BLKÖ:Waldstein, Franz de Paula Adam Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 52 (1885), ab Seite: 234. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Franz Adam von Waldstein-Wartenberg in der Wikipedia
GND-Eintrag: 104345292, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Waldstein, Franz de Paula Adam Graf|52|234|}}

Waldstein, Franz de Paula Adam Graf (Botaniker, geb. in Wien 24. Februar 1759, gest. zu Oberleutensdorf in Böhmen am 24. Mai 1823; diese Angaben sind dem Grabdenkmal entnommen), von der Dux-Leitomischler Linie. Ein Sohn Emanuel Philipps aus dessen Ehe mit Maria Anna Theresia Prinzessin Liechtenstein, erhielt er eine sorgfältige Erziehung und wandte sich frühzeitig mit großer Vorliebe dem Studium der Kräuterkunde zu. Noch ein Jüngling, wurde er in den Malteserorden aufgenommen und zog als Ritter desselben – erst 18 Jahre alt – im Jahre 1777 zum Kampfe gegen die Muselmänner und afrikanischen Raubstaaten. Drei Jahre stand er im Felde und legte Proben seiner Tapferkeit ab, dann kehrte er mit Erlaubniß seiner Ordensoberen in die Heimat zurück.. Als dann 1787 der Türkenkrieg ausbrach, zog der Graf auch in denselben, und nachdem er noch theilgenommen an dem Feldzuge gegen Preußen, welcher durch baldigen Friedensschluß ein rasches Ende fand, verließ er 1789 mit dem Range eines k. k. Rittmeisters die Reihen der kaiserlichen Armee. Nun widmete er sich ausschließlich seinem Lieblingsstudium, der Botanik, welche er auch während seiner Kriegsdienste treu gepflegt hatte. Durch sieben Jahre bereiste er mit dem Botaniker Professor Kitaibel [Bd. XI, S. 337] das an seltenen und merkwürdigen Pflanzen so reiche Ungarn und trug ebenso die Kosten der umfassenden Unternehmung, wie er denn auch die damit verbundenen Gefahren und Mühseligkeiten nicht scheute. Nach beendeter Reise, als nämlich 1797 die französischen Heere von Italien aus den Kaiserstaat bedrohten, trat er wieder in die Reihe der Kämpfer, und zwar in das zu Wien errichtete adelige Cavalleriecorps. Nach dem Friedensschlusse von Leoben (April 1797) kehrte er aufs neue zu seinen wissenschaftlichen Arbeiten zurück, denen er damals, nicht, [235] wie es in einzelnen Biographien heißt, auf einem seiner Güter in Ungarn – denn er hatte keine solchen – sich hingab, sondern auf dem Landgute Vedröd bei Ziffer im Preßburger Comitate, wo er die ständige Gastfreundschaft des Grafen Franz Zichy, obersten Mundschenks des Königreichs Ungarn, genoß und von wo aus er seine botanischen Ausflüge unternahm. Sein Herbarium vivum, aus einigen Tausend in Ungarn wachsenden Pflanzen bestehend, lag zu Vedröd (Woderad) im Preßburger Comitate und zu Báb im Neutraer Comitate aufgehäuft. Außer Kitaibel begleitete auf diesen wissenschaftlichen Reisen den Grafen auch ein Maler, Namens Schütz, und zwar ganz auf Kosten desselben. Es dürfte wohl der Zeichner und Kupferstecher Karl Schütz gewesen sein, dessen dieses Werk im XXXII. Bande, S. 131 gedenkt. Bald ging der Graf auch daran, die Ergebnisse seiner mehrjährigen Wanderungen zu veröffentlichen. 1800 begann das Werk zu erscheinen unter dem Titel: „Plantae rariores Hungariae indigenae descriptae et iconibus illustratae a Comite Francisco Waldstein et Paulo Kitaibel“ Decas I–III, mit 50 illum. KK. (Viennae, gr. Fol.). Im Jahre 1802 wurde dieser Titel geändert und das Werk bis 1812 unter dem neuen fortgesetzt: „Francisci Comitis Waldstein et Pauli Kitaibel... Descriptiones et icones plantarum rariorum Hungariae“, Vol. 3 (Viennae typ. Matth. And. Schmid, gr. Fol.); das ganze Werk aus 28 Decaden, jede zu 16 Tafeln, kostete 311 Reichsthaler. Die Aufnahme des Werkes in der gelehrten Welt war eine ungemein günstige; die gelehrten Gesellschaften von Moskau, Berlin, Regensburg, Prag u. a. ehrten den Herausgeber durch Ernennung zu ihrem Mitgliede, und der berühmte Botaniker Wildenow gab einer neuen