An Herrn Pfarrer Güntert zu Weil

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Textdaten
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Autor: Johann Peter Hebel
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Titel: An Herrn Pfarrer Güntert zu Weil
Untertitel:
aus: J. P. Hebels sämmtliche Werke: Band 2, S. 119–126
Herausgeber:
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1834
Verlag: Chr. Fr. Müller’sche Hofbuchhandlung
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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An Herrn Pfarrer Güntert zu Weil.[1]

Vetter Vogt! Der Bammert (i mueß ichs chlage) wird tägli
liederlicher, füler, versoffener; ’s isch nümme z’lebe,
’s isch nümme z’gschirre mit em; ’s hilft weder strofe, no Zuespruch.

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Looset, wiener mers macht! ’s isch weg’neme Tubakpfifli,

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weg’neme tusignette Pfifli; ’s het mi sex Gulde

chost und ungradi Chrützer, no ohni ’s Bschläg dra, und ohni
’s Chetemli dra; sust seit me der Gattig Pfiflene Merschum.
Wiiß sin si, wie Chlabaster, und weich wie Anke, und wie ne
Fliegeschißli so licht, wenn eim e Fliege ’n uff d’Hand …

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Raucht me’n us so me Pfifli, se wirds wie länger wie schöner.

Zerst wirds grüen am Bschläg, aß wie der libhaftig Grüenspon,
Alliwil witer abe, und alliwil grüener und dunkler,
bis es schwarz isch, wie d’Nacht; doch brun wirds gegenem Chopf zue;
und der Chopf blibt wiß; ’s isch nüt nutz, wenn er nit wiß blibt.

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Aber so e Pfifli isch wie e schaallos Eili,

wie e Sexmonetchindli, (doch nit der Landvögti ihres,)
wo me’s arührt, thuets em weh; im Augeblick het es
Moose, Chritzli, Löchli; me darf nit herzhaft dra chuche.

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Het ein e Ruusch, se will i’m nit rothe us so me Pfifli

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z’rauche, ’s Pfifli wär hih! und überhaupt, wenn ein voll isch

soll er ’s rauche lo si; me het bitrübti Exempel,
’s got mit em zunderst und zöberst, der Bode will unter em breche.
d’Brucke schwanke, d’Berg biwege si, d’Lüt sicht er dopplet,
schwezt mit em selber – armsdicke Wort, – si schieße kem Pfarrer

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so vo de Lippe; der Ziehzero z’Rohm isch numme e Naar gsi.

Aber wider zuem Pfifli. Wenn so e Pfifli versaut isch,
lueget, se cha me’s butze, und wenn’s so rueßig und schwarz isch,
wie der Michel mit vierzeh Striche, wirds ich doch wider
wie der g’falle Schnee, me glaubts nit, wemmes nit gseh het.

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Schabe cha me’s, und wenns so rublig wie’s Here Faktore

Jokeb Friderli wär, se wird’s ich so glatt und so glänzig,

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’s Suffilis Bäckli chönne nit glänziger, chönne nit glätter
si, – und wenn so e Pfifli recht g’schlacht sol blibe, se nimmt me
näumen e Tüpfi, wo no ke Eierenanke isch drin gsi,

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loßt im Tüpfi Wachs vergoh, wie finer, wie besser,

und chocht ’s Pfifli im Wax; ’s isch aber e bsundere Vortel,
’s cha’s nit iedwede Chue! Der werdets selber nit chönne!
Usem Fundement verstohts der Bammert, und sider
as er d’Feldhuet verlore, und keini Einig me z’zieh het,

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puzt er Pfifli. Der Burscht het sust schier nüt me z’verdiene.

’s Stunde rüffe treit nit viel i; zwor brüelt er enzezli,
er, und d’Chatze, und d’Güehl, und ’s Wirths fuelärtige Hofhund
hen e Gragöl mitenander; der Mond am Himmel wird schüüch drob.

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d’ Hexe bsegne si selber im ruessige Chämi, und bette:

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„das walt Gott, und b’hüetis Gott!“ – So grüseli brüelt er.

