ADB:Zelenka, Johann Dismas

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Artikel „Zelenka, Johann Dismas“ von Robert Eitner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 45 (1900), S. 13–15, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Zelenka,_Johann_Dismas&oldid=- (Version vom 17. September 2019, 11:13 Uhr UTC)
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Zelenka: Johann Dismas Z., ein seiner Zeit berühmter Componist, geboren 1681 zu Launowitz in Böhmen, † am 23. December 1745 zu Dresden. Seine Erziehung erhielt er nach allgemeiner Annahme im Jesuitencollegium in Prag, die bestimmend auf seinen Charakter eingewirkt hatte. Ueber seine früheste musikalische Ausbildung ist nichts bekannt, doch scheint es, daß er nur im Instrumentenspiel geübt war, wogegen er sich als Componist schon früh auszeichnete, um 1709 sich im Hause des Freiherrn Josef Ludwig v. Hartig befand und in dessen Auftrage lateinische Cantaten componirte. Im J. 1710 befand er sich in Dresden an der kurfürstlichen Hofcapelle als Contrabassist mit 300 Thlr. Gehalt, der 1711 auf 350 Thlr. erhöht wurde. 1712 componirte er für den h. Cäcilientag eine Messe (in G-dur). Zur weiteren Ausbildung schickte ihn der Kurfürst 1716 nach Wien zu Fux und noch in demselben Jahre nach Italien, resp. nach Venedig zu Lotti, wo sich auch der Kurprinz von Sachsen aufhielt, der wol zugleich eine gewisse Controlle über die Thätigkeit desselben auszuüben hatte. Nach Rochlitz soll er auch nach Neapel zu Scarlatti gegangen sein, doch bestreitet dies Fürstenau, da sich davon in den Acten keine Andeutung findet. 1717 ging er wieder nach Wien, und als auch der Kurprinz das Jahr darauf [14] nach Wien kam, wurde er in dessen Capelle eingereiht. 1719 befand er sich wieder in Dresden. Sein Gehalt wurde nun auf 400 Thlr. angesetzt. Neben seinem Platze als Contrabassist in der Hofcapelle hatte er auch die Capellmeister Schmidt und Heinichen zu unterstützen, d. h. bei deren Verhinderung zu vertreten, entweder als Dirigent oder als Lehrer der Capellzöglinge. Als im Jahre 1723 Karl VI. zum Könige von Böhmen in Prag gekrönt wurde, erhielt Z. den Auftrag eine lateinische Komödie, das Melodrama de Sancto Wenceslao zu componiren, welches auch unter seiner Leitung daselbst zur Aufführung gelangte. Als im J. 1729 Heinichen mit Tode abging, rückte er in dessen Stelle als Kirchenmusikdirector ohne Erhöhung seines Gehaltes ein, was erst im Jahre 1733 eintrat, als ihm der Kurfürst den Titel Compositeur verlieh und sein Gehalt auf 550 Thlr. festsetzte, dagegen wurde seine Eingabe, in der er um den Capellmeistertitel bat, nicht bewilligt. Erst im J. 1736, nach nochmaliger Eingabe, wurde sein Wunsch erfüllt und das Gehalt auf 800 Thlr. erhöht. Er starb unverheirathet 64 Jahre alt an der Wassersucht, ältere Biographien setzen seinen Tod den 22. December 1745 an, während Fürstenau in seinem zweiten Werke den 23. December angibt.

