ADB:Truchseß von Waldburg, Georg III.

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Artikel „Waldburg, Georg III, Truchseß v.“ von Joseph Vochezer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 660–665, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Truchse%C3%9F_von_Waldburg,_Georg_III.&oldid=- (Version vom 20. September 2021, 05:36 Uhr UTC)
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Waldburg: Georg III, Truchseß v. W., genannt der Bauernjörg, wurde geboren zu Waldsee am 25. Januar 1488. Seine Eltern waren Truchseß Johannes d. j. v. Waldburg und Helene geb. Gräfin v. Zollern. Mit 10 Jahren kam er an den Hof des Bischofs Friedrich von Augsburg, der seiner Mutter Bruder war, und erhielt dort den Meister Paulus, Chorherrn zu St. Moriz, als Lehrer und Erzieher. 1499 brach der Schweizer- oder Schwabenkrieg aus; da entlief Jörg, um einen Herrn zu suchen, dem er den Spieß nachführen dürfte, wurde aber bald wieder eingeholt und zurückgebracht. Im bairischen Erbfolgekrieg (1504) erhielt er den Harnisch und führte selbständig Haube und [661] Spieß. 1508 trat er in die Dienste des Herzogs Ulrich von Württemberg, den er begleitete, als derselbe mit K. Max I. die Romfahrt mitmachen wollte. 1509 verheirathete er sich mit Apollonia, Tochter des Grafen Johannes von Sonnenberg, nach deren 1512 erfolgtem Tode 1513 mit Maria, der Tochter des Grafen Joachim von Oettingen. 1514 half er zwischen Herzog Ulrich von Württemberg und dem „Armen Konrad“ (dessen aufrührerischen Unterthanen) vermitteln und zuletzt den Aufstand unterdrücken, wobei er sich als Hauptmann sehr auszeichnete. 1515 verließ Jörg die württembergischen Dienste und wurde Rath und Landeshauptmann des Herzogs Wilhelm von Baiern. Dieser sandte ihn 1516 mit Aufträgen nach Italien zu K. Max I., mit welchem er gen Mailand zog. 1517 begleitete er den Herzog Wilhelm von Baiern zum Kaiser in die Niederlande, von wo aus er zur See eine Wallfahrt nach San Jago di Compostela in Spanien machte. 1518 visitirte und reformirte er im Auftrage seines Herrn die bairischen Gerichte und gab ihnen neue Ordnungen und Satzungen. 1519 nahm Herzog Ulrich von Württemberg eigenmächtig die Stadt Reutlingen ein. Da dieselbe Mitglied des Schwäbischen Bundes war, so erklärte ihm dieser den Krieg. Oberster Feldhauptmann des Bundes wurde Herzog Wilhelm von Baiern, Truchseß Jörg oberster Feldlieutenant. In zwei Monaten war ganz Württemberg in der Gewalt des Bundes. Kein geringes Verdienst an dem so raschen und glücklichen Verlaufe hatte Truchseß Jörg. Da es zwischen ihm und Herzog Wilhelm nachher wegen Entschädigungsansprüchen zu Zerwürfnissen kam, so begab sich Jörg nach Hause, obgleich ihm der Herzog Versprechungen machte für den Fall, daß er im zweiten Krieg gegen Herzog Ulrich (Herbst 1519) wieder sein Lieutenant werde.

