ADB:Waldburg-Syrgenstein, Karl Graf von

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Artikel „Waldburg-Syrgenstein, Karl Graf von“ von Friedrich Wintterlin in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 665–666, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Waldburg-Syrgenstein,_Karl_Graf_von&oldid=- (Version vom 15. Dezember 2019, 07:42 Uhr UTC)
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Waldburg: Karl Graf von W.-Syrgenstein, Forschungsreisender, wurde geboren am 18. Decbr. 1841 als dritter Sohn des Fürsten Constantin von Waldburg-Zeil-Trauchburg zu Neutrauchburg in Württemberg. Vorgebildet für den Universitätsbesuch auf dem Gymnasium zu Feldkirch studirte er Forstwissenschaft in Hohenheim und Tharand, wo er den Grund zu seinen Kenntnissen in den Naturwissenschaften, zu denen es ihn von früh auf hinzog, legen konnte. Zunächst jedoch trat er im J. 1866 in württembergische Militärdienste und machte den Feldzug dieses Jahres mit. Im J. 1870 nahm er längeren [666] Urlaub und bereiste mit dem bekannten Afrikareisenden Th. v. Heuglin auf dem Schoner „Skjön Valborg“ Spitzbergen, vorwiegend den östlichen Theil dieser Inselgruppe. Die Zeil-Inseln und das Cap Waldburg, das König-Karl-Land und die Olgastraße auf unsern Karten überliefern die Erinnerung an die Reise der Forscher aus Schwaben. Auf der Rückfahrt traf die Reisenden in Hammerfest die Kunde vom Ausbruch des Kriegs gegen Frankreich. W. eilte alsbald zu seiner vor Paris liegenden Truppe und machte hier die Kämpfe bei Champigny und Villiers (30. Nov. bis 2. Dec.) mit, wobei er sich das eiserne Kreuz verdiente. Nach wenigen Jahren zog es ihn von neuem nach Norden. Im J. 1876 schloß er sich als Freiwilliger auf eigene Kosten der von dem damaligen „Verein für die deutsche Polarfahrt“ in Bremen veranstalteten Forschungsreise nach Westsibirien unter Führung von Dr. Finsch und Dr. Brehm an. Dr. Finsch hat diese Reise, welche südlich bis in den chinsischen Hochaltai, nördlich bis nahe an die Gestade des Eismeers führte, in einem Werke unter dem Titel: „Reise nach Westsibirien“ (1876) beschrieben. Graf W. betheiligte sich besonders an der Anlage der naturwissenschaftlichen Sammlungen und an der Festlegung der kartographischen Ergebnisse, welche letztere in dem genannten Buche von Finsch auf drei von Graf W. herrührenden Blättern veranschaulicht werden. Fördernd war den Reisenden besonders eine Empfehlung der Königin Olga von Württemberg an ihren Bruder, den Kaiser Alexander II. von Rußland, welche W. vermittelt hatte. Zu einer dritten Reise in die Polarregionen gab eine Einladung des Baron v. Knoop in Bremen Gelegenheit. Ihr folgend fuhr W. auf dem zum Zwecke der Anknüpfung directer Handelsverbindung von dem genannten Industriellen ausgerüsteten Dampfer „Luise“ von der Wesermündung durch das Kara-Meer nach der Jenissei-Mündung und wieder zurück. Der geographischen Gesellschaft in Bremen erstattete er in den Deutschen geographischen Blättern, Bd. V, Heft 3 Bericht über diese Reise. – Im J. 1882 verheirathete er sich mit Gräfin Sophie von Waldburg-Zeil-Wurzach, die als patriotische Dichterin sich einen geachteten Namen erworben hat, und lebte von da an auf dem von seiner Gemahlin erworbenen Schlosse Syrgenstein im Allgäu. Mit Zustimmung des letzten v. Syrgenstein ertheilte ihm der König von Baiern die Erlaubniß den Namen „Syrgenstein“ dem seinen beizufügen. Regen Antheil nahm er namentlich an der Thätigkeit der naturwissenschaftlichen Vereine in Süddeutschland. Am 30. Januar 1890 starb er an einer infolge der Influenza eingetretenen Magenblutung.

Ueber seine Reisen ist außer dem schon genannten noch zu vergleichen: Petermann’s Mittheilungen 1870–72, 1876–77, 1882; Geographische Blätter in Bremen 1876, 1882; v. Heuglin, Reisen nach dem Nordpolarmeer 1870–71.

Nekrolog im Schwäbischen Merkur, Mittwochsbeil. v. 26. Febr. 1890. – Emil Metzger, Württembergische Forschungsreisende und Geographen des 19. Jahrhunderts. Stuttgart 1889, S. 167, 168. – Frhr. R. v. König-Warthausen in den Jahresheften d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1891, S. 33.