BLKÖ:Hurban, Miloslav Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hunyadi, Stephan
Band: 9 (1863), ab Seite: 436. (Quelle)
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Hurban, Miloslav Joseph (slovakischer Parteigänger in Ungarn im Jahre 1848 und 1849 und evangelischer Pfarrer). Zeitgenoß. Nicht das Priesterliche Amt, welches H. bekleidet, nicht die literarische Wirksamkeit, welche er schon mehrere Jahre vor dem Eintritte der blutigen Ereignisse, in denen er viel [437] genannt wurde, zu entwickeln begann, haben seinen Namen bekannt gemacht, wohl aber sein energisches Auftreten als Parteigänger, dessen letzter Zweck in diesem Augenblicke nicht historisch festgestellt ist, sich aber, zusammengehalten mit den Bestrebungen der übrigen stammverwandten slavischen Völker Oesterreichs im Jahre 1848, immerhin ahnen läßt. Nachdem H. die theologischen Studien geendet, trat er in die Seelsorge und war vor Ausbruch der ungarischen Revolution im Jahre 1848 Pfarrer der evangelischen Gemeinde zu Hluboka in der Neutraer Gespanschaft Ungarns nahe an der mährischen Grenze. Anfänglich betrieb er eifrig das Studium der čechischen Literatur, später aber unter Anleitung Stur’s das Slovakische (neuslovenische). Im Jahre 1839 bereiste er im Auftrage der Preßburger Akademie Böhmen und Mähren zu literarischen Zwecken und veröffentlichte das Ergebniß seiner Forschungen in der Schrift: „Česta Slováka ku bratřím slovanským na Moravě a v Čechách “, d. i. Reise eines Slovaken zu seinen slavischen Brüdern in Mähren und Böhmen (Pesth 1841). Auf dieser Reise lernte er zu Brünn seine nachherigen Kampfgenossen Bloudek und Zach kennen. Spätere schriftstellerische Arbeiten und ein entschiedenes Vertreten der slovenischen Nation gegen die magyarischen, durchaus nicht den Charakter der Gleichberechtigung an sich tragenden Bestrebungen erwarben ihm einen ausgebreiteten Ruf, machten ihn aber auch den Magyaren mißliebig, die in ihm einen mächtigen Gegner erkannten. Kaum waren die Märzereignisse des Jahres 1848 eingetreten, als auch Hurban, die Sachlage durchblickend, alsbald erkannte, jetzt oder nie müsse etwas geschehen, um die von der magyarischen Partei schwer gedrückte Nationalität der ungarischen Slaven von diesem Drucke zu befreien. Je weniger aber die Ungarn zu Concessionen gegen die Slovaken geneigt waren, desto mehr trugen sie ihren Fanatismus und ihre Herrschgier gegen dieselben zur Schau, und der Fanatismus auf der einen Seite weckte Fanatismus auf der andern. Die Kossuthisten drohten den slavischen Patrioten mit Knute und Galgen; diese aber hatten beschlossen, um jeden Preis die Fessel zu sprengen, mit welcher sie die Ungarn umspannt hielten. Hurban begab sich mit Stur nach Wien, besuchte dort die Versammlungen der zahlreich herbeiströmenden Slaven, betheiligte sich an den Verhandlungen und hielt Reden, welche Aufsehen erregten. Im April kehrte er zu seiner Gemeinde zurück, offen und heimlich Anstalten treffend zu einer allgemeinen Erhebung. Bei der Zuchtlosigkeit der Kossuthisten war es für den aufmerksamen Beobachter nicht schwer, vorauszusehen, daß es zwischen der ungarischen und der dynastischen Partei bald zu einem Bruche kommen werde. H. verband sich sofort mit den vorzüglichsten Führern der Čechen und Südslaven, um vereint mit ihnen eine Erhebung gegen die Ungarn im dynastischen Sinne zu bewirken und so die nationale Selbstständigkeit der Slaven in Ungarn zu erreichen. Unter solchen Umständen machte die politische Thätigkeit Hurban’s nur um so mehr die Aufmerksamkeit der Magyaronen rege, und als H. die Slovaken und alle Gleichgesinnten bald unter freiem Himmel, bald in den Städten versammelte, sie über die Anforderungen der Zeit, der Freiheit und der Nation in begeisterten Reden belehrte, wuchs leichtbegreiflich ihr Mißtrauen [438] gegen H. und seine Anhänger. Die Verhältnisse begannen schon so bedenklich zu werden, daß es gefährlich war, als Hurban’s Anhänger zu gelten und daß viele seiner Collegen, slovakische evangelische Geistliche, theils aus edler Wohldienerei, theils aus Furcht, einige Wenige auch aus Ueberzeugung, sich von ihm lossagten und in’s Lager seiner Feinde übertraten. Der nächste Anlaß zum vollständigen Bruche war auch bald gegeben, als am 4. Mai 1848 mehrere Gardisten im Städtchen Senic dem slovakischen Studenten Branko Abasy den Hut mit roth-weißen Federn vom Kopfe rießen. Abasy suchte Schutz bei Hurban in Hluboka. Dieser verlangte Federn und Hut von den Gardisten, an deren Spitze ein Baron Schmerzing gestanden, zurück. Die Ungarn erwiederten auf diese Forderung, Hurban möge sie sich selbst holen. Diesem Ansinnen nachzukommen war H. verhindert, weil auf den 5. Mai eine Nationalversammlung in Liptau stattfand und er derselben beiwohnen wollte. Kaum