Im J. 1520 wohnte Jörg dem Bundestage in Augsburg an und wurde am 24. Juni österreichischer Rath und Diener. Am gleichen Tage wurde sein Schwiegervater, Graf Joachim von Oettingen bei der Rückkehr vom Bundestag in der Nähe von Donauwörth von dem berüchtigten Hans Thomas v. Absberg überfallen und auf den Tod verwundet. Jörg nahm sich sehr der Sache an, klagte beim Bunde und forderte die Bundeshülfe gegen Thomas v. Absberg für die Grafen von Oettingen. Dieselbe wurde auch zugesagt, aber noch länger verschoben, einstweilen jedoch ein Zusatz von Reisigen bewilligt und als deren Hauptmann Truchseß Jörg ernannt. Dieser hatte um dieselbe Zeit als österreichischer Rath in Steiermark die Huldigung eingenommen und streifte nun mit den genannten Reisigen im Ries. Er gewann zwar die Burg Absberg, aber die eigentlichen Thäter waren verzogen. Im folgenden Jahre setzte er diese Streifzüge mit bündischen Truppen fort und gewann dabei die Burg Waltmannshofen. 1523 endlich unternahm der Schwäbische Bund einen großen Zug gegen die fränkischen Raubritter, den Jörg als oberster Feldhauptmann befehligte. In kurzer Zeit brach er 23–24 Burgen und damit auch die Macht der reichsunmittelbaren Ritter in Franken. – Im Sommer 1524 empörten sich die Bauern zu Stühlingen und im ganzen Hegau gegen ihre Herrschaften und erhielten Hülfe vom Schwarzwald. Da jene Gegend theils zu Oesterreich gehörte, theils in dessen Schutz stand, so gab Erzherzog Ferdinand den Befehl zur Gegenwehr und Unterdrückung. Er ernannte hiefür am 14. October 1524 den Truchsessen Jörg zum obersten Feldhauptmann. Zunächst sollte er unter Beihülfe von österreichischen Commissären den Weg der Güte und des Rechts und erst zuletzt den der Gewalt beschreiten. Monate lang mühte er sich fast ohne Erfolg. Ende Februar machte der vertriebene Herzog Ulrich von Württemberg, der mit den aufrührerischen Bauern in Verhandlung getreten war, um mit ihrer und geworbener Schweizer Hülfe sein Land wieder zu erobern, einen Einfall in Württemberg. Dies konnte Jörg mit seiner geringen Mannschaft nicht verhindern, doch [662] hängte er sich an ihn und that ihm mit seinen Reisigen Schaden, wo er konnte. Der Herzog rückte rasch vor, Stuttgart zu. Jörg vereinigte sich unterhalb Rottenburg mit dem württembergischen Aufgebot. Dieses zeigte sich sehr kleinmüthig und widerwärtig, so daß er damit nichts unternehmen konnte. Infolge dessen nahm Ulrich Herrenberg und zog vor Stuttgart. Mittlerweile kamen die Truppen des Schwäbischen Bundes an, über welche Jörg zum obersten Feldhauptmann ernannt war. Schleunigst führte sie Jörg nach Stuttgart. Hiedurch bedrängt und von den Schweizern verlassen mußte der Herzog sein Heil in eiliger Flucht suchen. Jörg verfolgte ihn vergeblich, eroberte die von dem Herzog eingenommenen Städte Balingen, Herrenberg, Böblingen, Sindelfingen und Leonberg zurück, wurde aber dann vom Schwäbischen Bund gen Ulm berufen, um den Bauernaufstand zu unterdrücken.

