ADB:Wildenhahn, Karl August

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Artikel „Wildenhahn, Karl August“ von Ludwig Julius Fränkel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 500–503, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wildenhahn,_Karl_August&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 18:59 Uhr UTC)
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Wildenhahn: Karl August W.[1], Erbauungsschriftsteller und christlicher Erzähler, wurde am 14. Februar 1805 zu Zwickau in Sachsen geboren, an welche seine Vaterstadt später seine Muse gelegentlich anknüpfte, z. B. in „Hans Sachs“. Er besuchte daselbst das Gymnasium und studirte von 1824 ab auf der Leipziger Universität lutherische Theologie. Darauf nach abgelegter Staatsprüfung leitete er fünf Jahre lang die Schola collecta zu Lichtenstein im Schönburg’schen und wandte sich dann plötzlich nach Dresden, um im unmittelbaren Anschlusse an den daselbst lebenden Ludwig Tieck zur schriftstellerischen Wirksamkeit umzusatteln. Aus mehrfachen Ursachen kam er davon wieder ab und kehrte zur regelmäßigen theologischen Laufbahn zurück. Er wurde 1837 zum Pastor in Schönefeld vor den Thoren Leipzigs berufen, 1840 aber an die Petrikirche in – „Budissin“ schreibt er 1846 noch auf dem Buchtitel – Bautzen, wo er nun, Dr. theol. geworden und seit 1855 als Kirchen- und Schulrath bei der k. Kreisdirection, bis an den am 14. Mai 1868 erfolgten Tod, eifrig im Amte und litterarisch ununterbrochen thätig, gelebt hat.

Auf dem Felde wissenschaftlicher Bearbeitung seiner Berufsdisciplin hat sich W. zwar versucht, aber ohne sonderlichen oder nachhaltigen Erfolg. Als er mit dem Bautzener Amte Seßhaftigkeit und äußere Ruhe erlangt hatte, machte er sich zwar, die Feder wiederum in Bewegung setzend, auch an Charakterbilder aus der Kirchengeschichte; woraufhin aber Frz. Brümmer (Lexikon d. dtsch. Dicht. u. Prosaisten d. 19. Jahrh.3 II, 487a) behaupten darf, „die theologische Facultät zu Leipzig verlieh ihm dafür 1846 die theologische Doctorwürde“, weiß ich angesichts des deutlichen Titels des Brümmer ersichtlich unbekannt gebliebenen Heftes „De operariis in vineam conductis. Dissertatio exegetica de loco apud Matth. XX, V. 1–16 quam Ordini Theologorum summe venerando in Universitate Lipsiensi ad summos in Theologia honores capessendos obtulit Carolus Augustus Wildenhahn, Budissae ad aedem S. Petri pastor Secund. Budissae 1846“ nicht zu erklären. Dieses Schriftchen nutzt ohne einschneidende eigene Forschung Krehl’s und Fritzsche’s bezügliche Arbeiten aus. Fürder scheint W. dies ihm nicht eben angemessene Gebiet gemieden zu haben.