von ihm entdeckten Pflanze den Namen Waldsteinia. Noch aber war das Werk nicht vollständig erschienen, als die drohenden Zeitereignisse des Jahres 1809 den Grafen neuerdings ins Feld riefen. Mit dem Range eines Oberstwachtmeisters übernahm er das Commando der drei Bataillons der Wiener Landwehr und machte den Feldzug 1809 mit, nach dessen Beendigung ihm vom Kaiser das Commandeurkreuz des Leopoldordens nebst dem Oberstlieutenantscharakter verliehen wurde. Als dann 1814 sein ältester Bruder Joseph Karl Emanuel starb, ging das Fideicommiß auf den Grafen Franz Adam über, und er selbst übernahm nun die Verwaltung der Herrschaften Dux, Oberleutensdorf, Moltheuern, Großskall, Zwigan, Lonkowitz, Sicherhof u. s. w. Aber auch jetzt bewährte er sich als der Mann der Wissenschaft und Humanität. Auf den Schlössern nahm er geschmackvolle Umgestaltungen vor, in Teplitz führte er große Verschönerungen aus, um den Badegästen den Aufenthalt angenehmer zu machen, dann stellte er ein Naturaliencabinet, eine Porcellansammlung, eine Kunstgalerie und eine Waffenkammer auf, baute mit großem Kostenaufwand Schulhäuser für die Jugend auf seinen Herrschaften und that Vieles für die Verschönerung der nächsten Umgebung seiner zahlreichen Besitzungen. Die bedeutende Tuchfabrik in Oberleutensdorf, welche bereits seit einem Jahrhundert bestand und durch Erzeugung der feinsten Tücher im In- und Auslande berühmt war, hatte im Drange der Zeitwirren schwer gelitten und war ins Stocken gerathen. Da schaffte der Graf sofort neue Maschinen, rief tüchtige Manufacturisten [236] herbei und steuerte dem Verfall der Fabrik, welche sich bald zu neuer Blüte erhob. Als Wohlthäter seiner Unterthanen starb er, von diesen und den Seinen tief betrauert, im Alter von 65 Jahren. Seine botanischen Sammlungen (Herbarium vivum) hatte der Graf dem böhmischen Museum vermacht.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Herausgegeben von Fr. Aug. Schmidt (Ilmenau, Voigt, 8°.) 2. Jahrgang (1824) 2. Heft, S. 1029. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) 14. März 1825, Nr. 31, S. 164: „Beiträge zum gelehrten Oesterreich. – Ebenda. S. 430: „Bemerkung zu dieser Biographie“. Von Georg von Gyurikovics. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835 u. f., 8°.) Bd. VI, S. 24. – Kanitz (August). Versuch einer Geschichte der ungarischen Botanik (Halle 1865, 8°.) S. 129 [nach diesem geb. 11. Februar 1759, gest. 25. Mai 1823].
Porträt. C. Agricola[WS 1] p. 1822; C. Rahl sc. (Fol.). Davon sind auch Abdrücke vor der Schrift vorhanden.
Grabdenkmal. Graf Franz de Paula Adam starb auf seiner Herrschaft Oberleutensdorf und liegt auch daselbst begraben. Seine Gattin ließ auf der Ruhestätte ein prachtvolles Grabdenkmal errichten. Es bildet eine Capelle im korinthischen Style. In der Mitte prangt das h. Kreuz, verschleiert bis zur Grundlage, die einem Altar gleicht und mit dem eigentlichen Geschlechtswappen geziert ist. Unter dem Kreuze trauert eine Frauengestalt (die Gattin). Zwei Genien schmücken die Ecken der Grundlage und die Oberfläche zwei Leuchter. Rechts in der Wand liest man: „Franz Adam Graf von Waldstein-Wartenberg, kais. königl. Kämmerer, Oberstlieutenant in der Armee, Erbvorschneider im Königreiche Böhmen, Commandeur des Leopoldordens u. s. w, geboren den 24. Februar 1759, gestorben den 24. März 1823. Als Held ein Mensch, als Mann ein Held | Im Schlachtendampf und auf des Wissens Feld | Im Besten niemals übertroffen, | Kannst du, mein schlummernder, nun hoffen [Auf süßen Lohn in jener bessern Welt, | Geehrt von Musen und vom Vaterland, | Geliebt so wie ein Vater von den Seinen, | Gingst du durchs Leben an der Tugend Hand. | Wie soll ich nicht um dich, Geliebter, weinen. | Geweiht von seiner Gattin Karoline verwitweten Gräfin Waldstein-Wartenberg“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: E. Agricola.