Es hatten sich nämlich die Bauern in der Ulmer Gegend und von dort bis an den Bodensee hinauf gegen ihre Herrschaften empört und 3 gewaltige Haufen – den Baltringer-, Allgäuer- und Bodensee-Haufen – gebildet. Jörg verfügte über ungefähr 1500(–2000) Reisige und 7000 Fußknechte. Zunächst wandte er sich (30. März) donauaufwärts und zerstreute die dortigen Bauern, sodann gegen Leipheim und Günzburg, die er eroberte, wobei von circa 4000 Bauern 1000 erstochen und viele Hunderte ertränkt wurden. Nun wollte sich der größere Theil des Baltringer Haufens unterwerfen, der kleinere zog auf Jörg’s Herrschaft. Dieser folgte ihnen, und schlug sie am 13. April bei Essendorf und Tags darauf (circa 4000, worunter ungefähr 1500 Allgäuer) bei Wurzach. Dann drängte er den Bodensee-Haufen von Gaisbeuren gegen Weingarten zu. Am 17. April lag letzterer 12000 Mann stark bei Berg und 6000 Mann vom Allgäuer Haufen in nächster Nähe. Jörg ließ gegen die Bauern zuerst sein Geschütz spielen, aber in Erwägung, daß dieselben in großer Uebermacht, daß unter ihnen viele gute Kriegsleute, daß sie auch gutes Geschütz bei sich hatten, daß unter dem bündischen Heere viele Knechte sich befanden, die mit den Bauern verwandt, daher sich nicht gern mit ihnen schlugen, daß „dem Glück nicht in allweg zu befehlen“ und daß der Bund nur dies eine Heer habe und, wenn dieses geschlagen werde, alles verloren sei, beschloß er diesmal die Bauern, wenn möglich nicht durch die Waffen, sondern durch einen Vertrag zur Unterwerfung zu bringen. Seine Drohung, wenn letzterer nicht zu Stande komme, Weingarten zu verbrennen, hatte den gewünschten Erfolg. Der Vertrag von Weingarten (17. April) kam einem großen Siege gleich. Denn „mit der Niederlage seines Heeres durch die selbst von alten Soldaten bewunderten und gepriesenen Allgäuer Scharen wäre ohne Zweifel die ganze und letzte Macht des Bundes der Auflösung völlig verfallen, die Masse der noch Unentschiedenen und Wankenden, vor allem die Städte offen zur Revolution übergegangen und ganz Deutschland unter den Flammen des Aufruhrs begraben worden“. In Wittenberg ließ Luther den Vertrag, welchen er für eine besondere Gnade Gottes erklärte, mit einem von ihm hinzugefügten Vor- und Schlußwort durch den Druck wiederholen. Für den Bauernkrieg aber war dieser Vertrag der Wendepunkt, der Anfang vom Ende. Nachdem Jörg durch denselben freie Hand bekommen, rückte er gegen die Hegauer und Klettgauer Bauern vor. Schon hatte er mit diesen Verhandlungen angeknüpft, als er auf dringenden Befehl des Bundes sofort nach Württemberg ziehen mußte, wo fast das ganze Land in Aufruhr war. Die dortigen Aufständischen suchten mit dem Hinweis „wo wir mit dem Bund zur Ruh wären, dürften wir in allen Landen keinen Feind mehr fürchten und ohne alle Sorg mit Hülf göttlicher Gnaden ein gut christenlich, brüderlich Regiment ordnen und machen …“ auch vom Allgäu Hülfe zu bekommen. Obgleich Hegauer Bauern und bis Rottweil auch deren Verbündeter Herzog Ulrich ihm nachrückten, ließ sich Jörg, dessen [663] Heer ca. 1200 Reisige und 6000 Knechte zählte, dadurch nicht irren. Er schlug bei Böblingen am 12. Mai 12000 bis 20000 Mann von der württembergischen Landschaft, von den Schwarzwäldern, Hegauern und vom Weinsberger Haufen, wobei ob 6000 Bauern erstochen wurden. Damit hatte der Bauernaufstand in Württemberg seinen Todesstoß erhalten. „Das ganze