Von einer einzigen, halb autobiographischen Veröffentlichung abgesehen, zerfallen die Erzeugnisse von Wildenhahn’s Muße in Erbauungsschriften und in mehr oder weniger religiös gefärbte Erzählungen. Diese alleinige Ausnahme sind die „Reisebriefe. Geschrieben [an seine daheim weilende Gattin] von Dr. August Wildenhahn“ (1865), deshalb bemerklich, weil sie den sonst unbedingt positiv kirchlichen Mann in Schul- und ähnlichen Fragen ziemlich liberal zeigen, dabei im ganzen vorurtheilslos, doch Neuerungen wenig geneigt und nicht ohne bureaukratische Anwandlungen. Sie verrathen eine umfängliche Bildung, sind lebendig geschrieben und gehen öfters über das Alltägliche hinaus; ihre erste Hälfte behandeln „vier Wochen auf Norderney“ (1853), die zweite einen 1862 unternommenen „Spaziergang auf’s Glatzer und Riesengebirge“. Streng dogmentreu, dabei ein wenig pietistisch angehaucht, steht W. in den populär-religiösen Büchern da, aus denen wir drei als charakteristisch herausheben. „Der christliche Glaube. Aus den Bekenntnißschriften der evangelisch-lutherischen Kirche für das allgemeine Verständniß dargestellt“ (1846) scheint geringe Aufmerksamkeit gefunden zu haben; wenigstens war das Bibliotheksexemplar der sächsischen Landesuniversität noch 1895 unaufgeschnitten! Nach dem bezeichnenden knappen und prägnanten „Vorwort“ will W. nicht versöhnend, sondern apologetisch wirken, den Vorwurf der Geistesbeschränktheit und Heuchelei von den starr am Buchstaben (den zu erfassen „unter gewissen Bedingungen mehr Geist“ dazugehöre als den Geist) „vesthaltenden“ abwehren und somit aus moralischen Motiven auch eine „Selbstvertheidigung“ und „Protestation“ liefern; diese 121 Seiten [501] streben nicht nach Vollständigkeit, sondern ziehen nur die gerade meist angegriffenen Punkte heran. Sodann „Der Hausprediger. Kurze und erbauliche Erklärung der sonn- und festtäglichen Predigttexte nach dem sächsischen Pericopenbuche“; beispielsweise im II. Jahrgange, 1861, finden wir eine gedrängte, rein dogmatische Auslegung ohne Beziehung auf moderne Zustände, so daß die Schlußäußerung ganz vereinzelt dasteht: „Es geht ein bekanntes Wort durch die civilisirte Welt: Das Kaiserthum ist der Friede [W. meint natürlich Napoleon’s III. „L’empire c’est la paix“ von 1851]. Besser lautet das Wort: das Königthum ist der Friede; nämlich das Königthum des Herrn Jesu Christi. Nur wo Er ist, ist wahrer und dauernder Friede.“ Schließlich „Der Himmelsweg. Mitgabe an christliche Jünglinge und Jungfrauen bei ihrer Confirmation“ (2., umgearbeitete Auflage 1864), in sieben Capiteln: der Confirmandenunterricht, der Abschied aus der Schule, die Confirmation, die erste Beichte, das heilige Abendmahl, das häusliche Leben der Jungfrau, die Wanderpostille des Jünglings. Diese Hodegetik ruht durchaus auf biblischem Grunde, und zwar ohne jeden rationalistischen Ansatz, wie S. 5 „Willst du wissen, wer du bist und was du auf Erden sollst, lies nur in deiner Bibel“, und S. 22 „Daß der Mensch glauben kann, ist ein Vorzug, den Gott uns vor allen andern Geschöpfen gegeben hat, und der Glaube ist zugleich die einzige Leiter, die zu Gott führt“, scharf belegen, äußert sich dabei aber überall, wo es sich um Lebenspraxis handelt, einfach, nüchtern, verständig, klug, wenn auch die äußere Bethätigung der Religion überall die Hauptrolle spielt.

Während Wildenhahn’s „Evangelisches Laienbrevier“ (1855) ebenfalls diese Bahn einhält, nehmen zwei ältere Veröffentlichungen eine Sonderstellung ein: „Vollbrecht’s Wallfahrt oder die Auferweckung des todten Christus“ und „Leben und Sterben. Mittheilungen aus dem Tagebuche eines Geistlichen“, beide schon 1840 erschienen, also aus der ersten Zeit seiner erneuten entschiedenen Hingabe an den Seelsorgerberuf. Die erste hat den Untertitel „Eine Geschichte für unsere Tage“ und war nach des Verfassers Geständniß sein „erster Versuch, für Erweckung und Erhaltung des christlichen Sinnes und Wandels in etwas weiterem Maße, als es durch Predigten geschehen kann, thätig zu sein“, für den er das Prädicat „mißlungen nach Gehalt oder Form“ fürchtete. Dem völlig ungläubigen Zeitgeiste, der in der damaligen Unterhaltungslitteratur allmächtig herrschte, tritt W. kühn und bewußt gegenüber. Der Recensent der „Blätter für Litteratur und Kunst“ 1840 Nr. 68 resumirt den Inhalt gut