BLKÖ:Waldstein, Joseph Karl Emanuel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 52 (1885), ab Seite: 226. (Quelle)
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29. Joseph Karl Emanuel (geb. 16. Februar 1755, gest. 17. März 1814), von der Dux-Leitomischler Linie. Der älteste Sohn des Grafen Emanuel Philipp aus dessen Ehe mit Maria Anna Theresia geborenen Prinzessin von Liechtenstein und Bruder der Grafen Johann Friedrich [S. 236], Franz de Paula Adam [S. 234] und Ferdinand Ernst [S. 231], erbte er als Senior der Familie am 10. April 1797 das Seniorat Trebitsch in Mähren und führte das Votum beim schwäbischen Kreise. Er starb im Alter von 59 Jahren unvermält. Die Erinnerung an ihn hat sich vornehmlich durch sein hochsinniges Verhalten gegen den Abenteuerer Casanova von Seingalt bewahrt. Prinz De Ligne im fünfzehnten Bande seiner „Oeuvres mélées en prose et en vers“ berichtet das Nähere darüber. Graf Waldstein hatte Casanova bei dem venetianischen Gesandten in Paris, dessen Tischgäste Beide zufällig waren, kennen gelernt. Er bewog den Abenteuerer, der eben auf dem Trockenen saß, ihm auf seine Herrschaft Dux in Böhmen zu folgen. Der Graf, welcher sich für cabalistische Dinge sehr interessirte und in der Literatur darüber, wie überhaupt in wissenschaftlichen Disciplinen in ungewöhnlicher Weise bewandert war, fühlte sich zu Casanova hingezogen und um den unbedingt sehr kenntnißreichen Abenteuerer dauernd an sich zu fesseln. ernannte er ihn zu seinem Bibliothekar. Wie sehr aber Casanova des Grafen Gunst mißbrauchte, wie geradezu unerträglich er nach und nach in seinem ganzen Wesen wurde, beschreibt Prinz De Ligne ausführlich, und nachdem Waldstein vierzehn Jahre die Launen seines Günstlings mit wahrhaft heroischer Geduld ertragen, machte sich dieser endlich heimlich aus dem Staube, und der Graf und die Dienerschaft athmeten auf, wie von einem Alp befreit. Später aber kehrte Casanova nach Dux zurück und soll daselbst hochbetagt gestorben sein, nach der Sterbematrikel der Duxer Dechantei am 4. Juni 1798. Ausführliches über des Abenteuerers Aufenthalt bei dem Grafen Waldstein berichtet Lucian Herbert (Gundling) in seinem Roman: „Casanova Chevalier de Seingalt“ (Jänner 1874, 8°.). und zwar in der Einleitung S. 1–75 des ersten Bandes, welche viel interessantes Detail enthält, das kaum Jemand dort suchen möchte. –