Allgemeines Deutsches Kommersbuch:268

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Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
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Aus! aus! aus! Lee=ret die Glä=ser, schenkt sie wie=der
ein! Laßt uns al=le fi=de=le Brü=der sein!


          594.     Lied der alten Herren.

     Singw.: O alte Burschenherrlichkeit etc.

     1. Laßt denken uns der alten Zeit, der schönen Jugendstunden:
O alte Burschenherrlichkeit, du bist noch nicht verschwunden! Und ward
auch manche Locke weiß, - es grünt noch unter Schnee und Eis!
Drum sei es laut gesungen: Wir sind ja noch die Jungen!
 
     2. Wir tauchen in den Jugendborn aufs neue immer wieder, und
singen ewig sie von vorn die alten lieben Lieder. Liegt auch die
Jugend noch so weit, - wer innen jung bleibt, lacht der Zeit! Drum
sei es etc.

     3. So lange uns das Herz noch schägt, wolln wir, die jungen
Alten, so lang uns diese Erde trägt, getreu zusammenhalten, und wahren
uns in Freud und Leid den Abglanz schöner Jugendzeit! Drum sei es etc.

Heinrich Seidel.


          595.     Alter Rundgesang.

     Kräftig und mit Wärme.

     1. Le=be, lie=be, trin=ke, schwär=me und be=krän=ze
dich mit mir. Här=me dich, wenn ich mich hä=me,
und sei wie=der froh mit mir.


[535]

          596.     Trinklied.

     Singw.: Grad aus dem Wirtshaus ec.

     1. Mädchen, vor einem Wort hüte dich sehr: Daß ich nicht trinken
soll, sage nicht mehr!
 
     2. Blicke doch rings um dich in die Natur, funkelnden Sonnen=
strahl trinket die Flur!

     3. Brunnen und Quellen trinkt durstig die Au, und in dem
Blumenkelch blinket der Tau.

     4. Trinken die Lüfte nicht würzigen Duft? Schau, und der Falter
trinkt wieder die Luft.

     5. Fliegen die Bienen doch durstig ins Feld, und um die Sonne
schwebt trunken die Welt.

     6. Ja, selbst die Sonne trinkt kühlende Flut, wenn sie im Meeres=
grund rastet und ruht.

     7. Mädchen, drum sag mir nicht: „Trinke nicht mehr!“ Trinkt
doch die ganze Welt rings um mich her.

     8. Reiche den Becher mir, schenke mir ein! Bin ja auf Erden
sonst nüchtern allein!

Hornfeck.


          597.     Tischlied.

     Singw.: Ich will einst bei Ja und Nein etc.

     1. Mich ergreift, ich weiß nicht wie, himmlisches Behagen. Will
mich’s etwa gar hinauf zu den Sternen tragen? Doch ich bleibe lieber
hier, kann ich redlich sagen, beim Gesang und Glase Bier auf den
Tisch zu schlagen!
 
     2. Wundert euch, ihr Freunde, nicht, wie ich mich gebärde; wirklich
ist es allerliebst auf der lieben Erde. Darum schwör ich feierlich und
ohn alle Fährde, daß ich mich nicht freventlich wegbegeben werde.

     3. Da wir aber allzumal so beisammen weilen, dächt ich, klänge
der Pokal zu des Dichters Zeilen. Gute Freunde ziehen fort wohl
ein hundert Meilen, darum soll man hier am Ort anzustoßen eilen.

     4. Lebe hoch, wer Leben schafft! das ist meine Lehre. Unser König
denn voran, ihm gebührt die Ehre. Gegen inn= und äußern Feind
setzt er sich zur Wehre; ans Erhalten denkt er zwar, mehr noch, wie
er mehre.

     5. Nun begrüß ich sie sogleich, sie, die einzig Eine. Jeder denke
ritterlich sich dabei die Seine. Merket auch ein schönes Kind, wen ich
eben meine, nun, so nicke sie mir zu: Leb auch so der Meine!

     6. Freunden gilt das dritte Glas, zweien oder dreien, die mit uns
am guten Tag sich im stillen freuen, und der Nebel trübe Nacht leis
und leicht zerstreuen; diesen sei ein Hoch gebracht, alten oder neuen!