wie folgt: „Der Held der Geschichte, ein wissenschaftlicher Helldenker, soll von Ueberschätzung der Geistesfreiheit, von Kaltsinn gegen Christus, von Verachtung der Heilsanstalten und Gnadenmittel geheilt werden. Dazu nimmt das Schicksal ihn in die Schule, um ihm die Unzulänglichkeit der Vernunftbildung, sowie der Pflichterfüllung fühlbar, zugleich auch die Gefahren der Glaubenslosigkeit und Unkirchlichkeit recht anschaulich zu machen. Ein schweizerischer Landpfarrer wird sein Wegweiser durch das Labyrinth der Zweifel, sein geistlicher Vater, dem man über die eigenthümlichen Lehren des Evangelii gern noch länger zuhören möchte. Edle Beispiele von echtem Frommsinn tragen das Ihrige bei, das gewünschte Ergebniß nach mancherlei wechselnden Auftritten und Gemüthslagen herbeizuführen,“ und dann fügt er ganz gepackt hinzu: „Nicht mindere Sorgfalt als auf Verarbeitung des ernstwichtigen Stoffes hat der Sachwalter der Religiosität auch auf die Einkleidung und Ausschmückung verwendet.“ Das zweitgenannte zweibändige Ergebniß seines pfarramtlichen Strebens ist als Tagebuchauszug eines Landgeistlichen eingekleidet, der 21 warnende, mahnende, tröstende, ermuthigende Erzählungen für schwere Situationen bringt und am Stabe glaubensfreudigen Versenkens aufrichten hilft, wobei neutestamentliche Gleichnißrede und poetisch [502] verklärte Traumdeutung mit herangezogen werden. Einer der vielen wohlwollenden Kritiker, derjenige in den „Blättern für litterarische Unterhaltung“ 1840 Nr. 115, fühlt sich an die damals, auch beim deutschen Lesepublicum günstig aufgenommenen Tagebuchblätter des englischen Arztes Harrison erinnert, die freilich ein weit bunteres Weltbild vorführten als der W. vorschwebende Kreis einer Dorf- oder höchstens Kleinstadtgemeinde, obzwar für die dort vorhandene Ungewöhnlichkeit menschlicher Lebenslagen und drastische Reproduction von starkem Glück und starkem Elend hier „in des Geistlichen warmer Sorge für das Wohl seiner Gemeindemitglieder, in seinem theilnehmenden Herzen für den Kummer der Armen und Gedrückten, in der Glaubensfreudigkeit, die ihn innige, ermahnende und erweckliche Worte in den Hütten der Sterbenden und Leidenden spenden läßt,“ ein keineswegs schwächlicher Ersatz geboten wird. Welchen Ton W. darin anschlägt, veranschaulichen seine Ueberschriften: Freudigkeit im Tode, Das gebrochene Herz, Was muß ein Mutterherz tragen! Die zu späte Hülfe, Das Geständniß, Das Geisterschiff, Die Mahnung zur Rückkehr, Die sechszehnjährige Mutter, Die köstliche Perle, Der Traum, Die Rache, Liebe im Tode, Die Werke des wahren Glaubens, Die Hochzeit des Armen, Die Glieder der Aergerniß, Die Weihe zum Tode, Die Engelwache, Die Angst um’s Brot, Die doppelte Hülfe, Die Weihe zum Prediger, Aehrenlese aus des Herrn Wort.

„Der Friedensbote. Zeitschrift für Belehrung und Förderung des christlichen Lebens“, in drei Jahrgängen zu je zwei Bänden 1843–45 herausgekommen, war als Erbauungs- und Familienjournal gedacht, das sich in jenem selben Fahrwasser bewegte und Wildenhahn’s obige Absichten den Leuten periodisch zugänglich machen wollte. Dichterisch behandelte Episoden aus dem Leben und Wirken ausgezeichneter, für die Förderung des Christenthums besonders thätig gewesener Männer und Frauen, ausführliche Mittheilungen aus der speciellen Seelensorge, geistliche Reden, die auf besondere und bemerkenswerthe Veranlassungen gehalten worden sind, praktische Erklärungen biblischer Stellen nach einem inneren und äußeren Zusammenhange, Reiseskizzen aus der Betrachtungs- und Auffassungsweise eines religiösen Gemüthes, geistliche Lieder, die sich zur Aufnahme in die kirchlichen Gesangbücher eignen, Hindeutungen auf neu erschienene Bücher, die mit der Tendenz des „Friedensboten“ übereinkamen, das waren die Rubriken dieses eigenartigen Unternehmens, das, wol großentheils aus Wildenhahn’s Kopf entstehend, dann als ein Seitenstück zu den belletristischen Taschenbüchern sich in „Der Friedensbote. Eine Neujahrsgabe für christliche Freunde auf das Jahr 1846“ mit dem üblichen verschiedenfachen Inhalt, worunter „Der Märtyrertod des Hieronymus von Prag“ und „Reise nach Helgoland. In acht Briefen“, verwandelte, aber damit entschlummert zu sein scheint. Kögel’s, Frommel’s u. s. w. „Christoterpe“ hat den Gedanken mit reicheren Kräften später wieder aufgenommen.

