte mit dieser Bezeichnung auf das ehrenvollste ihre gegenseitige Zusammengehörigkeit. – V. hatte einen Sohn, der gleichfalls Lucas hieß, in Antwerpen geboren war und im J. 1661 in die dortige Lucasgilde aufgenommen wurde. Er trat als Stecher in die Fußtapfen seines Vaters, konnte ihn jedoch nicht erreichen. Als sein bestes Werk wird das Bildniß seines Vaters nach van Dyck, das er für dessen Ikonographie anfertigte, angeführt.

Vgl. G. K. Nagler, Neues allgem. Künstler-Lexicon. München 1850, XX, 546–551. – A. Michiels, Historie de la peinture flamande. 2. édit. Paris 1869. VIII, 374–376. – H. Hymans, Historie de la gravure dans l’ecole de Rubens. Bruxelles 1879, p. 158–230. – J. E. Wessely, Geschichte der Graphischen Künste. Leipzig 1891, S. 193, 194. – E. Dutuit, Manuel de l’amateur d’estampes. Paris, Londres 1885. II, 557–559.