ADB:Wilhelm von Herle

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Artikel „Wilhelm von Herle“ von Jakob Schnorrenberg in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 43 (1898), S. 224–226, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wilhelm_von_Herle&oldid=- (Version vom 20. Juli 2019, 10:10 Uhr UTC)
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Band 43 (1898), S. 224–226 (Quelle).
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Wilhelm von Herle, Kölner Maler des 14. Jahrhunderts, stammte wahrscheinlich aus dem großen Kirchdorfe und Flecken Herle, drei Stunden von Aachen, jetzt in der niederländischen Provinz Limburg. Er kaufte sich im Jahre 1358 in der Stadtgegend der heutigen Schildergasse in Köln, dem Malerviertel, mit seiner Gattin Jutta an; 1368 wurde er in die Weinbruderschaft aufgenommen. Im J. 1370 begegnet sein Name im Ausgabebuch der Mittwochsrentkammer, wo ihm 9 Mark für seine Malereien im neuen Eidbuche ausgezahlt wurden. Noch in demselben und in den folgenden Jahren erwirbt er für sich und seine Gattin zahlreiche Erb- und Leibrenten, die letzte am 8. Juni 1372, was von seinem steigenden Wohlstande beredtes Zeugniß ablegt. Das Todesjahr des Meisters ist bis heute urkundlich nicht erwiesen. Im J. 1378 war er bereits verstorben, da damals die Auseinandersetzung seiner Erben sowie ein Urtheil des Schöffengerichts erfolgte, wonach drei Wohnungen in der Kämmergasse wegen unterlassener Zinszahlung zu Gunsten der Erben Wilhelm’s für [225] verfallen erklärt wurden. Nach diesen urkundlichen Mittheilungen nun muß man sein Hauptwirken in die Jahre 1358 bis 1372 setzen.

Es gilt allgemein als ausgemacht, daß unser W. v. H. derselbe Wilhelm ist, den der Verfasser der Limburger Chronik in seinen Aufzeichnungen zum Jahre 1380 mit den Worten preist: „Jtem in diser Zit was ein meler zu Collen, der hiß Wilhelm. Der was der beste meler in (allen) Duschen landen, als he wart geachtet von den meistern, want he malte einen iglichen menschen von aller gestalt, als hette er gelebet“. Wenn nun auch bei dieser Stelle der Zusatz „von Herle“ dem Namen „Wilhelm“ fehlt und ferner erst das Jahr 1380 als dasjenige der Hauptthätigkeit des Malers angeführt ist, so darf man doch mit gutem Recht bei der Identificirung der beiden verharren, da einerseits um 1380 herum kein anderer Kölner Maler mit Namen Wilhelm urkundlich nachweisbar ist, andrerseits der Verfasser der Limburger Chronik, wie deren Herausgeber und eingehendster Interpret, Arthur Wyß (Mon. Germ., Script. vern. ling. IV, 1, 75), nachgewiesen hat, sich in vielen anderen Fällen erhebliche Verstöße gegen die Chronologie hat zu Schulden kommen lassen.

Seit dem Bekanntwerden der angeführten Notiz pflegte man, so oft von hervorragenden rheinischen Malereien des Mittelalters die Rede war, regelmäßig als den Verfertiger derselben den Meister W. zu nennen oder wenigstens dessen Namen damit in Beziehung zu bringen. So wurde er vor allem als der Maler des bedeutenden Wandbildes über dem Sarkophage des Erzbischofs Kuno von Falkenstein († 1388) in der St. Kastorkirche zu Koblenz gepriesen. Sodann galt er als der Urheber der vorzüglichsten Tafeln des Clarenaltars, der sich jetzt in der Domkirche zu Köln befindet, sowie der Madonna mit der Wicke im Wallraf-Richartz-Museum daselbst und einiger verwandter Gemälde. Urkundlich beglaubigt ist kein einziges Bild als das Werk Wilhelm’s von Herle; die Malerei im neuen liber juramentorum, deren vorher Erwähnung gethan wurde, ist leider dem Buche von diebischer Hand entrissen worden und bis jetzt noch nicht wieder zum Vorscheine gekommen. Was von noch erhaltenen Malereien aus jener Zeit mit dem höchsten Grade von Wahrscheinlichkeit dem Meister W. zugeschrieben werden darf, sind diejenigen Reste von Wandmalereien aus dem Kölner Rathhause, die sich jetzt im Wallraf-Richartz-Museum als Nr. 205 bis 209 befinden.

