ADB:Winter, Vitus Anton

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Artikel „Winter, Vitus Anton“ von Friedrich Lauchert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 43 (1898), S. 474–476, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Winter,_Vitus_Anton&oldid=- (Version vom 23. August 2019, 07:17 Uhr UTC)
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Winter: Vitus Anton W., katholischer Theologe, geboren in einem zu der Pfarrei Hohenegglkofen in der Nähe von Landshut gehörigen Hofe am 22. Mai 1754, † in Landshut am 27. Februar 1814. Von dem Cooperator in der seinem Geburtsort benachbarten Pfarrei Adelkofen vorbereitet, konnte W. im J. 1769 in das Gymnasium zu Landshut eintreten, das er mit Fleiß und Auszeichnung absolvirte. Durch die sodann erlangte unentgeltliche Aufnahme in das Bartholomäer-Seminar in Ingolstadt wurde ihm die Fortsetzung seiner Studien ermöglicht. An der dortigen Universität studirte er in den Jahren 1774–1778 neben der Theologie auch Philosophie, Physik und lebende Sprachen. Am 13. Juni 1778 empfing er die Priesterweihe. Nach kurzer Beschäftigung als Hofmeister in adeligen Häusern in München erhielt er dann die Stelle eines Katecheten am Collegium Germanicum in Rom, die er zwei Jahre lang versah. Von Rom nach Baiern zurückgekehrt, wurde er zunächst Präceptor der kurfürstlichen Pagen in München, bis 1788, dann Pfarrer, zuerst in Laichling bei Eggmühl, später in Kösching, in der Nähe von Ingolstadt. Als Erzieher eines jungen Grafen Lösch, den er an diesen Orten bei sich gehabt hatte, machte er zuletzt mit diesem eine große Reise durch ganz Deutschland und bis Ungarn. Hierauf wurde er Pfarrer in Ingolstadt an der oberen Stadtpfarrkirche ad aedem divae Virginis speciosae, zugleich Domherr in Eichstädt und Professor der Kirchengeschichte [475] an der Universität in Ingolstadt, in welcher Eigenschaft er am 22. Januar 1795 seine Antrittsvorlesung hielt. Zugleich erhielt er die theologische Doctorwürde. Im J. 1799 wurden ihm an Stelle der Kirchengeschichte die Fächer der Katechetik, Liturgik und angewandten Moral übertragen. Im J. 1800 siedelte er mit der Universität nach Landshut über, wo er 1801 auch Stadtpfarrer zu St. Jodok wurde; beide Aemter, die Professur und das Pfarramt, behielt er bis an seinen Tod. Er wurde auch königl. baierischer und erzbischöfl. Regensburgischer wirklicher geistlicher Rath; seit 1804 auch correspondirendes Mitglied der historischen Klasse der Akademie der Wissenschaften in München. Im Studienjahre 1811/12 war er Rector der Universität. Als Mensch zeichnete sich W. durch große Wohlthätigkeit aus; seine einfache Lebensweise ermöglichte es ihm, obwol er von Haus aus ohne alles Vermögen war, selbst bedeutende Stiftungen zu wohlthätigem Zwecke zu machen, wie zur Stiftung und Unterstützung von Schul- und Volksbibliotheken. Ein organisches Unterleibsleiden, das ihm erst in den letzten Lebensjahren empfindlicher wurde, führte seinen Tod herbei. – Unter den wissenschaftlichen Arbeiten Winter’s nehmen seine historischen Schriften die erste Stelle ein, die der älteren baierischen Geschichte und Kirchengeschichte gewidmet sind. Unter diesen sind zu nennen: „Vorarbeiten zur Beleuchtung der österreichischen und baierischen Kirchengeschichte überhaupt, und der Agilolfingischen Periode insbesondere“, 2 Bände (München 1805–1810); „Die drei großen Synoden der Agilolfingischen Periode zu Aschheim, Dingolfing und Neuching, kritisch bearbeitet“, in den Histor. Abhandlungen der k. baier. Akademie der Wissenschaften, 1807, S. 1–146; dazu zwei Nachträge, Landshut 1808 und 1809; „Meine Ansichten von der ältesten Topographie Bojoariens“ (München 1811); „Ueber die ältesten Gesetze