Land Württemberg ist erobert“ schrieb darauf Graf Wilhelm von Fürstenberg. Nun zog Jörg Würzburg zu. Dort hatten sich die Hauptmassen der Bauern versammelt: der Odenwälder, Neckarthaler und Weinsberger Haufen und alles, was oben entkommen war; es sollen zusammen 40 000 gewesen sein. Auf dem Hinzug verbrannte Jörg Weinsberg, nahm Neckarsulm, Neustadt, Löwenstein, Oehringen und vereinigte sich am 28. Mai mit den Kurfürsten von Trier und Pfalz, mit dem Herzog Ottheinrich und mit dem Bischof von Würzburg, welche 1200 Reisige und 3000 Knechte, sowie ein gutes Feldgeschütz hatten. Am 2. Juni schlug er die Odenwäldischen und Neckarthaler Bauern bei Königshofen[WS 1], wobei ca. 5000 Bauern erstochen und 47 Geschütze erbeutet wurden, am 4. Juni einen Bauernhaufen bei Ingolstadt, wobei 2000 Bauern erschlagen, alle ihre Fähnlein und „bei 18 Stück Büchsen auf Rädern“ erbeutet wurden. Hierauf zog Jörg zum Entsatz der Feste Marienberg bei Würzburg und, als dieser gelungen war, mit den anderen Fürsten in letzterer Stadt selbst ein. Von hier aus wandte er sich gen Schweinfurt, das sich ergab, dann ins Bambergische, wo er in kurzer Zeit das ganze Stift wieder zum Gehorsam brachte, half die Unterthanen des Markgrafen Kasimir und anderer benachbarter Herrschaften unterwerfen und führte sein Heer zwischen Nürnberg und Nördlingen durchs Ries auf Memmingen, das von Bauern belagert wurde, die beim Herannahen Jörg’s abwichen. Dieser folgte ihnen bis an die Luibas bei Kempten, lieferte ihnen dort eine zweitägige Artillerieschlacht, ließ ihr Lager anzünden und einige Geschütze in die Luibas werfen, um dann, nachdem Georg v. Frundsberg mit ein paar tausend Landsknechten zu ihm gestoßen war, den Entscheidungskampf mit ihnen aufzunehmen. Da letztere, obgleich 23000 Mann stark, demselben auswichen, zwang er sie durch Verbrennung ihrer Dörfer zur Niederlegung der Waffen und zur Auslieferung ihrer Rädelsführer. Nachdem er noch Füßen dem Bischof von Augsburg zurückgestellt, hatte er seine Aufgabe gelöst. Diese war nicht klein gewesen. Denn die ihm gegenüber stehenden Bauern waren im Großen und Ganzen ihm an Zahl weit überlegen, sodann waren sie mit Harnisch, Spieß u. s. w. gut ausgerüstet. Geschütze hatten sie in den verschiedenen, dem Adel abgenommenen Schlössern zahlreich erbeutet, ihre Führer waren vielfach kriegserfahrene Leute, die unter Georg v. Frundsberg und anderen berühmten Führern das Kriegshandwerk erlernt hatten, ferner befanden sich unter ihnen viele Landsknechte – unter 78 Bauern, die Hans Walter von Laubenberg am 13. April 1525 zu Mittelbiberach gefangen nahm, waren 25 (!) Landsknechte – deren Zahl immer mehr wuchs, weil damals nach der Schlacht bei Pavia viele derselben in Italien entlassen wurden, zurückkehrten und mannichfach den Bauern zuliefen, endlich konnten letztere, wenn sie von dem Anmarsche des Bundesheeres Kunde erhielten, ihre Vertheidigungsstellung heraussuchen und wählten sie auch dank ihrer kriegskundigen Führung immer vortheilhaft. Jörg mußte sie daher, wie er berichtete, in der Regel zuerst „aus ihrem Vortheil herausschießen“, worauf dann seine Reisigen – öfters mit ihm selbst an der Spitze – das Weitere besorgten. Mit diesen beiden Waffen – Artillerie und Cavallerie – gewann er fast alle seine Schlachten, während sein Fußvolk vielfach meuterte und öfters Tage lang nicht zum Aufbruch zu bewegen war.

