ADB:Weinreich, Hans

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Artikel „Weinreich, Hans“ von Karl Lohmeyer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 513–514, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Weinreich,_Hans&oldid=- (Version vom 15. Oktober 2019, 19:17 Uhr UTC)
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Weinreich: Hans W., ein geborener Danziger aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, hat den Buchdruck in den beiden damaligen Theilen Preußens, in dem königlichen sowie in dem hochmeisterlichen und bald herzoglichen, zur vollen Bedeutung gebracht. Zuerst hat er in seiner Vaterstadt, wo ihm bereits Konrad Baumgarten in der Ausübung der neuen Kunst vorangegangen war, gedruckt, und zwar, wie neulich nachgewiesen ist, mindestens seit dem Jahre 1513, wenngleich eine vollständige Reihe von Erzeugnissen seiner Danziger Presse, Einblattdrucken und Büchern, erst seit 1520 vorliegt. Wie die Luther’sche Reformation in Danzig überhaupt überaus früh Eingang gefunden hat, so hat sich ihr auch der dortige „Prenter“ offenbar bald zugewandt, wenigstens ist ein von ihm gedrucktes Spottlied auf die Geistlichkeit vorhanden; dazu hat er während des Krieges, welchen Hochmeister Albrecht von Brandenburg gegen den Polenkönig führte (1520/21), ein zu Gunsten des Erstern, des Feindes also des eigenen Landesherrn, verfaßtes Gedicht gedruckt und verbreitet, weshalb er „wegen Verkleinerung des Herrn Königs und der polnischen Nation“ von der Stadtobrigkeit bestraft und gefangen gesetzt wurde, bis ihn drei Mitbürger durch Bürgschaft lösten (März 1522). Vielleicht sehnte er sich unter solchen Umständen aus der Vaterstadt fortzukommen, vielleicht ist er selbst es gewesen, der die maßgebenden Kreise in Königsberg, wo bisher gar keine Druckerei bestand, zur Anlegung einer solchen angeregt hat. Kaum war in Königsberg, wo, während Hochmeister Albrecht vergebens Hülfe suchend im Reiche umherreiste, die evangelische Lehre ebenfalls schnell Boden gewann, nicht ohne sein Zuthun der frühere Franciscanermönch Dr. Joh. Brießmann im Spätsommer 1526 erschienen und hatte im Sinne Luther’s zu wirken begonnen, als der daheim gebliebene, recht wohlhabende hochmeisterliche Secretär Christoph v. Gattenhofen seinem Herrn die Bitte übermitteln ließ, in der Residenz selbst eine Druckerei und eine Papiermühle errichten zu dürfen. Sofort gewährte Albrecht, der die Wichtigkeit der Druckerkunst für die von ihm mit immer größerer Wärme erfaßte Sache richtig erkannte, das Ansuchen in zwei Schreiben aus den letzten Tagen des October und vom 4. November 1523, wenn ihm dabei nur seine landesfürstlichen Rechte, zumal „eine jährliche Zinsung und Nutzung“, gewahrt blieben. Die neue Druckerei übernahm – ob zunächst nur als technischer Leiter oder sofort als Besitzer, ist vorläufig nicht auszumachen – der Danziger Hans W., die Papiermühle dagegen kam in andere Hände. Da die Weihnachtspredigt des samländischen Bischofs Georg v. Polentz vom J. 1523, das erste, freilich undatirte Erzeugniß der neuen Presse, schon am 26. Februar des folgenden Jahres gedruckt an den Hochmeister hinausging, [514] so ist sicher anzunehmen, daß die Thätigkeit dieser Presse im allerersten Anfange des Jahres 1524 begonnen hat, wogegen es durchaus nicht spricht, daß noch aus demselben