ADB:Widmer, Josef

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Artikel „Widmer, Joseph“ von Friedrich Lauchert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 361–362, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Widmer,_Josef&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 02:55 Uhr UTC)
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Widmer: Joseph W., katholischer Theologe, geboren am 15. August 1779 auf dem zur Pfarrei Hochdorf, Kanton Luzern, gehörigen Hofgut Waldisbühl, † am 10. December 1844. Seine Gymnasialbildung erhielt er in Luzern und studirte sodann an dem dortigen Lyceum Philosophie. Von Herbst 1802 bis 1804 studirte er gleichzeitig mit seinem Schulfreunde Gügler Theologie an der Universität Landshut, wo die Professoren Sailer und Zimmer einen bedeutenden und nachhaltigen Einfluß auf ihn übten, besonders der erstere, der ihn in seine eigene Wohnung aufnahm und im persönlichen täglichen Verkehr auf seine Entwicklung einwirkte. Durch Sailer wurde er auch dem Einfluß der Kantischen Philosophie entzogen und in einer positiven theologischen Richtung befestigt. Unter Wittmann’s Leitung vorbereitet, empfing er in Regensburg die Weihen bis zum Diakonat, in Konstanz die Priesterweihe. Nach ganz kurzer Thätigkeit in der Seelsorge wurde er noch im Herbst 1804 als Professor der Philosophie an das Lyceum in Luzern berufen. In diesem Amte wirkte er, zusammen mit Gügler, dem gleichzeitig die Professur der Exegese übertragen wurde, an der Luzerner Lehranstalt im Geiste Sailer’s. Mit der Zeit kamen die beiden Freunde in einen Gegensatz gegen die Anhänger der Wessenbergianischen Richtung, deren geistiges Haupt in Luzern damals der Stadtpfarrer Thaddäus Müller war. Streitigkeiten zwischen Gügler und Müller gaben 1810 Veranlassung zu der Absetzung Gügler’s durch die Luzernische Regierung, worauf W. freiwillig sein Amt niederlegte. Als aber bald darauf die Maßregel gegen Gügler wieder zurückgenommen wurde, nahm auch W. seine Demission zurück. 1816 wurde er zugleich mit Gügler zum Chorherrn am Stifte St. Leodegar in Luzern ernannt. 1819 wurde ihm der Lehrstuhl der Moral und Pastoraltheologie übertragen. 1833 wurde er jedoch von der Regierung abgesetzt und ihm dafür ein Kanonikat in Beromünster übertragen, wo er bald auch zum Propst gewählt wurde. Von einem Schlaganfall, von dem er im September 1843 getroffen wurde, erholte er sich nicht wieder, bis ein zweiter Anfall am 10. December 1844 seinen Tod herbeiführte.

W. blieb mit seinem verehrten Lehrer Sailer, so lange dieser lebte, in der innigsten Freundschaft verbunden. Sailer betrachtete ihn wie einen geistigen Sohn. „Er war ihm auch geistesverwandt und wurde in der Wissenschaft wie sein zweites Ich“ (Reinkens). Unter seinen zahlreichen Schriften, die sich vorwiegend auf dem Gebiete der praktischen Theologie bewegen, sind die folgenden als die bemerkenswerthesten zu nennen: „Der katholische Seelsorger in gegenwärtiger Zeit; Vorträge, herausgegeben von Sailer“, 2 Theile (München 1819 bis 1823); „Das Göttliche in irdischer Entwicklung und Verherrlichung, nachgewiesen [362] im Leben des sel. Nicolaus v. d. Flüe“ (Luzern 1819); „P. B. Zimmer’s Wissenschaft, ausführlich dargestellt“; in Sailer’s Biographie Zimmer’s (1822) und in Sailer’s Werken XXXVIII, 460–516; „Nachtrag zu Zimmer’s Biographie“ (Fluelen 1823); „Systematische Uebersicht der in Sailer’s Handbuch der christlichen Moral ausführlich entwickelten und dargestellten Grundsätze“ (Sarmenstorf 1839); „Vorträge über Pastoraltheologie“ (Sarmenstorf 1840). Dazu kommen neben kleineren Schriften und Abhandlungen in Zeitschriften Uebersetzungen mehrerer Schriften des hl. Augustinus (Luzern 1824 f.) und von Bonaventura’s Breviloquium. Ein dauernderes Andenken, als durch seine eigenen Schriften, ist ihm jedoch gesichert durch das Denkmal, das er Sailer errichtet hat, durch die noch unter Sailer’s Anleitung begonnene Herausgabe von dessen sämmtlichen Werken in 40 Bänden (Sulzbach 1830 ff.). Auch die Werke seiner Freunde und Collegen Gügler (7 Bände, Luzern und Sarmenstorf 1828–40) und Franz Geiger (8 Bände, Fluelen 1823–39) gab W. heraus.

Waitzenegger, Gelehrten- u. Schriftsteller-Lexikon der deutschen kath. Geistlichkeit, Bd. III (1822), S. 426 f. – Neuer Nekrolog der Deutschen, 22. Jahrg. 1844, S. 815–822 (Weimar 1846). – [Göldlin,] Erinnerungen an J. W., Baden im Aargau 1849. – Wetzer u. Welte’s Kirchen-Lexikon XII, 1255–1257. – K. Werner, Geschichte der kath. Theologie (1866), S. 361 f. – Hurter, Nomenclator T. III (2. A. 1895), p. 1161 s. – Aichinger, Georg Michael Sailer (1865), S. 373–375, 444. – Reinkens, Melchior v. Diepenbrock (1881), S. 111 f. – (Vgl. auch die Artikel Gügler und Sailer.)