Die Ansichten der Kunstschriftsteller über die Bedeutung Wilhelm’s v. H. gehen ziemlich weit aus einander. Während die einen von ihm behaupten „er habe durch sein Beispiel den malerischen Stil in ganz Deutschland in neue Bahnen geleitet“, wollen die anderen in ihm nur „den Künstler suchen, der den älteren gothischen Stil zur höchsten Vollendung ausbildete“. Es würde den Rahmen dieser Arbeit überschreiten, wenn man der Reihe nach unter Berufung auf die in Betracht kommenden Malereien all’ diejenigen Gründe anführen wollte, welche für die Verfechter der einen Ansicht, wie für diejenigen der andern maßgebend gewesen sind. Wie es den Anschein hat, mehrt sich in neuester Zeit die Zahl derjenigen, welche als den Meister der vorzüglichsten Tafeln des Clarenaltars, der Gottesmutter mit der Wicke, der hl. Veronika mit dem Schweißtuche (Münchener Pinakothek Nr. 1) u. s. w. nicht, wie bislang geschah, W. v. H. betrachten, sondern einem andern hervorragenden Kölner Maler, Hermann Wynrich von Wesel, die Urheberschaft derselben zuweisen. Bemerkt sei hier nebenher, daß letzterer jedenfalls der Schüler und Gehülfe Wilhelm’s war, der gleich nach dem Ableben dieses als selbständiger Meister auftritt und bald nachher dessen Wittwe Jutta ehelicht. Unter allen mit den Schöpfungen der alten Kölner Malerschule sich beschäftigenden Arbeiten sei besonders diejenige [226] von Ed. Firmenich-Richartz erwähnt: Wilhelm von Herle und Hermann Wynrich von Wesel. Mit liebevollem Eingehen auf alles hier in Betracht Kommende und durchdringendster Beobachtungsgabe sucht der Verfasser nachzuweisen, daß eben Hermann Wynrich von Wesel und nicht W. v. H. begründetes Recht darauf besitzt, der bahnbrechende Neuerer rheinischer Kunst zu sein. Der entgegengesetzten Ansicht ist der zeitige Director des Wallraf-Richartz-Museums in Köln, C. Aldenhoven, welcher u. a. in einem auf dem Kunsthistorischen Congreß zu Köln 1894 gehaltenen Vortrage Meister W. als den Maler des Clarenaltars nennt und in dem z. Zt. noch im Erscheinen begriffenen Werke: Geschichte der Kölner Malerschule eben denselben als den Verfertiger der Gemälde anführt, die bezeichnet werden als Hl. Veronika mit Schweißtuch und Engeln (Münchener Pinakothek), Dornenkrönung Christi, Hl. Katharina, Maria mit dem Kinde, Hl. Barbara u. A. Ich muß bekennen, daß die in ganz leidenschaftsloser, objectiver Weise gemachten Ausführungen Firmenich-Richartz’ mir recht beweiskräftig erscheinen, wenn man sich auch ungern von den liebgewonnenen Traditionen über Meister Wilhelm trennt. Nach Firmenich-Richartz wußte er „unter Beibehaltung des überkommenen Typus in feingeschwungenen Linien die menschliche Gestalt wol correcter wie seine Vorgänger nachzubilden, ihre Haltung und Bewegungen freier und natürlicher wiederzugeben; auch mag er sich schon bemüht haben, durch eingehendere Modellirung die Formen zu runden, seine Figuren von der Bildfläche zu lösen. Doch der zarte coloristische Schmelz der Bilderserie des Clarenaltares mit Scenen der Jugendgeschichte Jesu, der weiche Liebreiz, das innige Gefühlsleben jener Schöpfungen, die man bisher mit dem Namen ‚Meister Wilhelm‘ bezeichnete, war seinen Gemälden fremd; denn diese neuen Kunstideale traten erst ins Dasein, als Wilhelm von Herle seit mehr als einem Jahrzehnt zu schaffen aufgehört hatte“.

Merlo, Nachrichten v. d. Leben u. d. Werken Kölnischer Künstler. Köln 1850, S. 509–514. – Dasselbe neu bearb. u. erweit. v. Firmenich-Richartz unter Mitwirk. v. Keußen. Düsseld. 1895, Sp. 948–964. – Merlo, Die Meister der altköln. Malerschule. Köln 1852, S. 31–39. – Thode, Die altköln. Malerschule in ihrer geschichtl. Entwicklung. In: Die Aula. Wochenblatt f. die akad. Welt. Heftausg. Jahrg. I, Heft 2 u. 3. – Firmenich-Richartz, Wilhelm von Herle und Hermann Wynrich von Wesel. Eine Studie z. Gesch. d. altköln. Malerschule. Sep.-Abdruck aus d. Zeitschr. f. christl. Kunst. Düsseld. 1896. (Mit ausführl. Bibliographie über W. v. H.)