Allgemeines Deutsches Kommersbuch:330

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 658, 659
<< Zurück Vorwärts >>
De Schauenburg Allgemeines Deutsches Kommersbuch 327.jpg
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

[658]
     2. Nach Arabien, nach Arabien laß mich mit dem Wanderstabigen,
wo der Emir einsam trinkt, wo die edlen Wüsten brennen, wo die
flinken Stuten rennen und die Karawane klingt — dahin, Alter, laß
mich ziehn!

     3. Nach den Thälern der Hellenen möchte sich der Busen dehnen,
wo der Boden klassisch schweigt, wo der eingestürzte Tempel seines
Alters düstern Stempel aus beredten Trümmern zeigt — dahin, Alter,
laß mich ziehn!

     4. Nach Ostindien, nach Ostindien möcht’ ich auch den Pfad
ergründigen, möcht’ ich jetzt mit Hand und Ohr, wo die Elefanten
kreisen, wo die Enkel stiller Weisen singen den Bramanenchor — dahin,
Alter, laß mich ziehn!

     5. Nach Hispanien, nach Hispanien laß mich, Alter, ziehn hinanigen,
wo der Cigarito weilt, wo die stolzen Donnen kosen, wo die edlen
Räuber tosen, und die Wunde niemals heilt — dahin, Alter, laß mich
ziehn!

     6. Nach Algerien, nach Algerien, laß mich in den Osterferien, hehrer
Alter, laß mich gehn! Wo die Datteln heimlich reifen, wo die Arabesken
schweifen, und die Antilopen stehn — dahin, Alter, laß mich ziehn!

     7. Nach Brasilien, nach Brasilien reißen jetzt mich die Gefühligen,
wo der Käfer leuchtend hüpft, wo sich bäumt der Krokodile, wo ver=
wegen der Mandrile durch die seltnen Pflanzen schlüpft — dahin,
Alter, laß mich ziehn!

     8. Nach Sibirien, nach Sibirien zu den wildgebornen Tierigen
jetzt es meinen Busen drängt, wo die Bären murmelnd springen, wo
in unwirtbaren Schlingen sich der biedre Zobel fängt — dahin, Alter,
laß mich ziehn!

     9. Nach Ägypten, nach Ägypten laß mich ziehn mit der Geliebten,
wo der Sturm der Küste pfeift, wo der Weise, stets zufrieden, auf
erhabnen Pyramiden schweigend in den Busen greift — dahin, Alter,
laß mich ziehn!

     10. Nach Turkanien, nach Turkanien zieht mich’s unwiderstehlich
anigen, wo der Pascha mordend schmaucht, wo die Dardanellen sausen,
wo die krummen Säbel hausen, und man soviel Geld verbraucht —
dahin, Alter, laß mich ziehn!

     11. Nach Polackien, nach Polackien lasse mich den Ranzen packigen,
wo die Sense blutig schwillt, wo man lebt auf bösem Fuße, wo der
lärmende Krakuse sich in seinen Mantel hüllt — dahin, Alter, laß
mich ziehn!

     12. Nach Norwegien, nach Norwegien laß mich meinen Fuß be=
wegien, wo der Fels gen Himmel schreit, wo der Ozean sich brandet,
wo der Lotse fröhlich strandet, und von fern der Hekla speit — dahin,
Alter, laß mich ziehn!

     13. Nach Neuyorkien, nach Neuyorkien, wolle, Alter, Geld mir
[659] borgien, wo die Ware stumm sich kreuzt, wo genest der Europarier,
wo der letzte Proletarier sich in seidne Tücher schneuzt — dahin, Alter,
laß mich ziehn!

     14. Nach Australien, nach Australien zieht es mich zum letzten=
maligen, nach des Weltteils fünftem Strand, wo die Weltumsegler
stehen, wo Verbrecher in sich gehen und fast alles unbekannt — dahin,
Alter, laß mich ziehn!

     15. Nach Chinesien, nach Chinesien möcht’ ich, wo ich nie gewesigen,
wo die Seelen stille stehn, wo die Menschen wahrhaft wimmeln, Frauen
ihren Fuß verstümmeln, und der Tusch am schwärzesten — dahin,
Alter, laß mich ziehn!

     16. Nach dem kalten Moskowitien möcht’ ich einen Paß besitzigen,
wo der Pope lebt und leibt, wo das Volk stiert in Verblendung, wo
der Zar in starrer Wendung seinen grimmen Ukas schreibt — dahin,
Alter, laß mich ziehn!

     17. Zum Äquator, zum Äquator laß mich eilen, greiser Vator,
wo die schwarze Linie glüht, wo der Wüstenkönig schreitet, wo der
Neger Unrecht leidet, und der Mensch vor Götzen kniet — dahin, Alter,
laß mich ziehn!

     18. Nach dem Rheine, nach dem Rheine, wandr’ ich wieder, wenn
ich weine, wo des Deutschen Vaterland, deutscher Wein und deutsche
Eichen, wo sich Volk und Fürsten reichen ihrer Hände Hochverband —
dahin, Alter, laß mich ziehn!

     19. Nach Schlaraffien, nach Schlaraffien thu mir ein Billet ver=
schaffigen für den nächsten Luftballon, wo entspringt die Limonade, wo
der Ochs ins Maul gebraten flieget Adams dümmstem Sohn — dahin,
Alter, schwärmt dein John!

     20. Nach Karbatschien, Karabatschien in die Wüste Witschi Wat=
schien wirble ich im Wonnemond, wo die Bastonnade schallet, wo der
Bambus lieblich hallet und die Feige saftig lohnt — dahin, Alter,
mach ich Front!

     21. Nach Krakelien, nach Krakelien, nach dem wein= und kümmel=
seligen, stürmet mich, ihr Göttlichen! Wo die Pfropfe festlich böllern,
wo aus klaftertiefen Kellern Nektar und Ambrosia wehn — dahin
scheint mir’s wunderschön!

     22. In dem weisen Sarastronien laß mich ein=, einmal nur wohni=
gen, wo der Mensch den Menschen liebt, wo in diesen heiligen Hallen
rachelos die Menschen fallen, denen man als Feind vergiebt — dahin,
Alter, sei gestrippt!

     23. Sondern auch nach Liliputien, nach dem lieben kleinen putzigen,
pilgr’ ich dann durchs Jammerthal, wo die Mücken Elefanten, Größen
nur die unbekannten, wo es ist wie überall — dahin hab ich keine
Wahl!

     24. Von des Deutschen Vaterlande bin ich auch vielleicht imstande