ADB:Wellauer, August

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Artikel „Wellauer, August“ von Leopold Cohn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 677–678, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wellauer,_August&oldid=- (Version vom 26. Mai 2019, 19:54 Uhr UTC)
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Wellauer: August W., Philologe, geboren am 17. Juli 1798 in Breslau, † am 26. Juni 1831. Privatim vorbereitet trat er im 8. Lebensjahre in das Gymnasium zu St. Maria Magdalena ein, ging aber 2 Jahre später auf das Friedrichs-Gymnasium über. Mit dem Reifezeugniß entlassen, bezog er im Alter von 17 Jahren die Breslauer Universität, um sich dem Studium der classischen Philologie zu widmen. Seine philologischen Lehrer waren hauptsächlich Franz Passow und C. E. Chr. Schneider. Außerdem hörte er philosophische Vorlesungen bei Steffen und Kayßler und historische bei Fr. v. Raumer und L. Wachler. Nach dreijährigem akademischem Studium bestand er die Prüfung pro facultate docendi und trat alsbald in das pädagogische Seminar ein, das von dem trefflichen Rector Manso geleitet wurde. Im October 1819 wurde er auf Grund der Inauguraldissertation Commentationum Aeschylearum specimen zum Doctor der Philosophie promovirt. Ein Jahr später (October 1820) habilitirte er sich mit der Schrift „De Thesmophoriis“ als Privatdocent an der Universität Breslau. Als solcher hielt er vom Sommersemester 1821 bis zum Sommersemester 1826 Vorlesungen über griechische Alterthümer, Aristophanes’ Acharner, Aeschylus’ Choephoren, Demosthenes’ Rede gegen Midias, über Juvenal und Martial. Im J. 1821 wurde er als ordentlicher Lehrer am Magdalenen-Gymnasium angestellt, mit Beginn des Jahres 1827, im Alter von 28 Jahren, kam er als Prorector und Professor an das Elisabeth-Gymnasium. Das nächste Programm dieses Gymnasiums (1828) brachte eine Abhandlung von ihm, „Additamenta ad Vechneri Hellenolexiam“ (über die Stellung der Partikel τε unter Vergleichung des lateinischen que), die später in erweiterter Gestalt in Jahn’s Neuen Jahrb. f. Philol., Suppl. I (1831), S. 380–406 wieder abgedruckt wurde. Wie er als Schulmann in sehr jugendlichem Alter zu Ansehen und hervorragender Stellung gelangte, so hatte er sich auch in der wissenschaftlichen Welt frühzeitig einen Namen gemacht. Auf die beiden Erstlingsschriften folgte nach kurzer Zeit eine kritische Ausgabe der Tragödien des Aeschylus in zwei Bänden (Leipzig 1823–1824). Allerdings verkannte er in seinem jugendlichen Eifer die großen Schwierigkeiten dieses Unternehmens, an das sich selbst ein [678] Meister wie Gottfried Hermann nur zögernd heranwagte. Der von ihm hergestellte Text sollte sich möglichst an die Autorität der Handschriften und der ältesten Ausgaben anlehnen, aber er hatte von dem handschriftlichen Material nur ungenügende Kenntniß und wußte die von andern zusammengetragenen Varianten nicht in der richtigen Weise zu verwerthen. Die Ausgabe fand deshalb gerechten Tadel (vgl. die Recensionen von Karl Reisig in der Jenaer Litteraturzeitung 1824, Nr. 28–31 und einem Anonymus in der Leipziger Litteraturzeitung 1825, Nr. 100–102). Als 3. Band der Aeschylusausgabe erschien nachträglich das „Lexicon Aeschyleum“, das eine Zeitlang viel benutzt wurde. Mit mehr Sorgfalt gearbeitet war die Ausgabe der „Argonautica“ des Apollonius Rhodius (2 Bände, Leipzig 1828). Er benutzte hierfür Sammlungen der Göttinger Universitätsbibliothek, die Ch. G. Heyne zusammengebracht hatte, so daß er namentlich die Lesarten der Mediceischen Handschrift genauer angeben konnte, als dies in früheren Ausgaben geschehen war, und hatte selbst die Rhedigersche Handschrift der Breslauer Stadtbibliothek neu verglichen. Aber auch an dieser Ausgabe wurde der Mangel an Vollständigkeit und Genauigkeit in den kritischen Angaben getadelt (vgl. die ausführliche Recension von Fr. Spitzner in der Allgemeinen Litteraturzeitung 1828, Sp. 761–795). Uebermäßiges Studium rief in dem schwachen Körper eine Brustkrankheit hervor, die anfangs nicht richtig erkannt wurde. Als er endlich, um in den Seebädern von Triest seine Gesundheit wieder herzustellen, nach dem Süden abreiste, erreichte er nur Wien und fand hier am 26. Juni 1831 ein frühzeitiges Ende. Im nächsten Programm des Elisabeth-Gymnasiums (1832) widmete ihm der Rector S. G. Reiche einen ehrenden Nachruf. „Schwerlich“, heißt es darin, „möchte man wol einen jungen Mann finden, der mit früher Berühmtheit, mit vielseitigen und gründlichen Kenntnissen soviel Anspruchslosigkeit, Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit vereinigte“.

Nekrolog in den Schlesischen Provinzialblättern, 94. Bd. (Breslau 1831), S. 456 (wo die Vornamen und verschiedene Daten falsch angegeben sind).