ADB:Weber, Franz Thomas

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Artikel „Weber, Franz Thomas“ von Franz Weber in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 292–294, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Weber,_Franz_Thomas&oldid=- (Version vom 23. September 2019, 10:13 Uhr UTC)
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Weber: Franz Thomas W., Kunstzeichner und Kupferstecher von Augsburg, wurde als Sohn des Form- und Modelschneiders Michael W. von [293] Augsburg am 1. August 1761 geboren, in früher Jugend in der mit der Kunstakademie verbundenen Schule im Zeichnen unterrichtet und später zu dem Kupferstecher Söckler in München in die Schule gebracht, der ihn in der Kunst des Kupferstechens, Radirens, der Schwarzkunst und Aqua-tinta-Manier ausbildete. Nach Augsburg zurückgekehrt, fing er an, in Chodowiecki’s Manier in Kupfer zu stechen und arbeitete hierin viel nach London; er radirte auch Landschaften und fertigte Stiche von geschichtlichen, religiösen, biblischen und allegorischen Darstellungen. Später kam er einige Zeit lang als Dessinateur in die Kattunfabrik von Schüle, für die er Muster für den Druck der geblumten und verzierten Zitz- und Kattunstoffe zeichnete und entwarf, wahrscheinlich auch die Kupferplatten hierzu stach. Mit dem Geschäftsherrn machte er Reisen nach Frankreich und Italien, verheirathete sich 1798 mit Maria Anna Peter, Tochter des Stadtbauwarts Peter, wurde Bürger von Augsburg und Mitglied der unter Kaiser Franz I. gestifteten Kunstakademie und blieb bis an sein Lebensende in seiner Vaterstadt künstlerisch thätig, wenn er auch 1801 infolge der ungünstigen kriegerischen Zeiten die Gegenschreiberstelle beim Stadt-Augsburgischen Getreideaufschlagsamte annahm. Seine hauptsächlichen Arbeiten auf künstlerischem Gebiete sind Kupferstiche zu Paul v. Stetten’s Briefen eines Frauenzimmers aus dem XV. Jahrhundert (1783), zu der „Geschichte des letzten Feldzugs in Schwaben 1796“, 6 Stiche zu dem von den Gebrüdern Klauber herausgegebenen Illustrations-Prachtwerk damaliger Zeit der Wieland’schen Werke, und zwar zum „goldenen Spiegel“; 4 Stiche zu dem bei derselben Firma erschienenen großen Werke „Die französische Revolution in Bildern“, und zwar die Blätter König Ludwig XVI. vor Gericht, Trennung des Königs von seiner Familie, letzter Abschied und der König vor dem Schaffot; 18 Stiche nach eigenen Entwürfen zu Paul v. Stetten’s Denkwürdigkeiten aus der Zeitgeschichte Augsburgs von 1770–1800, mehrere religiöse, biblische und allegorische Darstellungen, sowie Genrescenen für die Kunsthandlungen Gebrüder Rieger und C. H. Stage. Die kriegerischen Zeiten gaben Anlaß zur Herausgabe colorirter Stiche der durchziehenden Truppen, und zwar des kaiserlichen Heeres, der französischen Soldaten der Republik und des Kaiserreichs, der spanischen, italienischen Hülfstruppen, der Russen unter Suwarow, des Augsburger Bürgermilitärs von 1799 und der bairischen Soldaten. Zur Augsburger Localgeschichte lieferte er auch nach 1800 einige Darstellungen und nahm zwischen 1810 und 1820 auch die hervorragenden Gebäude der Stadt, die Thore, Basteien, Vergnügungsplätze und Orte der Umgebung in 80 Ansichten auf, die er im Kupferstich vervielfältigte. Außer diesen Arbeiten entstanden noch hunderte dem Tagesbedürfnisse dienende Stiche und Kupfer zu Ritter- und Räuberromanen, Theaterstücken, Kalendern und Almanachen, Zeichnungs- und Malvorlagen, Entwürfe zu kunstgewerblichen Arbeiten für Gold- und Silberarbeiter, Stickmuster etc. Nebenbei war er auf kunstgewerblichem Gebiete noch immer mit Anfertigung von Mustern für norddeutsche, österreichische, schweizerische und englische Kattunfabriken thätig. Viele Originale seiner Werke und zahlreiche Stiche befinden sich in der Sammlung des historischen Vereins in Augsburg, woselbst auch zwei Porträte des Künstlers, eines von Miniaturmaler Johannes Walch Ende vorigen Jahrhunderts, ein anderes von Maler Einsle 1817 aufgenommen. Auch die kunsthistorische Sammlung der Stadt München und das bairische Armeemuseum enthalten eine Reihe Stiche des Künstlers. Am 2. Juni 1828 endete ein Schlaganfall sein Leben, nachdem ihm seine Hausfrau Maria Anna am 11. Februar 1825 im Tode vorangegangen war.

Paul von Stetten, Nachrichten von den noch jetzt lebenden Künstlern Augsburgs. 1788. – M. v. Stetten, Handschriftl. Zusätze und Bemerkungen [294] zu Paul v. Stetten’s Kunstgeschichte v. Augsburg, Mscr. – Lipowsky, bayrisches Künstlerlexikon 1810. – Nagler’s Künstlerlexikon XXI, 1851. – Biographie des Künstlers v. F. Weber, in der Zeitschr. d. histor. Vereins von Schwaben u. Neuburg, 19. Jahrg. 1892, und Einschreibbuch des Künstlers von 1798–1806 in der Sammlung des hist. Vereins in Augsburg. (Bei Lipowsky und Nagler ist als Geburtsjahr irrig 1763 und als Vorname Johann Thomas statt Franz Thomas angegeben.)