An den Kladderadatsch

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Textdaten
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Autor: Rudolf Lavant
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Titel: An den Kladderadatsch
Untertitel:
aus: In Reih und Glied
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Verlag von J. H. W. Dietz
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Erscheinungsort: Stuttgart
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons,
S. 107–109
Kurzbeschreibung:
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An den Kladderadatsch.

(1890.)

Du bist einst groß und eine Macht gewesen,
Als du noch wirklich schneidig warst und spitz;
Ein souveräner Herrscher war dein Witz
Und Deutschland hat mit Spannung dich gelesen.

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Nach rechts und links, nach unten und nach oben

Hast du gehau’n, ein lustiger Kumpan,
Und dem am häufigsten du weh gethan,
War doch bereit, als ehrlich dich zu loben.

Tempi passati! Nur zu bald verflogen

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War spurlos dir der rechte Spiritus;

Man hat sogar sehr bald zum Fidibus
Ein ander Stück Papier sich vorgezogen.
Das macht, der alte, urfidele Knabe
Ward ein Philisterchen, das heißt servil –

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Wo blieb der Laune anmuthsvolles Spiel,

Wo blieb die hohe, seltne Göttergabe?

Du zogst nach oben frisch nicht mehr vom Leder
Und was der Kanzler meinte, sprach und that,
War dir Gesetz – du tauchtest früh und spat

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In einem Topf voll Honig deine Feder.

Sie troff ja förmlich von der süßen Waare
Und Unterthänigkeit ward all’ dein Sein;
Du wobst geschäftig einen Heil’genschein
Um die bewußten drei einsamen Haare.

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Der andre Topf hat Gift und Schmutz enthalten;

Daraus bespritzte rastlos deine Hand
Den Mann, der kecken Sinns sich unterstand,
Zu rechten mit den herrschenden Gewalten.
Du maltest ab als unverschämte Knoten,

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Als Rotte Korah, die nach Fusel riecht,

An der das Deutsche Reich im Innern siecht,
Allwöchentlich – und herzlich schlecht! – die Rothen.

In diesem Zirkel drehte sich des Alten,
Der einst ein Springer war, gemessner Tanz;

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Die Langeweile, sie ergriff mit Glanz

Und Energie Besitz von deinen Spalten.
Es glichen sich die Nummern und die Wochen;
Man nahm dich friedlich gähnend in die Hand,
Und wenn in dir man je ein Witzchen fand,

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So hatten – deine Setzer ihn verbrochen.


Was, alter Junge, willst du nun beginnen?
Nun zieht sogar der Heil’genschein nicht mehr,
Denn grollend ging auf Nimmerwiederkehr
Der „General der Kavallerie“ von hinnen.

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Man sagt sogar, er sei gegangen worden,

Weil da und dort er widerborstig war,
Doch wie dem sei – das Eine ist dir klar:
Du schaust vergebens trüben Blicks nach Norden.

Was ist zu thun? Der Fall ist ziemlich bitter;

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Es sehnt vielleicht nach einst’gem stillen Glück

Und an der Leine Ufer sich zurück
Des Kanzlerthums geschworner „letzter Ritter.“

[109]
Auf diesem Feld wird dir kein Lorbeer sprießen,

Und eher kommst du gänzlich auf den Hund

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Durch steten Witz- und Abonnentenschwund;

Ich rathe dir, die Bude zuzuschließen.

Anmerkungen (Wikisource)

Die satirische Zeitschrift Kladderadatsch, gegründet im Revolutionsjahr 1848, entwickelte sich unter der Ägide Ernst Dohms (Chefredakteur 1849–1883) u. a. immer stärker in eine nationalliberal-konservative Richtung. Der Kladderadatsch unterstützte zunehmend die Politik Otto von Bismarcks und verurteilte den aufkommenden Sozialismus scharf.

Ebenfalls abgedruckt in:

  • Der Wahre Jacob, Nr. 98 (1890), S. 781.