Z. war ein außerordentlich fleißiger und redlicher Mann; man warf ihm zwar vor, daß er allzusehr zur Bigotterie hinneige, die ihm wol durch seine Jugenderziehung bei den Jesuiten eingeimpft war, doch war er andererseits ein so streng moralischer Charakter, daß selbst seine Gegner ihm nichts vorzuwerfen fanden. Seine Compositionen sind unzählig und nicht nur eigene Werke von seiner Hand bewahren die Dresdner Bibliotheken und Archive, sondern auch zahlreiche und umfangreiche Werke anderer berühmter Componisten, die er wol des Studiums halber in sauberer Handschrift herstellte. Gedruckt ist zu seiner Zeit nichts worden, dies mußte in damaliger Zeit vom Componisten selbst auf eigene Kosten besorgt werden und dazu hatte er wol zu wenig Unternehmungsgeist, vielleicht auch nicht Ehrgeiz genug; es genügte ihm die eigene Befriedigung am Schaffen, und da ihm zugleich eine öffentliche Aufführung, entweder in der Kirche, dem Theater, oder bei Hofe sicher war, so fand er völlig Genüge daran und vertiefte sich lieber in eine andere Arbeit. Außer den Dresdner Bibliotheken finden sich fast auf allen deutschen großen Bibliotheken Copien von seinen Werken. Im Archiv der katholischen Kirche trägt ein Schrank seinen Namen, der gefüllt ist mit seinen Autographen. Leider lagert ein schwarzer Staub fast fingerdick auf den Blättern, da man, wie es scheint, nicht für nöthig findet die Musikalien jemals einer Reinigung zu unterziehen. Dieser Schrank enthält 21 vollständige Messen für Chor, Soli und Orchester in Partitur und Stimmen, wie alle folgenden, 7 Kyrie, 4 Gloria, 2 Credo, 6 Sanctus, 7 Agnus Dei, 4 Offertorien, 3 Requiem, 2 Te deum, 108 Psalmen, Litaneien, Antiphonen, Motetten und kleinere geistliche Gesänge, ferner die Oratorien: I penitenti ad sepolchro; Il serpente de bronzo und Giesu al Calvario. Dann 3 Cantaten: Immisit Dominus; Deus dux und Attendite et videte. Ferner 1 Melodrama: De S. Wenceslao (für Prag componirt) und 1 Serenade. – Andere Werke besitzt die kgl. Privat-Musikaliensammlung in Dresden, die sich jetzt im Gebäude des japanischen Palais in Dresden befindet, sie enthält das Oratorium Jesu al Calvario, 1 Messe, Responsorien, 3 Lamentationen, eine Serenata im Autograph und eine Sammlung Arien aus dem Jahre 1733. Ferner an Instrumentalwerken drei Mal 6 Sonaten für 2 Oboen, 1 Fagott, oder für 1 Violine und Tiorba. Auch in der kgl. Bibliothek zu Berlin befinden sich einige geistliche Compositionen, darunter unter den Autographen ein Miserere für 4 Stimmen und kleines Orchester in C-moll. Die Staatsbibliothek in München besitzt das Autograph eines Magnificat, welches einst Friedemann Bach besaß. Auch das [15] Joachimsthal’sche Gymasium besitzt 6 Messen, Magnificats und ein Salve regina. In neueren Ausgaben sind bis jetzt nur 3 Gesänge veröffentlicht: ein Credo, ein Ecce quomodo moritur und ein Salve regina (siehe Eitner’s Verzeichniß neuer Ausgaben, Berlin 1871). Der Satz Ecce quomodo moritur zu 4 Stimmen ohne Begleitung liegt mir vor, er zeichnet sich durch eine echt kirchliche Stimmung aus, die an die Ausdrucksweise des 16. Jahrhunderts vielfach erinnert, unterbrochen durch kühne chromatische Modulationen, die wieder auf eine weit spätere Zeit über Z. hinaus weisen und dem Tonsatze bei seiner beträchtlichen Länge zu großem Vortheile gereichen. Auch darin kann man ihn einen Jünger des 16. Jahrhunderts nennen, daß sich jede Stimme gesangreich bewegt und richtige Abschlüsse zeigt, ferner in der Behandlung der sich wenig auszeichnenden Motive, die selten mehr als eine Durchführung erfahren und darauf einem anderen Motive Platz machen, ebenso ist der Gebrauch der vielfach angewandten Vorhalte dem 16. Jahrhundert abgelauscht.

Fürstenau, Beiträge z. Gesch. d. kgl. sächs. musikal. Kapelle. Dresden 1849, S. 114, 123, 133, 139; ferner Zur Gesch. d. Musik u. d. Theaters am Hofe der Kurfürsten v. Sachsen. Dresden 1861, Bd. II, S. 71 ff. – Rochlitz, Für Freunde d. Tonkunst, u. Cäcilia, eine Zeitschr. f. die musikal. Welt. Mainz 1848, S. 101.