ADB:Spitzner, Franz Ernst Heinrich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Spitzner, Franz Ernst Heinrich“ von Richard Hoche in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 224–225, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Spitzner,_Franz_Ernst_Heinrich&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 05:53 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 35 (1893), S. 224–225 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Franz Spitzner in der Wikipedia
GND-Nummer 117484210
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|35|224|225|Spitzner, Franz Ernst Heinrich|Richard Hoche|ADB:Spitzner, Franz Ernst Heinrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117484210}}    

Spitzner: Franz Ernst Heinrich S., namhafter Philologe und Schulmann des 19. Jahrhunderts. Er wurde am 31. October 1787 in dem Dorfe Trebitz bei Wittenberg als der Sohn des dortigen Predigers Joh. Ernst S. geboren und erhielt in der Heimath durch den Vater und einen älteren, dem Vater im Amte adjungirten Bruder, Ernst Traugott S., den ersten wissenschaftlichen Unterricht. Im J. 1800 wurde er nach Pforta geschickt und blieb hier, da der Tod des Vaters (1805) seinen Uebergang zur Universität verzögerte, bis 1807; von seinen dortigen Lehrern gewannen der Professor Ad. Gottl. Lange und der Collaborator – später Weimarsche Generalsuperintendent – Röhr besonderen Einfluß auf ihn; dem letzteren verdankte er u. a. die Einführung in das Englische. Im Mai 1807 bezog er die Universität zu Wittenberg und begann hier das Studium der Theologie, hat auch öfters sich im Predigen, namentlich in seinem Heimathdorfe, versucht. Seine wirkliche Neigung ging jedoch auf das philologische Gebiet hin, und die anregende Einwirkung Christian Aug. Lobeck’s, der sich mit besonderer Liebe seiner annahm, bestimmte ihn, der Theologie schließlich zu entsagen und sich dem Schulfache zu widmen. So wurde er, nachdem er sich 1810 durch seine Erstlingsschrift „Observationes criticae in Apollonii Rhodii Argonautica et Nonni Dionysiaca“ vortheilhaft eingeführt hatte, 1811 zum Conrector am Wittenberger Lyceum berufen und bereits 1813 in das Rectorat dieser Anstalt [225] befördert. Die Schwierigkeit dieses Amtes, namentlich in den Kriegsjahren, bot ihm sehr reiche Gelegenheit, sein Geschick als Leiter einer höheren Schule zu erweisen, drängte aber seine wissenschaftliche Thätigkeit zunächst zurück; der im J. 1812 erschienenen bedeutenden Abhandlung „De productione brevium syllabarum caesurae vi effecta in versu Graeco heroico“ folgte erst 1815 die umfassendere Arbeit „De versu Graecorum heroico, maxime Homerico“, durch die er sich bereits als gründlicher Kenner Homer’s erwies; die „Geschichte des Wittenberger Lyceums“ ließ S. 1818 erscheinen. – Im J. 1820 folgte er dem Rufe, als Professor in die zweite Oberlehrerstelle an dem damals erweiterten Gymnasium in Erfurt einzutreten; bereits 1824 aber kehrte er unter wesentlich besseren äußeren Bedingungen, als die früheren gewesen waren, in das Rectorat des Wittenberger Lyceums zurück. Dieser Anstalt, die während seiner Leitung zu einem „Gymnasium“ erweitert wurde und u. a. ein neues Schulhaus erhielt, hat er bis an seinen Tod vorgestanden, als Lehrer und Director in gleichem Maße hochangesehen. – Die früheren Studien wieder aufzunehmen, gewährte ihm nach den ersten Jahren das Amt Muße genug; außer der 1830 erschienenen „Geschichte des Gymnasiums und der Schulanstalten zu Wittenberg“ beschäftigten ihn zunächst wieder seine homerischen Studien: 1831 erschien die „Dissertatio de vi et usu praepositionum ἀνὰ et ϰατὰ apud Homerum“ und in den Jahren 1832 bis 1836 in der Gothaischen Sammlung das wissenschaftliche Hauptwerk seines Lebens, die vierbändige Ilias-Ausgabe mit kritischem Commentare und einer Anzahl von Excursen, welche sorgfältige Beobachtungen über den Sprachgebrauch, die Prosodie und Metrik der homerischen Gedichte enthalten. In den letzten Jahren seines Lebens wandte er sich den Posthomerica des Quintus Smyrnaeus zu: 1837 und 1839 veröffentlichte er „0bservationes criticae et grammaticae in Qu. Smyrnaei posthomerica“, welche zahlreiche treffende Emendationen und eindringende Beobachtungen über den Sprachgebrauch dieses Dichters bieten. Die beabsichtigte Ausgabe derselben kam jedoch nicht mehr zu Stande, da Spitzner’s Gesundheit und zuletzt sein Tod den Abschluß verhinderte; der von ihm angefertigte Index ist von H. Koechly in seiner Ausgabe von 1853 abgedruckt worden. S. starb in Wittenberg am 2. Juli 1841.

Wittenberger Gymnasialprogramm von 1842, S. 16 f. – Deinhardt, Gedächtnißrede, ebenda 1843, S. 217. – N. Nekrolog d. Deutschen f. 1841, S. 627–630. – Bursian, Gesch. d. Philologie, S. 713 f. – Schriftenverzeichniß bei Pökel, S. 262.