Als Erzähler von Stoffen mit kirchenhistorischem Hintergrunde oder wenigstens glaubensgeschichtlich-religiöser Stimmung ist W. fruchtbar gewesen. Er begann hier mit „Philipp Jacob Spener. Eine Geschichte vergangener Zeit für die unsere“ (2 Bände, 1842), woselbst einige Hauptmomente aus dem Leben und Wirken dieses merkwürdigen Mannes geschickt zu einem fesselnden Gesammtbilde populären Anstrichs vereinigt wurden, ein Werk, „durch welches der Verfasser zuerst in weiteren Kreisen ehrenvoll bekannt wurde“; so rühmt eine Empfehlung des Verlegers bei einer späteren Novität. Die Anlage dieser, objectiv beurtheilt tüchtigen Arbeit rechtfertigt keinesfalls die schiefe Ansicht R. v. Gottschall’s (Die dtsch. Nationallit. d. 19. Jahrh. 6 IV, 560); nach ihm wurde in der „hin- und hergehenden Romanpolemik“ auf religiösem Gebiete im [503] Zeitromane nach 1840 der Pietismus u. a. „vertheidigt durch den heraufbeschworenen Schatten Spener’s“ in Wildenhahn’s Werk. Verwandten Schlags waren: „Paul Gerhardt. Kirchengeschichtliches Lebensbild aus der Zeit des Großen Kurfürsten“ (2 Bände, 1845); „Johannes Arnd. Ein Zeitbild aus Braunschweigs Kirchen- und Stadtgeschichte in den ersten Jahren des 17. Jahrhunderts“ (2 Bände, 1847); „Martin Luther. Kirchengeschichtliches Lebensbild aus der Zeit der Reformation“ (5 Bände, 1851–53), sämmtlich wiederholt aufgelegt, endlich „Hans Egede und sein Weib. Ein Lebensbild aus der Missionsgeschichte, und Georg Neumark. Ein Lebensbild aus dem evangelischen Liederschatze (Wer nur den lieben Gott läßt walten)“, abgedruckt aus dem „Jahrbuch für häusliche Erbauung“ 1860, S. 1–42 bezw. S. 213–242 und mit zwei Bildern nach Zeichnungen von Meister Ludwig Richter geziert. Dazu kam als Wildenhahn’s Schwanengesang das hübsche Büchlein „Hans Sachs. Einer Familiensage nacherzählt“ (1865), das sich an die in Wildenhahn’s Händen befindliche Niederschrift des Zwickauer Schuhmachermeisters Johannes Roth über seine Gesellenerlebnisse in der Werkstatt des berühmten Nürnberger Schusterpoeten anlehnt und letzterem ein liebenswürdig schlichtes Denkmal aufrichtiger Schätzung baut. Zu seinen „Erzgebirgischen Dorfgeschichten“ (2 Bände 1848; 2. Aufl. 1853) ist W. durch Berthold Auerbach’s Begründung dieser Gattung, in deren Uebersicht W. auch oft als provinzieller Vertreter genannt wird (vgl. z. B. K. J. Schröer, Die dtsch. Dichtung des 19. Jahrh., S. 336; Gottschall a. a. IV, 728), angeregt; irgend Hervorragendes hat er darin nicht geleistet. Seine „gesammelten Erzählungen“ wurden 1853–55 in acht, seine „gesammelten Schriften“ 1858–63 (also ohne „Hans Sachs“) in vierzehn Bänden vereinigt. Im Stil sind Wildenhahn’s Werke recht löblich, doch außer dem Debüt „Vollbrecht’s Wallfahrt“ weder hinsichtlich der Erfindung originell, noch von tieferen Ideen durchzogen oder von einer besonderen Kraft der Widerspiegelung von Verhältnissen verflossener Epochen getragen, so daß der Ausdruck „kulturgeschichtliche Werke“, unter den K. Schütze (Deutschlands Dichter u. s. w., 1860, S. 492) die biographischen Zeitbilder subsumirt, sie zu hoch bewerthet. Wildenhahn’s ungeleugnete Tendenz muthet uns kaum je aufdringlich an, sie ist stets orthodox ohne den üblen Beigeschmack, den die Verfechter der Negation diesem Begriffe einzumischen lieben.