hatte sich Hurban von Hluboka entfernt, als die ungarische Partei Militär dahin schickte, welches die ungarische Fahne mitten im Orte aufpflanzte, gegen die Bewohner verschiedene Gewaltthaten verübte und gegen Hurban, den es nicht fand, einen Haftbefehl erließ. Selbst Hurban’s Gattin, die zurückgeblieben war, wurde in roher Weise mißhandelt und aus dem vorräthigen, zum Schulbaue bestimmten Holze wurden vor der Pfarrerwohnung Galgen aufgerichtet, an welchen, wie die Ungarn schrieen, die slovakischen Priester aufgehängt werden sollten. Da auch die Behörde in Hluboka es mit den Ungarn hielt, so wäre es für Hurban gewagt gewesen, dahin zurückzukehren. Im Lande war er auch nicht sicher, er floh also aus demselben, unterhielt aber einen ununterbrochenen Verkehr mit seiner Partei und arbeitete vereint mit den Čechen, Croaten und Serben an der Erhebung seines Volkes gegen die Ungarn. Er hatte dem Slavencongresse in Prag beigewohnt. Bereits war auf seinen Kopf von den Ungarn ein Preis gesetzt; dieß bestimmte ihn nur zu noch energischerem Handeln. Er begab sich in die serbische Wojwodschaft, nach Belgrad, nach Slavonien und feuerte die Slaven zum Kampfe an; er schaffte Schußmaterial herbei und in Wien berieth er sich mit Hodza, Stur, Bloudek, Zach und Janecek, die sämmtlich daselbst versammelt waren. Sobald die Slaven sich erhoben hatten, wurde H. an die Spitze des slovakischen Nationalrathes gestellt. Der Kampf der Slaven gegen die Ungarn fiel zum Nachtheile der Ersteren aus, da ihr Gegner ihnen weit überlegen war. Nichts destoweniger war H. unermüdet thätig, sein Volk zu einer zweiten Erhebung zu ermannen. Am 13. October 1848 kam er nach Prag und rüstete im Verein mit Stur und Hodza eine zweite Expedition gegen die Ungarn aus. Während Fürst Windischgrätz, der damals in Prag befehligte, über Jellačić’s Verwendung diese Werbungen geschehen ließ, wurde H. von der „Slowanska Lipa“, einem slavischen Verein, auf das kräftigste unterstützt. Der Erfolg war, daß am 11. December 1848 die Ungarn hinter die Waag zurückgedrängt wurden. Am 14. Jänner 1849 hatte H. sein Lager in Mosovce, am 8. Februar in St. Niclas, wo ihm Freiwillige aus der Neutraer, Trentschiner, Turczaner und anderen Gespanschaften zuströmten. Der weitere Gang der Ereignisse, der Einmarsch der Russen [439] und die Capitulation Görgey’s, sind bekannt. Im März erschien H. an der Spitze einer ansehnlichen Deputation, Abgesandte aus verschiedenen Comitaten Ungarns und darunter Kuzmány, Stur und Zach, in Olmütz, wo er mit denselben am 20. März eine Audienz bei Sr. Majestät dem Kaiser hatte und die Bitte um Anerkennung der slovakischen Nationalität vorbrachte. Noch folgten einige stürmische Ereignisse, in welchen H. eine Rolle spielte, endlich übergab er in Gemeinschaft mit Daniel Borik und Stur am 22. August 1849 dem Minister Bach ein Promemoria, worin die Grundzüge zu einer Verfassung für die Slovaken verzeichnet waren. Nachdem endlich die ungarischen Wirren beigelegt waren und die Verhältnisse es gestatteten, kehrte auch H. zu seiner Gemeinde in Hluboka, als deren Pfarrer er neuerdings bestätigt worden war, am 7. Juni 1850 zurück. Die ihm angebotene, nach Johann Kollár’s Tode erledigte Predigerstelle in Pesth nahm H. nicht an; denn der feindselige Einfluß der wenngleich auf dem Schlachtfelde erlegenen Kossuthischen Partei war noch nicht gebrochen und konnte ihm nur sein priesterliches Amt verleiden. Bald darauf wurden schwere Anklagen und Beschuldigungen, sein Verhalten in den Jahren 1848 und 1849 betreffend, gegen H. erhoben, er sogar vom Amte suspendirt und in Untersuchung gezogen; aber im September 1850 erklärte das Gericht H. für schuldlos und er wurde am 4. November d. J. wieder in Amt und Würden eingesetzt. Seit dieser Zeit lebt H. ausschließlich seinem Berufe und literarischen Arbeiten. Im April 1851 begann er wieder die Herausgabe der periodischen zu Skalic ausgegebenen Schrift: „Slovenskje pohladi na vedi, umenza a literatúru“, d. i. Slavische Schätze für Wissenschaft, Kunst und Literatur, welche bereits in den Jahren 1846 und 1847 erschienen, durch die stürmischen Zeitereignisse des Jahres 1848 aber unterbrochen worden war. In neuerer Zeit – im August 1861 – unternahm H. eine Reise nach Deutschland, um der in jenen Tagen zu Hannover abgehaltenen Generalversammlung des Gustav Adolph-Vereines beizuwohnen.

Die Umtriebe Hurban’s und Compagnie und das Schattenreich der Slovakei nebst einigen Bemerkungen über die Palacky’sche Gleichberechtigung der Nationalitäten. Vom deutschen Michel aus der präsumtiven Slovakei (Wien 1850, Carl Gerold u. Sohn, kl. 8°.). – Rittersberg, Kapesní slovníček novinářský a konversační, d. i. Taschenwörterbuch für Conversation (Prag 1850, Pospišil, kl. 8°.) Theil I, S. 696.