BLKÖ:Hurka, Friedrich Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hurkiewicz, Johann
Band: 9 (1863), ab Seite: 439. (Quelle)
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Hurka, Friedrich Franz (Sänger und Tonsetzer, geb. zu Merklin in Böhmen 23. Februar 1762, gest. zu Berlin in der Nacht vom 9./10. December 1805). Der Sohn eines Schulmeisters; schon dieser, wie dessen jüngerer Bruder Franz, beide leibeigene Müllerssöhne, hatten sich durch ihre musikalische Virtuosität emancipirt. Der Sohn Friedrich Franz sang mehrere Jahre in Prag in der Kreuzherrenkirche als Altist und während er das Altstädter Gymnasium fleißig besuchte, bildete er sich unter Biaggio’s Leitung immer mehr im Gesange aus. Als seine Stimme später mutirte, übte er sich im Tenorsingen. 1784 betrat er in Leipzig bei der Bondinischen Truppe zum ersten Male die Bühne, kam 1788 als Kammersänger zu dem Prinzen Heinrich zu Schwedt, spielte aber zugleich die ersten Liebhaberrollen im Singspiel. Nun folgte er einem Rufe als churfürstlicher Kammersänger [440] nach Dresden und von dort 1789 nach Berlin in gleicher Eigenschaft. Daselbst feierte H. mit seinem Gesänge große Triumphe. Gerber, sein Zeitgenosse, der ihn selbst gehört, schreibt über ihn „Seine Declamation, sein empfindungsvoller Vortrag in sanften und traurigen, sein Feuer in heftigen Sätzen, sein Flug in den gewaltig hinströmenden Passagen, sein Rollen durch unübersehbare Tonreihen rissen das Gefühl und die Bewunderung des Zuhörers in gleichem Grade hin, so daß er aus sich selbst gesetzt wurde (sic); wenigstens war dieß bei mir der Fall“. Während seines Aufenthaltes in Berlin stand er auch mehrere Jahre hindurch an der Spitze des zu jener Zeit viel gerühmten großen Concertes in der Stadt Paris. Zugleich war H. ein sehr beliebter Liedercomponist und sind viele seiner Compositionen, theils einzeln, theils in größeren Sammlungen im Stiche erschienen. Gerber führt dieselben einzeln auf. Darunter sind: „Scherz und Ernst. Zwölf Lieder“ (2. Aufl., Dresden 1789, bei Hilscher); ein zweiter Theil mit ebenso viel Liedern (Mainz 1793), und ein dritter (Berlin 1795); – „Die Farben in fünf Liedern“ (ebd. 1795); – „Fünfzehn deutsche Lieder mit Begleitung des Fortepiano“ (1797); – „Sechs Canons für drei Singstimmen mit dem Fortepiano“; – „Cantate“, 1801 zu Berlin bei Meierotto’s Grabesfeier aufgeführt; auch wird ihm die Composition der Oper: „Das wüthende Heer“, zugeschrieben. Unter den von Hurka componirten Liedern befinden sich auch mehrere von Schiller, als: „Das Lied an die Freude“; – „Das Mädchen aus der Fremde“, u. dgl. m. H.’s im besten Mannesalter von 43 Jahren erfolgter Tod soll theils durch zu große Anstrengung beim Gesange, theils durch unregelmäßigen Lebenswandel veranlaßt worden sein. – Friedrich’s Bruder Joseph (geb. 1758)[WS 1] war gleichfalls Sänger bei den Kreuzherren in Prag und nachdem er die Stimme verloren, Tenorsänger, der auch trefflich das Violoncell spielte. 1780 unternahm er eine musikalische Reise in’s Ausland, wurde – die Gründe sind unbekannt – Franziscaner, später Minorit in Spanien, verließ aber wieder beide Orden und nahm Kriegsdienste in Portugal. Ueber seine weiteren Schicksale ist nichts bekannt. Joseph setzte gleich seinem Bruder mehrere Lieder, außerdem Sonaten und Solo’s für das Violoncell und befanden sich seine Compositionen handschriftlich in den Händen seiner Freunde in Böhmen. – Franz ein Onkel väterlicher Seits der beiden Vorgenannten, war Lehrer zu Blowitz, ein ausgezeichneter Organist und hat viele – wie sein Biograph berichtet – „im echt Bach’schen Geiste ausgeführte Kirchenmusikstücke“ geschrieben. – Dlabacz gedenkt auch noch eines vierten, Johann H., der 1768 in Prag lebte und sich in der Musik ausbildete; 1789 in den Prämonstratenserorden trat, ihn aber wieder verließ. Er nennt ihn einen guten Baßsänger und vortrefflichen Violoncellspieler, weis jedoch nicht, ob er auch componirte. Aus Melancholie soll er Prag verlassen und auf das Land sich zurückgezogen haben.

Leipziger allgemeine musikalische Zeitung, Bd. XIII, S. 649; Bd. XVI, S. 878. – Berliner Haude’- und Spener’sche Zeitung 1805, Nr. 149. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, gr. 8°.) Bd. I, Sp. 661 [nach diesem geb. 1761]. – Milde (Theodor), Ueber das Leben und die Werke der beliebtesten deutschen Dichter und Tonsetzer (Meißen 1834, Gödsche, [441] kl. 8°.) Theil II, S. 55. – Dlabacz (Gottfried Joh.), Allgemeines historisches Künstler Lexikon für Böhmen … (Prag 1815, Gottlieb Haase, 4°.) Bd. I, Sp. 678 [heißt daselbst einfach Franz und ist nach diesem bereits 1803 gestorben]. – Neue Annalen der Literatur des österreichischen Kaiserthumes (Wien, Doll, 4°.) I. Jahrg. (1807), Bd. I, Intelligenzblatt des Monats Februar, Sp. 70. – Gerber (Ernst Ludwig), Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1812, Kühnel, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 748. – Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Eduard Bernsdorf (Dresden, Arn. Schäfer, gr. 8°.) Bd. II, S. 468. – Oesterreichischer Zuschauer, herausgegeben von J. S. Ebersberg (Wien, gr. 8°.) Jahrg. 1838. Bd. III, S. 960 [nach diesem geb. 8. August 1761]. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Section. 12. Theil, S. 154.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Josef Martin Hurka (Wikipedia).