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 500–503. Wildenhahn, K. A.: Hrn. Prof. Dr. Jul. Wildenhahn in Annaberg, dem Sohne des Behandelten, verdanke ich eine Anzahl werthvoller Berichtigungen und Ergänzungen, deren wichtigste hier gedrängt folgen: Geburtstag 16. Febr. (nicht 14.), Todestag 12. Mai (nicht 14.). Die theologische Doctorwürde bekam W. für seine kirchengeschichtlichen Charakterbilder wie üblich honoris causa, mit etlichen andern Theologen 1846 zu Luther’s 300. Todestage, als ‚eloquentiae sacrae laude ac plurimis libris docte, ingeniose et ad pietatem alendam accommodate scriptis clarissimus‘. – „Vollbrecht’s Wallfahrt“ oder „Die Auferweckung des todten Christus“ beruht wesentlich mit auf Wildenhahn’s Beeinflussung durch den reformirten Pfarrer Bridel in Montreux, wo dieser W. mit dessen erster, reformirter Gattin aus Vevey traute. „Ph. J. Spener“ (ins Holländ. übers.) und „Paul Gerhardt“ (4. Aufl. 1877) sind noch jetzt im lutherischen Norddeutschland viel gelesen. Wildenhahn’s meiste Erzählungen wurden zwei oder drei Mal aufgelegt. Auch die „Erzgebirgischen Dorfgeschichten“, leider ohne die W. geläufige Mundart, sind noch beliebt und in Volksbibliotheken gesucht. – Als Hauslehrer bei General v. Cerrini in Dresden kam W. mit Ludw. Tieck in Beziehung und zu dessen litterarischen Abenden; ein Hohenstaufen-Drama begutachtete Tieck nicht ermuthigend. – Erst nach dem ungesuchten Eintritte ins Pfarramt vertauschte W. allmählich seine vom Studium her mehr rationalistische Anschauung mit streng kirchlicher, ward aber nie Zelot, sondern unterhielt mit reformirten Theologen regen Briefwechsel, mit dem katholischen Domcapitel zu Bautzen wissenschaftlichen Verkehr, zu den Herrnhutern der Lausitz innige Beziehungen. – Musik und musikgeschichtliche Studien nahmen in seinem Leben und Interesse einen breiten Raum ein: für erstere ward er früh durch seinen engsten Landsmann und Jugendfreund Robert Schumann gewonnen und in mehreren Instrumenten ausgebildet, den er in Schönefeld traute und nebst Mendelssohn u. a. Leipziger Musikern oft bei sich sah (besonders 1837–40). In Bautzen übte er in dieser Hinsicht anregenden Einfluß, bethätigte sich als Botaniker (in der naturwissenschaftl. Gesellschaft „Isis“), eifrigst in der „innern Mission“, namentlich durch Errichtung von Rettungshäusern für verwahrloste Kinder. Der Politik blieb er zeitlebens durchaus ferne, was seiner amtlichen Thätigkeit in der Oberlausitz mit ihren zwei Confessionen, zwei Volksstämmen (W. lernte um seiner wendischen Pflegebefohlenen willen noch mit 50 Jahren deren Idiom) und andern provinziellen Gegensätzen zu gute kam. Vgl. auch das sympathisirende Urtheil bei Barthel(-Röpe), Vorlesungen üb. d. dtsch. Nationallit. d. Neuzeit9, S. 473. [Bd. 44, S. 575 f.]