Aber brüele und sufe isch zweierlei. Gsoffe mueß doch si!
Und wie ärger er brüelt, wie ärger suuft er bis d’Sterne
nootno verbleiche am graue Himmel, und enenam Turnberg
lisli der Morge verwacht; und was er mit Brüele verdient het,

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het er vor Tag scho versoffe. Vo was iez lebe? Der Tag will

au si Sach, und der Bammert isch ken vo dene, wo ’s Esse
obem Trinke vergessen, er frißt ich mit Vieren um d’Wett,
wenn ers het, seigs Ehes, seigs Brotis, Tübli und Strübli.
Aber so e Lebe chost Geld in ietzige Zite!

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d’Noth lert bette, d’Noth lert schaffe, d’Noth lert de Bammert

Pfifli putze. Es treit zwor wenig i, doch ischs so viel.

[124]

Loset iez, wie er mers macht! Mi Pfifli isch rublig, – i gib em’s.
Vor zwölf Wuche, ’s het no gschneit, ’s het no ke Blüemli
’s Chöpfli zeigt, se gib i’m mi Pfifli, und sag em: „Do hent er’s!

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Schabet’s, siedet’s, putzet’s; gent Achtig druf, – ’s chostet sex Gulde,

ohni ’s Bschläg dra, und ohni ’s Chetemli. Bringet’s bald wider!
Wenn der’s ordeli putzet, und zitli bringet, so hilf i ich
wider zue enem Aemtli, und zahl ich extra zwo Halbi.“
Sot’s der Bursch nit thue? Was macht er? Er nimmt mer mi Pfifli.

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„Io, i will ich’s putze und ordeli wider bringe!“ –

Sellemols gseh, und nümme! I frog’ en, wo i’m de Chopf sieh,
„Bammert, hen der mer’s Pfifli?“ – „I blos ich ufs Pfifli,“ isch d’Antwort.
„Hent er’s verlore?“ – Nei! – se hen ders versoffe, bikennets!
Nei i ha’s nit versoffe! – se bringet’s! – Morn will i’s bringe.“

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Lueget, se trib is vo Faßnecht bis Ostre, vo Ostre bis Pfingste.

Wer mer’s Pfifli nit bringt, das isch der liederlich Bammert.
Vetter Vogt! Drum meint i, der chönnet mer öppe do bi stoh!
Wenn der e scharpfe Bifehl im Bammert schicktet; der wüsset,
wie me mitem mueß rede! so dütli: „’s Dunder und ’s Wetter

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fahr ich in Chrage denn au! Dir dunderschießige Chetzer!

Het der Her Stabhalter si tusig schön Pfifli für euch gchauft?
’s Pfifli use! bi Gott! sust müenter sechs Wuche ins Hüüsli.
Dixi! Güntert Vogt.“ – – Was gilts, er loßt’s nit druf a cho!

Thüent mer der Gfalle, Herr Vogt! – Der neu Vikari vo Lörech

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bringt ich d’Bollete, ne brave Her, und gmei mitte Lüte.

Sust sin die iunge Burst mengmol e wenig phatestig,

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meine sie heigen ellei mit Löffle d’Glersamkeit gfresse.
Aber der neu Vikari isch kei vo dene. Er predigt
Gottes Wort, wies si ghört, und füehrt e christliche Wandel,

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het e tröstlige Zuespruch, und wenn er d’Bibel vom Schaft langt,

hexefrisirt er eim d’Sprüch so dütli, daß es e Freud isch.
Drum erwiset em Ehr – I will ihn grekhummedirt ha!

 Stabhalter.


  1. Hebel pflegte, als er noch in Lörrach angestellt war, seinen Freund Güntert im Scherze Vogt zu nennen, und behält hier diese Benennung bei. Sich selbst nannte er Stabhalter, und einen andern Freund, der damals Amtsactuar zu Lörrach war, Bammert, d. i. Bannwart, Feldhüter.