ADB:Wild, Sebastian

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Artikel „Wild, Sebastian“ von Hugo Holstein in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 490–491, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wild,_Sebastian&oldid=2986421 (Version vom 22. September 2017, 13:42 Uhr UTC)
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Wild: Sebastian W., Meistersänger und Dramatiker des 16. Jahrhunderts. Er stammte aus Augsburg und gehörte der dortigen Meistersängerschule an. Er wird im Cod. Augustan. 1280 zum Jahr 1547 und 1550 genannt. Er erfand zwei Meistertöne: „Die kurze Nachtweis“ und „die Jungfrauweis“ in 13 reimigen Gesetzen. Seine Lieder stehen in dem dritten der Kolmarer Liederhandschrift (herausgegeben von K. Bartsch 1862, Bibliothek des litterar. Vereins in Stuttgart, Nr. 68) beigegebenen Manuscripte (Münchener Cod. germ. 4999). Als Dramatiker erscheint er mit einer 1566 in Augsburg von Mattheus Francke gedruckten Sammlung von 12 Dramen: „Schöner Komedien und Tragedien zwölff.“ In der vom 1. Januar 1566 datirten Widmung an den edlen und ehrenvesten Herrn Melchior Lincken, Bürger zu Augsburg, unterzeichnet er sich als „Mitbürger daselbst“. Er trieb erst das Schneiderhandwerk, dann wurde er Schulmeister. Er wollte, daß die Jugend sich in der Aufführung seiner Spiele übe, denn aus solcher Uebung folge die Stärkung des Gedächtnisses. Er habe sich zwar, sagt er, guter deutscher verständiger Worte und Meinung befleißigt, aber es sei doch unmöglich, in einem solchen Werk es einem Jeden recht zu machen, da er nur ein „schlechter Leye“ sei. Von seinen Dramen behandeln 7 biblische Stoffe, die theils dem Alten, theils dem Neuen Testament entnommen sind. Das erste handelt von der Geburt Christi; es ist ein Weihnachtsspiel, das die Geschichte Jesu von der Verkündigung Mariä an bis zum Auftreten des zwölfjährigen Jesus im Tempel darstellt; das zweite behandelt die „Versteinigung Stephani“ (aus der Apostelgeschichte Cap. 6–8). Dann folgt „Der Passion und die Aufferstehung Christi“. Dies Spiel soll 1569 in Berlin aufgeführt worden sein. Wiedergedruckt ist es in Aug. Hartmann, Das Oberammergauer Passionsspiel in seiner ältesten Gestalt, Leipzig 1880, S. 101–198. Hartmann, der den ältesten Text des Oberammergauer Spieles nach der im Besitze der Familie Lang befindlichen Handschrift eines Spielbuches von 1662 herausgegeben hat, führt den Nachweis, daß das Oberammergauer Spiel aus Wild’s Spiele und dem dem 15. Jahrhundert angehörenden Spiele von St. Ulrich und Afra zusammengefügt worden ist. Das vierte Drama: „Der Belial führt ein recht mit [491] Christo“ ist eine dramatische Parabel, in der der Kampf der Hölle mit Christus, dem Zerstörer des höllischen Reiches, als ein Rechtsstreit dargestellt ist. Das fünfte: „Der Junger Gefengknus“ (aus Apostelgeschichte Cap. 5) behandelt die Gefangennahme des Petrus und Johannes und ihre Befreiung aus dem Gefängniß. Das Spiel wurde 1613 zu Augsburg durch Valentin Schönigk wieder gedruckt. Aus dem Alten Testament ist entlehnt „Der Nabott im 3. Buch Regum am 21.“ und „Das Gesetz Mose und vom guldin Kalb nach Exodus c. 20–33“. In keinem dieser Spiele ist dramatisches Geschick zu spüren. Dasselbe ist von den weltlichen Spielen zu sagen, denen ältere novellistische Stoffe zu Grunde liegen. Es sind folgende fünf: 1. „Vom krancken Keyser Thito“, 2. „Vom Keyser Octauiano“, 3. „Die schön Magelona vnnd Ritter Peter“, 4. „Die siben weysen Maister (von des Keysers Pencyanus son)“, 5. „Der Doctor mit dem Esel vnnd Spiegel der Welt“. Dieses auf orientalischen Ursprung zurückzuführende Spiel wurde in Augsburg durch Valentin Schönigk wieder gedruckt und ist von Tittmann, Schauspiele aus dem sechzehnten Jahrhundert, I, 201–245 neu herausgegeben worden. Schon Joachim Greff (s. A. D. B. IX, 624) hatte 1537 die Geschichte von dem Bauer, seinem Sohn mit dem Esel, die es Niemand recht machen können, in dem Drama Mundus behandelt.

Wagenseil, Bericht von der Meister-Singer-Kunst, 1697 S. 534 und 535. – Lier i. d. Allg. Zeitung 1884, 241–245. – Goedeke, Grundriß II, 250, 252, 383. – Holstein, Zeitschr. f. deutsche Philologie XVIII, 207 ff. – Bolte, Märkische Forschungen 18, 213.