Bajuvariens. Eine Rede bei der öffentlichen Bekanntmachung der akademischen Gesetze an der k. b. Ludwig-Maximilians-Universität“ (München 1812); „Aelteste Kirchengeschichte von Altbaiern, Oesterreich und Tirol“, I. Theil (Landshut 1813); „Geschichte der baierischen Wiedertäufer im 16. Jahrhundert“ (München 1809); „Geschichte der Schicksale der evangelischen Lehre in und durch Baiern, bewirkt in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, oder Kirchen- und Staatsgeschichte von Baiern von dem Ausbruche der Kirchenreformation bis zu Wilhelm’s IV. Tode, aus den Urquellen bearbeitet, sammt einem diplomatischen Codex“, 2 Bände (München 1809–1810). 1811 ließ W. in Landshut den I. Band einer „Sammlung der kleineren Schriften gemischten, meistens historischen Inhalts“ erscheinen, der neben Originalabhandlungen auch kritische Besprechungen fremder Schriften enthält. – Neben den historischen Schriften Winter’s nehmen die liturgischen den größten Umfang ein, unter denen zu nennen sind: „Versuche zur Verbesserung der Katholischen Liturgie. Erster Versuch. Prüfung des Werthes und Unwerthes unserer liturgischen Bücher“ (München 1804); „Liturgie, was sie sein soll, unter Hinblick auf das, was sie im Christenthum ist, oder Theorie der öffentlichen Gottesverehrung“ (München 1809); „Erstes deutsches kritisches Meßbuch“ (München 1810); „Erstes deutsches kritisches, katholisches Ritual“ (Landshut 1811); „Deutsches, katholisches, ausübendes Ritual“, 2 Theile (Frankfurt a. M. 1813; 2., neu bearbeitete Aufl. von Jacob Brand, Bischof von Limburg, Frankfurt a. M. 1830). Eine „Sammlung der kleineren liturgischen Schriften“ erschien in München 1811 und in Landshut 1814. Die Tendenz dieser Schriften ist aus den Titeln der meisten derselben schon ersichtlich. In seinem Bestreben, die katholische Liturgie, wie er meinte, zeitgemäß zu reformiren, ging W. jedenfalls weit über das richtige Maß hinaus. Auch der milde Sailer kann darüber nicht anders urtheilen, als daß W. darin dem rationalistischen Zeitgeist, der die bloße Sittlichkeit an Stelle der Religion setzen wollte, seinen Tribut entrichtet habe; doch constatirt Sailer auch gerne, daß doch [476] in den späteren liturgischen Schriften Winter’s im Vergleich zu den früheren ein erfreulicher Fortschritt zu einer tieferen Religiosität vorliege. Diese Bestrebungen verwickelten W. auch in litterarische Streitigkeiten, mit dem Professor Salat u. A. – Unter den sonstigen Schriften Winter’s sind noch zwei Lehrbücher zu nennen: „Religiös-sittliche Katechetik“ (Landshut 1811, 2. Aufl. 1816); und ein Lehrbuch der Patrologie unter dem Titel: „Kritische Geschichte der ältesten Zeugen und Lehrer des Christenthums nach den Aposteln, oder Patrologie“ (München 1814). Eine „Abhandlung über die Katechismen“ erschien in Felder’s Neuem Magazin für kath. Religions-Lehrer, Jahrg. 1814.

J. M. Sailer, Rede zum Andenken an V. A. W., gehalten in der Universitätskirche zu Landshut am 23. März 1814, Landshut 1814; in Sailer’s Werken Bd. 38, S. 128–156. – Clem. A. Baader, Lexikon verstorbener Baierischer Schriftsteller des 18. u. 19. Jahrh., Bd. l, 2 (1824), S. 334–338. – H. Doering, Die gelehrten Theologen Deutschlands im 18. u. 19. Jahrh., Bd. IV (1835), S. 744–747. – Permaneder, Annales Univ. Ingolst.-Landish.-Monach., T. V (1859), p. 158, 341 s. – Prantl, Geschichte der Ludw.-Maxim.-Univ. in Ingolstadt, Landshut, München, Bd. II (1872), S. 517. – K. Werner, Gesch. der kath. Theologie (1866), S. 384 bis 386, 387, 391. – Thalhofer, Handbuch der kath. Liturgik, Bd. I (1883), S. 115 f. – Brück, Gesch. der kath. Kirche in Deutschland im 19. Jahrh., Bd. I (1887), S. 441 f. – Hurter, Nomenclator, T. III (ed. 2, 1895), p. 643–646.