Man wirft Jörg zum Theil Härte und Grausamkeit vor. Ganz mit Unrecht. Es soll nicht in Abrede gestellt werden, daß er viele Leute enthaupten und verschiedene Dörfer in Brand stecken ließ. Aber letzteres war damals ein ganz gewöhnliches [664] Mittel der Kriegsführung, und Jörg wendete es nicht an, bloß um zu schaden, sondern um den Bauern Furcht vor materiellem Nachtheil einzuflößen und sie dadurch zur Unterwerfung zu bringen. Enthaupten ließ er bloß die Rädelsführer, und zwar that er dies, um dadurch der Revolution den Kopf abzuschlagen und durch den infolge dessen entstehenden Schrecken die vorhandene Empörung zu unterdrücken und eine etwa künftige zu verhüten. Er hatte es ja mit Bauern zu thun, die vielleicht morgen schon brachen, was sie heute versprachen, und die bloß durch Schrecken oder Furcht vor Schaden zu bändigen waren, wie dies auch immer der Erfolg zeigte. Wenn diese höheren Gesichtspunkte der Kriegsführung nicht in Betracht kamen, dachte und handelte Jörg ganz anders. Schon in dem Zug gegen die fränkische Ritterschaft hatte er sich wegen zu großer Milde und Rücksichtnahme verschiedene Verweise vom Bund zugezogen. Nach der Zurücktreibung des Herzogs Ulrich im März 1525 verbot ihm der Bund, die abgefallenen Bauern zu strafen, da er selbst Leute dazu schicken wolle. „Derselbe will dies nämlich deshalb thun – berichtet Artzt an Augsburg – weil er glaubt, Jörg würde nur eine kleine Strafe gegen sie vornehmen“. Bezüglich des Weingartener Vertrags wurde er auch wegen zu großer Milde getadelt. Sodann klagte Jörg wiederholt beim Bunde über Mitglieder desselben, daß sie zu hart gegen ihre abgefallenen Unterthanen verfahren; am 16. April machte er der Bundesversammlung Vorhalt, daß sie die Gehuldigten mit der Schätzung und anderem so hart und beschwerlich halten; am 29. April verwendete er sich bei dem Bund für Milderung der Schätzung der Bauern im Illerthal. Milde gegen die Untergebenen war Jörg angeboren: so hatte er schon 1515 (also zehn Jahre vor dem Bauernkrieg) mit seinen Unterthanen „ihnen zu Nutz“, wie sie selbst in der Urkunde sagen, einen Vertrag wegen der ihm schuldigen Dienste geschlossen und 1526 ließ er sich mit denselben wieder in einen solchen ein „wegen Dienst, Dienstgeld, Fastnachthennen u. s. w.“ Mit Recht nennt ihn ein Zeitgenosse „manu strenuus, judex gravis, aequi bonique servantissimus, qui tam vincere quam victis parcere noverat, a sanguine, quantum licebat, abstinuit“. – Zur Anerkennung seiner Verdienste im Bauernkrieg erhielt Jörg vom Bunde 5000 fl., von K. Karl V. aber die Verwandlung der Reichspfandschaft Zeil in ein Reichslehen und den Titel „des hl. röm. Reichs Erbtruchseß“; die Anwartschaft auf das Reichserbtruchsessenamt erhielt er später 1528 von dem Pfalzgrafen Ludwig.

Im Sommer 1525 wurde Georg Statthalter von Württemberg. Schon K. Karl V. hatte ihm dies Amt früher übertragen wollen, Jörg aber nach dessen Ansicht bei seinen Forderungen „die Saiten zu hoch angeschlagen“. In dieser Stellung suchte Jörg die Wunden, welche der Krieg geschlagen, durch eine umsichtige, weise Verwaltung zu heilen, die früher abgerissenen Landestheile wieder zu erwerben und die Ruhe des Landes sicher zu stellen. Zu diesem Behufe warb er Reisige, legte Besatzungen in die Grenzorte gegen den Hegau, weil dort der Bauernaufruhr noch nicht ganz erloschen war und von dort her Einfälle des Herzogs Ulrich zu befürchten standen, unterhielt überall Kundschafter, welche ihn über des letzteren und seiner Gönner, wie der Eidgenossen und des Landgrafen von Hessen, Pläne und Rüstungen stets so zeitig unterrichteten, daß er durch Gegenmaßregeln dieselben zu vereiteln wußte. Das Land fühlte sich unter ihm sicher. Daher ging auch ein Schrecken durch dasselbe, als im Januar 1528 bekannt