Jahre ein Danziger Druck auf Weinreich’s Namen geht. Er selbst kam wol erst im Herbst 1524 nach Königsberg. Daß er aber auch weiterhin während der dreißig Jahre seiner Königsberger Thätigkeit seine heimische Presse bisweilen hätte arbeiten lassen, kann doch nicht bewiesen werden. In Königsberg hatte W. seine Officin zuerst auf der Nordseite des altstädtischen Marktes unter der Parchammauer des Schlosses, später (mindestens seit Ende 1541) im Löbenicht. Ueber die Königsberger Druckerthätigkeit H. Weinreich’s sprechen bei dem fast völligen Mangel actenmäßiger und anderer berichtenden Belege nur die eigenen Erzeugnisse seiner Presse, deren schon 1840 23, jetzt allein bis 1527 41 zusammengebracht sind; sie zeigen, daß er neben hebräischen Lettern mehrere Sätze schwabacher Schrift von nicht unschönen Formen, auch Missaltypen und einige Titelbordüren geführt hat. Notenwerke aber mußten auswärts in Auftrag gegeben werden; auch Antiquaschrift fehlte ihm noch ganz. Ein polnisches Buch konnte W. wol zur Noth herstellen, da aber, als Herzog Albrecht es für seine Pflicht hielt, nicht bloß die eigenen polnisch redenden Unterthanen, sondern auch die Evangelischen in Polen selbst mit den nöthigen Büchern zu versorgen, für den großen Bedarf der spärliche Inhalt der Weinreich’schen Kasten nicht ausreichte, so durfte ein eingewanderter polnischer Geistlicher (Joh. Maletius) zu diesem Behuf eine eigene Druckerei in der Nähe von Lyck anlegen (1536). Obwol auch W. auf die neue Universität große Hoffnungen für seine Kunst gesetzt hat, so sah er sich doch arg getäuscht, ja es scheint, als ob er selbst in seinem Eifer bald erkaltete: zwar schaffte er 1546 Noten und kursive lateinische Textschrift an, aber die abgebrauchten schwabacher Schriften erneuerte er nicht mehr. Er mußte es geschehen lassen, daß ihm 1549 in Königsberg selbst zwei Concurrenten an die Seite gesetzt wurden: der berühmte Wittenberger Lutherdrucker Hans Luft, der dort eine Filiale errichten durfte, und ein Böhme Namens Alexander Augezdecki, welcher recht gute Druckwerke hergestellt hat. Ob W. zuletzt an dem weitern Fortgange seines Geschäftes ganz verzweifelt oder vielleicht auch beim Herzog in Ungnade gefallen ist, läßt sich nicht entscheiden; genug, sein letzter Königsberger Druck, der uns erhalten ist, führt auf dem Titel als Datum den 28. März 1553, und aus dem Jahre 1555 liegt wieder ein Danziger Druck von ihm vor, im Sommer 1554 aber hat sein Nachfolger Hans Daubmann in Königsberg zu arbeiten begonnen. 1553 also oder spätestens 1554 ist W. in seine Vaterstadt zurückgekehrt, um dort sein Gewerbe wieder aufzunehmen, aber etwa 1558 ist er wieder nach Königsberg gekommen und daselbst zwischen Juli 1559 und August 1560 gestorben. Sein dortiges Grundstück im Löbenicht kam zur gerichtlichen Versteigerung.

Löschin, Gesch. d. Danzig. Buchdruckereien, 1840. – (Meckelburg,) Gesch. d. Buchdruckereien i. Königsberg, 1840. – Schwenke in Samml. bibliothekswissenschaftl. Aufsätze v. Dziatzko 1895, S. 64 ff. u. in Altpreuß. Monatsschr. 1895, S. 153 ff. – K. Lohmeyer, Gesch. d. Buchdrucks u. des Buchhandels im Herzogth. Preußen (16. u. 17. Jahrh.), I, in Archiv f. Gesch. d. deutschen Buchhandels, XVIII, 1895. – Schwenke, Hans Weinreich u. d. Anfänge d. Buchdrucks i. Königsb., 1896 (auch i. Altpr. Monatsschr.).