BLKÖ:Toscana, Maria Antoinette Erzherzogin

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 46 (1882), ab Seite: 211. (Quelle)
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Toscana, Maria Antoinette Erzherzogin (geb. in Florenz am [212] 10. Jänner 1858). Die Prinzessin ist die einzige Tochter des Großherzogs Ferdinand IV. [S. 177] aus dessen erster Ehe mit Anna, Tochter des Königs Johann von Sachsen. Kaum ein Jahr alt, verlor sie die Mutter, die Großherzogin Anna, welche am 10. Februar 1859 das Zeitliche segnete. Kurz darauf wurde sie durch die Revolution 1859 ihrer schönen Heimat entrissen. In Dresden liebreich ausgenommen von ihren erlauchten Großeltern, dem Könige Johann und der Königin Amalie von Sachsen, einer Schwester des kunstsinnigen Königs [Ludwig I. von Bayern|Ludwig]] von Bayern, der Erzherzogin Sophie, Mutter des gegenwärtigen Kaisers Franz Joseph von Oesterreich, und der Königin Elisabeth von Preußen, blieb sie am sächsischen Hofe der Gegenstand zärtlichster Pflege bis zum siebenten Jahre, in welchem sie zu ihrem Vater übersiedelte. Als Erzieherin stand ihr Fräulein von Colombini, gewesene Hofdame der verewigten Großherzogin Mutter, vor. Vom König Johann, welcher in dem Kinde glückliche Anlagen entdeckt hatte, wurde sie in die literarischen Studien eingeweiht und seitdem in denselben die ganze Zeit unterrichtet, welche sie, so lange er lebte, jedes Jahr bei ihm zubrachte. Er erschloß ihr die reinen Quellen der Classiker und leitete auch ihre ersten Versuche in der Poesie. Sie erwiderte die liebevolle Fürsorge, welche sie am königlichen Hofe fand, mit den zärtlichsten Beweisen kindlicher Pietät und war ihren Großeltern in deren letzten Lebenstagen ein trostspendender Enget. Als die Erzherzogin Marie Christine im Jahre 1879 dem Könige Alphons von Spanien angetraut wurde, verzichtete dieselbe auf die hohe Würde einer Aebtissin des Hradschiner adeligen Damenstiftes, welche dann Seine Majestät der Kaiser der Erzherzogin Maria Antoinette verlieh. Zwischen der neuen Aebtissin, deren Installation am 16. September 1880 zu Prag erfolgte, und ihrer Vorgängerin bestehen die innigsten Bande einer aus gleich edler Gesinnung und angeborener Herzensgüte entstandenen Freundschaft. Der auf das Wohl der Armen bedachten Erzherzogin Maria Antoinette gewährt unausgesetzte Mildthätigkeit die innigste Befriedigung. In ihrer bescheidenen Zurückgezogenheit widmet sie sich mit Vorliebe den Studien, in denen sie, der Anleitung ihres unsterblichen Großvaters, des Königs Johann, folgend, die besten Fortschritte macht und seit einigen Jahren an dem Director der Salzburger Lehrerbildungsanstalt Dr. Adolph Bekk, einem in seiner Heimat noch zu wenig gewürdigten lyrischen Dichter Oesterreichs, einen tüchtigen Leiter gefunden hat. Gelungene Proben dieser Studien legte die Erzherzogin in mehreren Dichtungen ab, welche ob ihrer Formvollendung und Reinheit der Sprache allgemein bewundert wurden. In den „Dioskuren“, dem literarischen Jahrbuch des ersten allgemeinen Beamtenvereins der österreichisch-ungarischen Monarchie, Jahrg. XI, 1882, liest man einige dieser Poesien, welchen in den literarischen Kritiken mehrerer Tagesblätter rühmliche Erwähnung zutheil ward. Das „Journal des Débats“ nennt sie: „des petits chefs-d’oeuvre aussi facilement rimés que gracieusement pensés“, und vergleicht sie: „à des gouttes de rosée s’épanouissant au grand soleil sur la corolle d’une fleur“. Auch wird der Erzherzogin die Autorschaft eines Bändchens Gedichte, betitelt: „Lieder von Arno“ (Salzburg 1881, Druck und Verlag von Anton Pustet, gr. 12°., 95 S., 2 Bl. Inhalt), zugeschrieben, [213] wovon nur eine ganz kleine Anzahl Exemplare, als Manuscript gedruckt, unter wenige Auserwählte vertheilt wurde. Dieses Bändchen enthält 62 Lieder voll Innigkeit und Wehmuth, von denen einige von dem schon erwähnten Commendatore Fraxola meisterhaft ins Italienische übersetzt wurden. Im Anhange sind noch einige Dichtungen: 1) „Der Winter“, 2) „Deauville“, I–III, und 3) „Salzburg“ beigegeben. Letzteres hat Karl Santner [Bd. XXVIII, S. 206] in Musik gesetzt. Außer der Literatur pflegt die Erzherzogin mit glücklichem Erfolge die Zeichenkunst und die Musik. Mit diesen geistigen Gaben vereinigen sich in ihr seltene Vorzüge des Herzens. So hatte die Erzherzogin während ihres Aufenthaltes in Sachsen längere Zeit auf dem königlichen Jagdschlosse Johannishausen zugebracht und mit der Tochter des dortigen Domänenpächters in freundschaftlichster Weise verkehrt. Die Jugendgespielinen hatten sich eines Tages gelobt, daß der sich zuerst Vermälenden von der Anderen eigenhändig der Kranz ins Haar geflochten werden solle. Die Tochter des Domänenpächters wurde zuerst Braut. Als die Erzherzogin dies erfuhr, flocht sie auch, ihres gegebenen Versprechens eingedenk, der einstigen Jugendgespielin eigenhändig den Brautkranz ins Haar. Tiefempfundener religiöser Sinn durchdringt jede ihrer Handlungen. Eine edle Offenherzigkeit und liebenswürdigste Leutseligkeit gewinnt ihr die achtungsvollste Sympathie Aller, die je so glücklich waren, ihr nahen zu dürfen.

Prager Zeitung, 16. September 1881, Nr. 213: „Ceremoniell für die feierliche Installation Ihrer kaiserlichen Hoheit der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Maria Antonia als Aebtissin u. s. w. – Salzburger Zeitung, 1880, Nr. 220 und 221: „Erzherzogin Maria Antonia“. – Dieselbe, 1880, Nr. 102: „Ueber die Dichtung der Erzherzogin: Salzburg“. – Die Heimat (Wiener illustrirtes Wochenblatt), V. Jahrg., 6. Heft, S. 201: „Erzherzogin Antoinette“. – Korneuburger Landpresse vom 10. Juli 1881: „Eine fürstliche Dichterin“. Von Joseph Schwarzbach. – Journal des Débats du Mercredi 1 Mars 1882: „Les Dioskuren“ par M. Newlinski.
Porträt. Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in der „Heimat“, V. Jahrg. (1880), S. 201 [trefflicher und sehr ähnlicher Holzschnitt mit beigefügtem Facsimile des Namenszuges].