BLKÖ:Alschinger, Andreas

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 14 (1865), ab Seite: 377. (Quelle)
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* Alschinger, Andreas (Botaniker, geb. zu Angern bei Budweis in Böhmen 20. November 1791, gest. zu Wien 10. Jänner 1864). Der Sohn unbemittelter Eltern, der zur Landwirthschaft bestimmt, anfänglich die Schule zu Rosenthal, später die zu Böhmisch-Reichenau besuchte. Im Alter von 16 Jahren kam er auf das Gymnasium nach Linz, wo er auch das Studium der Theologie begann, es aber nach drei Jahren wieder aufgab, als ihn nämlich auf einer, im Jahre 1818 durch Steiermark, Kärnthen, Krain, das lombardisch-venetianische Königreich, Tirol und das Küstenland unternommenen Erholungsreise in Triest Dr. Volpi, Director der Handels- und See-Akademie daselbst, kennen lernte und ihm eine Stelle als Supplent an der Akademie antrug, welche A. auch annahm. Im Jahre 1820 kam A. nach Fiume als Lehrer am dortigen Gymnasium und im folgenden Jahre nach Zara als Professor der Weltgeschichte am Lyceum. Als letztere als ein freier Gegenstand erklärt wurde, übernahm A. [378] noch das Lehramt der griechischen und lateinischen Philologie. 31 Jahre war er auf diesem Posten thätig, im Jahre 1855 trat er in das neu errichtete Obergymnasium als Professor der griechischen Sprache, drei Jahre später aber, 1858, in den Ruhestand über. Während dieses vieljährigen Lehramtes vertrat er zu wiederholten Malen beim Abgange des Directors dessen Stelle, führte wiederholt die Oberaufsicht über die dortige Bibliothek und supplirte einmal ein ganzes Jahr die Lehrkanzel der Naturgeschichte und ein anderes Mal für längere Zeit jene der deutschen Sprache. Im Jahre 1859 übersiedelte er nach Wien, wo zwei seiner Söhne den Studien oblagen, aber das im Verhältniß zu dem Klima Dalmatiens rauhe Wiener Klima und die veränderte Lebensweise sagten ihm auf die Dauer so wenig zu, daß er bei seinem bereits vorgerückten Alter den Einflüssen beider erlag. Das naturwissenschaftliche und vornehmlich botanische Studium hatte A. seit früher Zeit mächtig angezogen, und sein College im Lehramte Peter Petruzzi, der tüchtige Botaniker Hladnik [Bd. IX, S. 60], waren die Ersten, die ihn in dasselbe einführten, während ihn der Umgang mit Männern wie Berini und Brumati zu Ronchi bei Monfalcone darin förderte und wesentlich unterstützte. Die Frucht einer im Jahre 1829 gemeinschaftlich mit Petruzzi unternommenen botanischen Reise durch ganz Dalmatien mit Einschluß der Inseln war das Werk: „Flora Jadrensis“ (Zara 1832), welches A. auf eigene Kosten herausgab, und das, wenn man den Zeitpunct seines Erscheinens, den Stand der botanischen Wissenschaft im Kaiserstaate und den Mangel aller Hilfsmittel in Betracht zieht, für die Tüchtigkeit der botanischen Studien des Verfassers Zeugniß gibt, aber auch für den Sprachforscher Interesse darbietet, da den lateinischen, deutschen und italienischen Namen der Pflanzen auch die griechischen und dalmatisch-illyrischen Bezeichnungen beigefügt sind. Die übrigen Arbeiten Alschinger’s sind, im Schulprogramme des Gymnasiums von Zara 1852/53 ein „Verzeichniß der seit Herausgabe der Flora Jadrensis im Gebiete von Zara neu entdeckten Pflanzen“, welche Aufzählung theilweise auch in das österreichische botanische Wochenblatt (1853, S. 406) aufgenommen worden; ferner im amtlichen Berichte über die Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Wien, im Jahre 1856: „Ueber das Brennholz in Zara“, dann in der österreichischen botanischen Zeitschrift, in den Jahrgängen 1859–1861, die Aufsätze: „Beiträge zur Flora von Lesina“; – „Der Biokovo des Velebitgebirges“; – „Ueber die jodhaltigen Pflanzen Dalmatiens“. Auch als Sammler verdient A. Erwähnung und als solcher richtete er nicht bloß auf Pflanzen, sondern auch auf Thiere und Mineralien sein Augenmerk, und die im Besitze der Familie des Verstorbenen befindlichen Sammlungen enthalten reiche Belege für die Flora und Fauna Dalmatiens, darunter manches Seltene und Neue. Nach Portenschlag und Visiani hat A. im Gebiete der Phanerogamen-Flora Dalmatiens das verdienstlichste geleistet; er hat wichtige Beiträge zur Flora dalmatica von Visiani geliefert und an verschiedene Anstalten, z. B. an die Regensburger botanische Gesellschaft, an die zoologisch-botanische Gesellschaft zu Wien, an das Museum Francisco-Carolinum in Linz, das Gymnasium zu Zara, ganze Sammlungen vertheilt; auch stellte er über Aufforderung des Zaratiner Guberniums im Jahre 1838, bei Gelegenheit [379] der Reise des Königs Friedrich August von Sachsen durch Dalmatien, eine Sammlung von Pflanzen dieses Landes zusammen. Als Fachmann wurden A.’s Kenntnisse auch zu wiederholten Malen von Seile der Regierung in Anspruch genommen, und zwar erhielt er den Auftrag eine Naturgeschichte für die Normalschulen zu schreiben; das von der Studien-Hofcommission als zweckentsprechend anerkannte Werk wurde später veränderter Pläne wegen zurückgelegt; im Jahre 1839 wurde er aufgefordert, in Gemeinschaft mit Eduard Josch [Bd. X, S. 268] eine Reise durch Dalmatien in landwirthschaftlichen Angelegenheiten zu unternehmen; das Ergebniß derselben war die Herausgabe einer Belehrung über den Bau von Sumach und Waid. Im Jahre 1841 wurde er zum Mitgliede des Comité’s für Gründung einer Gesellschaft zur Beförderung der Landwirthschaft und Erweiterung naturwissenschaftlicher Kenntnisse erwählt. Die Botanik, welche zur Verherrlichung ihrer Pfleger, Freunde und Förderer ein so sinniges und einfaches, wenn leider auch nur zu sehr mißbrauchtes Mittel gewählt, hat die Erinnerung an Alschinger’s Namen an ein Genus: Citysus Alschingeri Vis. gebannt; eine von Visiani selbst aufgestellte Umbelliferen-Gattung: Alschingera verticellata (Laserpitium verticellatum Wk.), wurde wohl vom Autor selbst eingezogen, hingegen in neuerer Zeit zur Clausilia semirugala Zglr. als Subspecies, die Clausilia Alschingeri Küst., einbezogen. In welcher Achtung Alschinger’s Name in dem der deutschen Wissenschaft wenn nicht feindlichen doch immer gleichgiltigen Oberitalien stand, dafür sprechen laut die Einladungen, welche A. erhielt, auf den italienischen Gelehrten-Versammlungen zu Padua, Lucca und Mailand zu erscheinen.

Oesterreichische botanische Zeitschrift, herausgegeben von Alexander Skofitz (Wien, 8°.) XIV. Jahrg. (1864), S. 151.