wurde, daß K. Ferdinand ihn dauernd nach Ungarn (als Oberstfeldhauptmann gegen die Türken) berufen habe. Der kleine und große Ausschuß des Fürstenthums erhob deshalb schleunigst Vorstellungen bei Ferdinand und schrieb: „Weil wir nun wissen, daß eine gemeine Landschaft und besonders alle Ehrbarkeit ein sonder Herz und Trost zu dem genannten Statthalter (Jörg) haben und bisher gnädiglich, glücklich und wohl regiert seien und derselbe bei allen [665] Anstößern, Landsassen und andern hohen und niedern Standes ein solch An- und Aufsehen hat, daß wir nicht zweifeln, fürder nicht minder als bisher in gutem Frieden unterhalten zu werden“, so bitten sie nun von gemeiner Landschaft wegen mit höchstem Fleiß, der König solle seinen Statthalter Georg als solchen hier lassen, seine Entfernung würde großen Unwillen überall erwecken. Für damals wurde Jörg in Stuttgart belassen, aber im Herbst 1529 wurde er wieder vom Könige berufen, den er am 13. October in Linz traf und noch nach Mähren begleitete. Da die Türken sich zurückgezogen hatten, so konnte er im selben Jahre wieder heimkehren. Ueberhaupt holte Ferdinand oft Jörg’s Rath ein und gab ihm verschiedene Aufträge. Auf dem Reichstage in Speier 1526 nahm Jörg an den Verhandlungen in Sachen der Religion hervorragenden Antheil und wurde von den Fürsten daselbst sogar in den betreffenden Ausschuß gewählt. Auf dem Reichstag zu Augsburg (1530) that er im Namen des Kaisers die „Werbung“ an die Stände und suchte zwischen den Katholiken und Protestanten, wiewol vergeblich, zu vermitteln. Auf diesem Reichstage verlieh ihm K. Karl V., der ihm ebenfalls sehr gewogen war, ein Zollprivilegium.

„Jörg Truchseß ist (so heißt es in der Zimmerischen Chronik 3, 313) ein Mann gewest, der sein Geschlecht wohl bedacht und herzlich und treulich gemeint hat. Ich hab von einem glaubhaften und vornehmen Mann gehört, daß H. Jörg im Ernst gesagt und hoch betheuert habe, er wollte von seines Geschlechts wegen, dasselbe zu erhöhen, etliche Jahre mit gutem Willen im Fegfeuer sitzen und die Pein leiden, welches Gemüth sich auch wahrhaftig bei ihm bescheint hat.“ Er erkaufte (1510) Schloß Linden sammt Zubehör, (1520) die Herrschaften Eberhardszell und Schweinhausen, welche von Oesterreich zu Lehen rührten, ihm aber von K. Ferdinand für seine Bemühungen um dessen Wahl zum römischen Könige (1530) allodificirt wurden, [später den Antheil seines Vetters Wilhelm an Schloß und Herrschaft Waldburg], und endlich erwarb er noch (1529) als Reichspfandschaft die Landvogtei Ober- und Niederschwaben. Damit hatte er auch allen Anstößern derselben einen großen Gefallen erwiesen. Denn diese hatten ihn dazu aufgefordert und dabei unterstützt „ut tandem veniat desiderabilis, quamdiu expectavimus“ wie Abt Gerwick von Weingarten an Jörg schrieb. Auch hatte sein Geschlecht, wie schon erwähnt, ihm zu verdanken, daß die Herrschaft Zeil Reichslehen wurde und so von demselben nicht mehr ausgelöst werden konnte, sowie daß der Titel und später das Amt der Reichserbtruchsessen auf dasselbe überging. Endlich hatte er demselben durch seine Thätigkeit im Bauernkrieg großen Glanz und Ruhm verschafft. Damit derselbe nicht erlösche und die Nachkommen zu gleichem Thun entflammt werden, ordnete er an, daß seine und seiner Vorfahren Thaten und wie sie „gelebt und gestorben“ beschrieben und in der „Truchsessen Chronik“ verewigt wurden. Er starb am 29. Mai 1531. Sein Hingang wurde allgemein betrauert.

Die Belege siehe in dem unter der Presse sich befindenden 2. Band meiner Geschichte des Hauses Waldburg und in Pappenheim’s Truchsessenchronik. Eigene Biographieen schrieben über Truchseß Georg III.: Walchner und Bodent und Maximilian, Graf Waldburg zu Wolfegg.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Königshafen